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Ein Buch zum Erinnern für uns

Stralsund Ein Buch zum Erinnern für uns

Ursula Kaden – Mitbegründerin der Stralsunder Friedensgebete – veröffentlicht den Band: „Jakobi, der Turm und wir“

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Neu auf dem Buchmarkt: „Jakobi, der Turm und wir“

Ursula Kaden bringt ein Buch über die Stralsunder Jakobikirche von 1945 bis 1989 heraus.

Quelle: Foto: Marlies Walther

Stralsund. /Neu Seehagen. Ursula Kaden muss nicht lange überlegen. Auf die Frage, warum und für wen sie dieses Buch geschrieben hat, kommt eine prägnante Antwort: „Für uns und unser Erinnern.“ In dem Band „Jakobi, der Turm und wir“, der 2017 im Verlag Edition Pommern erschienen ist, beleuchtet die Architektin und Katechetin die Zeit, die diese Kirche zwischen 1945 bis zur Maueröffnung in Stralsund gespielt hat.

Fast „zufällig“ wiederum sei es überhaupt zu der Veröffentlichung gekommen, sagt die Frau, die seit 1997 in dem kleinen Ort Neu Seehagen bei Velgast lebt. Ihre Erinnerungen an die Wende hat sie in ihrem ersten Buch „Dazwischen. Die kleine Seite der Friedlichen Revolution“ (2015) geschildert.

In dem Zusammenhang erzählt sie über einen Besuch 2007 in der Jakobikirche, als sie das Gotteshaus einfach auf sich wirken lassen wollten. Das war inzwischen zur Kulturkirche umgebaut worden, hatte sich stark verändert. Jakobi kam ihr „wie eine geliftete Lady“ vor. Zu der Zeit sei ihr eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2003 über „den vergessenen Raum“ mit vielen Informationen zur Kunst und Baugeschichte in die Hände gefallen. „Aber da stand bis auf einige wenige Sätze nichts über die Kirche zu DDR-Zeiten drin“, sagt Ursula Kaden. „Das kann nicht sein. Ich weiß, dass viel mehr geschehen ist“, überlegte die Frau, die zu den Mitinitiatorinnen der Stralsunder Friedensgebete im Herbst 1989 gehörte. Diese Überlegungen und Gespräche mit dem Pastor Winrich Jax gaben den Ausschlag für eine Ausstellung, für die Ursula Kaden viel Material zusammengetragen hat. Das stehe heute auf einem Speicher. Und sie recherchierte weiter, um ein Buch daraus zu machen.

„Die DDR-Sachen sacken so weg“, beobachtet Ursula Kaden. Doch „Zukunft braucht Herkunft“, sagt die 72-Jährige. „Wir hatten plötzlich eine Zukunft, zu der unsere Herkunft nicht mehr passt.“ Manche würden sie verdrängen, anderen wäre sie peinlich. Dem wollte Ursula Kaden entgegenwirken.

Denn „das, woran wir uns jetzt noch erinnern, ist Zeitgeschichte. Es liegt an unseren Entscheidungen, was davon später in die Geschichte eingeht“, ist die Autorin überzeugt. Sie forschte im Stadtarchiv und im Archiv des Kirchenkreises, suchte Fotos, Dokumente, wühlte sich durch Zeitungen, wollte die Spur des Lebens über das „schlagzeilenlose Tun und Wirken“ für St. Jakobi finden.

Und sie fand sie. Auch in vielen Gesprächen mit anderen Zeitzeugen wie zum Beispiel mit dem Stralsunder Torsten Hennig, der in der Jungen Gemeinde sehr aktiv war. Beeindruckt habe sie zum Beispiel, wie engagiert sich die Leute in den 1960er-Jahren, als in Stralsund ein Kirchentag stattfand, für St. Jakobi eingesetzt haben. Einer ihrer Lieblingssätze stammt von Thekla Peters, die erzählte, dass vorher ganz viel Sand rausgeschleppt wurde. Denn in dem Sakralbau war zu jener Zeit der kirchliche Bauhof untergebracht. Ursula Kaden hat für das Vorwort zu ihrem Buch die Stralsunderin Friederike Thomas gewonnen. Deren erste Begegnung mit der Kirche fand 1993 statt. Auch sie hätte vieles nicht gewusst, gibt die Kunsthistorikerin zu. Ursula Kaden sei es gelungen, „ein lebendiges und berührendes Bild der Entwicklungen und Ereignisse, die St. Jakobi zur DDR-Zeit prägten“, zu schaffen.

Ihr Buch hat die Autorin in acht Kapitel aufgeteilt. In jedem Kapitel gibt es jeweils ein Bibelzitat und zum Abschluss Bilder von St. Jakobi heute. Ein Stückchen ist es natürlich auch ihre eigene Lebensgeschichte. Denn die Mutter einer Tochter und Oma von zwei Enkeln hatte zu DDR-Zeiten ihren Job als Architektin im Stralsunder Stadtplanungsamt verloren, weil sie sich so stark für die Kirche einbrachte.

Ihr damaliger Chef nötigte sie, einen Aufhebungsvertrag zu unterzeichnen. Dadurch erhielt die Frau, die sich nach der Wende 1993 als Architektin selbstständig machte, nie eine berufliche Rehabilitation. „Es ist eine Ungerechtigkeit, die mir widerfahren ist. Aber was dabei heraus kam, war eine schöne, intensive Zeit mit tollen Erfahrungen“, sagt sie heute.

Katechitin und Architektin

Die Autorin wurde 1945 in Erfurt geboren. Nach dem Studium der Architektur an der TU Dresden von 1966 bis 1971 arbeitete Ursula Kaden bis 1983 als Architektin in Dresden, Erfurt und Stralsund.

1978 war sie in die Hansestadt gekommen und machte hier eine zweite Berufsausbildung zur Katechetin in der Evangelischen Kirche. Sie war bis 1992 als Katechetin, Pfarramtsverwalterin und Dozentin tätig.

Seit 1987 gehörte sie zum Stralsunder Friedenskreis, war eine der Initiatoren der Stralsunder Friedensgebete im Herbst 1989 und Mitbegründerin der SPD am Sund. 1993 machte sich Ursula Kaden als freie Architektin selbstständig. Seit 1997 lebt sie in Neu Seehagen bei Velgast.

Ihr Buch „Jakobi, der Turm und wir“ ist 2017 im Elmenhorster Verlag Edition Pommern erschienen. Erhältlich ist der Band für 14,95 Euro unter der ISBN:

978-3-939680-39-0.

Marlies Walther

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