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Stralsund Ein Hauch von Venedig in Starkow
Vorpommern Stralsund Ein Hauch von Venedig in Starkow
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00:00 13.08.2018
Wer braucht da noch das echte Venedig: Gerd Albrecht bietet an der Uferbefestigung der Barthe Gondelfahrten an. Quelle: Fotos: Christian Rödel
St

arkow. Ein begnadeter Entertainer ist an Gerd Albrecht verloren gegangen, denn wie der Direktor des Barther Vineta-Museums und erste Vorsitzende des Starkower Vereins „Backstein – Geist und Garten“ am Samstagabend die Venezianische Nacht moderierte, war showreif. Geistreich, witzig und bisweilen frech kann der promovierte Naturwissenschaftler sein, der am Wochenende mit den aktivsten seiner über 100 Vereinsmitgliedern ein andersartiges Sommerfest vom Feinsten organisierte, das er unter das Motto Venedig stellte.

Die berühmte Lagunenstadt diente als Motto fürs Sommerfest – und viele Gäste kleideten sich auch so

Bereits am Sonnabendnachmittag konnten die ersten Gäste durch den Starkower Pfarrgarten auf verschlungenen Pfaden des grünen Refugiums lustwandeln. Als Gondoliere verkleidet, bot Gerd Albrecht fachkundige, humorvolle Führungen an. „Hier sehen Sie den Frauenmantel, der den Morgentau als Tröpfchen speichert und diese sorgen auf der Haut für vorpommersche Schönheit – ich nutze diese Tinktur täglich in der Frühe“, dozierte er verschmitzt und erntete schallendes Gelächter. Als es an den Rizinus-Gewächsen vorbeiging, sprach Albrecht von Terror-Pflanzen, die angeblich wegen ihres giftigen Proteins schon zu Staatskrisen geführt haben. Der Fall Skripal lässt grüßen!? Es ging weiter zu essbaren Lilien, die trotz oder gerade wegen ihres hoch polymeren Fruktosegehaltes sehr wohlschmeckend sein sollen. Wenn der Naturwissenschaftler das sagt und diese Lilien genussvoll verspeist, kann das nicht lebensgefährlich sein, mutmaßten die wissbegierigen Gäste. Plötzlich wollten viele von ihnen auch kosten!

Zur Dramaturgie der Venezianischen Nacht gehörte auch die Ankündigung Albrechts: „Sobald sich die Nebel über der nächtlichen Lagune erheben, können Sie sich von unseren Gondolieres durch Venedigs Kanäle gondeln lassen.“ Der Canale Grande war die Uferbefestigung der Barthe – und dort gab es zumindest eine Gondel-Attrappe. Nach dem Verdauen diverser lukullischer Verführungen pilgerte die gesamte Festgesellschaft, von denen sich einige Gäste mit venezianischen Masken geschmückt hatten, in die Starkower Backstein-Basilika. Ein betörendes Konzert unter dem viel versprechenden Motto „Italien im Norden“ verzauberte das Auditorium in den Mittel- und Seitenschiffen des Gotteshauses.

Die jungen Musiker Johanna Oelmüller-Rasch (Viola da gamba), Sabina Chukurova (Cembalo), Carsten Henschel (Countertenor) und Hannes Immelmann (Traversflöte) brachten meisterhafte Werke, unter anderem von Bononcini, Telemann, Händel und Keiser, auf meisterliche Weise zu Gehör. Inzwischen war die Blaue Stunde in die Nacht umgekippt, als die Konzertbesucher aus der Kirche strömten und durch den mit Fackeln illuminierten Pfarrgarten wieder zur Backsteinscheune pilgerten. Hier erwartete die Gäste der nächste Hochgenuss: Mit einer faszinierenden Feuershow begeisterten die jungen Artistinnen des Stralsunder Kinder- Jugendzirkus´ „Ostsee O Lini“. Noch am Abend zog Cornelia von Uckro, zweite Vorsitzende des Vereins „Backstein - Geist und Garten“ eine Bilanz: „Den Leuten hat unser neues Konzept gefallen und wir werden sehen, ob wir dieses mediterrane Thema im kommenden Jahr weiter ausbauen können“. Die Theologin, die über Jahre das Barther Bibel-Zentrum geleitet hat, und jetzt in Berlin lebt und arbeitet, will dem Starkower Verein treu bleiben und auch künftig neue Ideen mit in die Tat umsetzen. Die Venezianische Nacht endete mit Gewitter und Starkregen – es folgte „Aqua alter“ in dem vorpommerschen Lagunenort, aber Hochwasser ist ja schließlich auch typisch für Venedig.

Christian Rödel

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