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Stralsund Ein Bündnis für das ganze Leben
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00:00 29.10.2016

Vor wenigen Tagen feierten Ilse und Georg Hoyer aus Altefähr ein Jubiläum, was es nur sehr selten gibt: den 70. Hochzeitstag, die sogenannte Gnadenhochzeit.

Eigentlich kennen sich Ilse und Georg Hoyer (91) bereits viel länger als 70 Jahre. „Wir sind zusammen in die Grundschule in Erfurt gegangen“, sagt Ilse. Die 91-Jährige lächelt schelmisch. „Ab und zu hab’ ich ihn auch etwas veralbert.“

Das hat ihr „Schorsch“ aber offenbar nicht übel genommen, denn fortan verliefen ihre Wege zusammen. Georg war in der Schulzeit mit den Brüdern von Ilse befreundet und so war er „einfach immer da“, wie sich Ilse Hoyer heute erinnert. „So hat sich das dann ergeben.“

Als die Kinder 1939 aus der Schule kamen, begann der Krieg. „Georg machte eine Schlosserlehre“, erzählt Ilse Hoyer. „Ich durfte meine Lehrstelle als Textilverkäuferin zunächst nicht antreten, musste für ein Jahr zum Arbeiten aufs Land. Eine harte Zeit.“ Später wurde die junge Frau zur Arbeit in einer Erfurter Flugzeugfabrik verpflichtet, der Mann zur Marine eingezogen. Unzählige Briefe gingen hin und her. „Uns war ja klar, dass es etwas ernstes mit uns ist“, sagt sie. 1946 wurde schließlich geheiratet. Mit dem Spruch von den gebrauchten Sachen, die bei der Hochzeit Glück bringen, hätten die beiden es sehr wörtlich genommen, berichtet Ilse Hoyer. „Das Kostüm war geborgt, der Anzug auch“. 1949 wurde dann ihr Sohn geboren, 1964 kehrte das Paar Erfurt aus gesundheitlichen Gründen den Rücken, zogen zunächst nach Stralsund, später dann auf die Insel Rügen. „Zuerst hatten wir nur unseren Schrebergarten hier in Altefähr und haben in Stralsund gewohnt“, erzählt Ilse Hoyer. „Meistens zumindest. Im Sommer waren wir mehr im Garten als Zuhause. Wir sind nämlich beide mit Gartenerde aufgewachsen. Ein Garten gehört für uns dazu.“ Die Aufgabenteilung war klassisch: Blumen waren Ilses Spezialität, Obst und Gemüse das Einsatzgebiet von Schorsch, der 25 Jahre bei der Volkswerft in Stralsund arbeitete, während Ilse zeitweilig als Verkäuferin arbeitete. „Das war damals so meine Vorstellung. Der Mann arbeitet, die Frau ist zuhaus“, blickt Georg Hoyer nachdenklich zurück. „Ganz schön konservativ.“

Großes Hobby der beiden neben dem Gärtnern, war immer das Fahren. Ob mit dem Auto, zunächst aber mit dem Motorrad mit Beiwagen, Hoyers zog es auf die Straße. Oft ging es zu den Eltern nach Erfurt.

„Das war schon eine ganz schöne Strecke runter nach Thüringen“, erinnert sich Georg Hoyer. „Ilse saß im Beiwagen, das Gepäck kam auf den Gepäckträger und dann ging es los!“ So stolz beide Hoyers auch auf ihr Mobil waren – die Fahrten waren nur etwas für harte Naturen. „In Greifswald war ich meistens schon komplett durchgefroren“, lacht Ilse Hoyer. „Manchmal haben wir ja sogar auch einen Eimer Aal für die Eltern mitgenommen, der stand dann ganz vorne in der Spitze des Beiwagens“.

Wesentlich komfortabler wurde es ab den 1970er Jahren. „Damals haben wir unseren Skoda im Lotto gewonnen!“, erzählt Ilse Hoyer. Am Steuer saß Georg Hoyer. „Ich bin wirklich gern gefahren. Und auch gut“, sagt er. „Verkehrsknotenpunkte wie das Frankfurter Kreuz konnten mich nicht schrecken.“ Ilse auf dem Beifahrersitz war für die Route verantwortlich. Sie hatte den Atlas auf dem Schoß und fuhr die Strecke auf der Karte mit einem winzigen Spielzeugauto ab. „Mit rechts und links habe ich es nicht so“, lächelt sie. „Aber mit dem kleinen Auto hat die Orientierung ganz wunderbar funktioniert.“ Schade, dass das Fahren nicht mehr geht, sagen die beiden einhellig. Zwar haben sie in Nachbarn Dieter Exter einen echten Schatz, der insbesondere Ilse mit neu erschienenen Büchern und Kreuzworträtseln versorgt, aber viel aus dem Haus kommen würden sie nicht mehr . Die Bücher, vor allem historische Romane, aber verschlingt Ilse Hoyer, liest oft bis spät in die Nacht.

„Wenn ich nachts um zwei aufwache und mich umdrehe, ist Ilse oft noch beim Lesen“, erzählt Georg und lächelt. „Das kenne ich schon.“

Natürlich will man von einem Ehepaar, das so lange verheiratet ist, auch das Geheimnis einer glücklichen Ehe wissen. „Vertrauen und Verzeihen“, meinen beide. „Nicht nachtragend sein“. Und einen Rat hat die 91-jährige Ilse auch noch an junge Paare. „Seid dankbar und zufrieden, dann werdet ihr glücklich“, sagt sie. „Und lebt nicht über eure Verhältnisse. Wir haben nie auf Kredit gekauft und hatten nie Probleme.“

Anne Ziebarth

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