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Stralsund Ein Stralsunder entdeckte den Sauerstoff
Vorpommern Stralsund Ein Stralsunder entdeckte den Sauerstoff
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00:04 26.03.2018
Das Geburtshaus von Carl Wilhelm Scheele in der Stralsunder Fährstraße ist heute das Vier-Sterne-Hotel Scheelehof. Quelle: Foto: Stefan Sauer
Stralsund

Carl Wilhelm Scheele stammte aus Stralsund, absolvierte weder ein Gymnasium noch eine Universität, blieb ohne Promotion sowie Habilitation und wurde von den etablierten Akademikern lange ignoriert. Dann jedoch erlangte er in Schweden als Pharmazeut sowie Chemiker mit seinen Erkenntnissen europäische Bedeutung. Königliche Akademien und wissenschaftliche Gesellschaften in ganz Europa beriefen ihn zum Mitglied. In MV und in Schweden wird er bis heute als einer der bedeutendsten Forscher der Pharmazie- und Chemiegeschichte verehrt.

Carl Wilhelm Scheele.

Scheele werden bis zu 20000 chemische Experimente nachgesagt. Die Entdeckung des Sauerstoffs gilt als seine größte Leistung. Sie begründete eine neue chemische Theorie. Man widmete Scheele Denkmäler, benannte Straßen nach ihm. Sein restauriertes Stralsunder Geburtshaus ist eine Kulturstätte mit einer Gedenktafel, die an seine Verdienste erinnert.

Scheele Vater wirkte als Brauer und Kornhändler in Stralsund, wo Sohn Carl Wilhelm am 9. Dezember 1742 als das siebte von elf Kindern geboren wurde. Drei Jahre später ging das elterliche Geschäft in Konkurs. Das repräsentative Elternhaus in der Fährstraße kam in fremde Hände und die kinderreiche Familie bei Verwandten unter, bis der Vater als Makler eine neue Existenz aufbauen konnte.

Trotz aller Sparzwänge konnte Carl Wilhelm einige Jahre eine heimische Privatschule besuchen, ehe er eine Apothekerlehre begann. Dazu ging er als 15-Jähriger in die Göteborger Apotheke „Zum Einhorn“, wo zuvor bereits sein älterer Bruder gelernt hatte.

Sein Lehrherr Martin Andreas Bauch förderte die experimentellen Fähigkeiten seines Schützlings. Dazu las der Stralsunder sämtliche Fachbücher, derer er habhaft werden konnte. Viele Anregungen entnahm er den Schriften seines deutschen Kollegen Caspar Neumann. Mit dem Gesellenbrief ging Scheele nach acht Jahren nach Malmö, wo er seine autodidaktischen Studien fortsetzte, weiter experimentierte und den Anschluss an gelehrte akademische Kreise suchte. Ohne Erfolg. Auch seine ersten Aufsätze mit den Erkenntnissen aus seiner intensiven experimentellen Laborarbeit wurden glatt ignoriert.

1768 wechselte Scheele nach Stockholm. Doch die Hauptstadt- Erwartungen wurden nicht erfüllt. Deshalb ging er nach Uppsala, wo er die Bekanntschaft einiger Universitäts-Professoren, wie Thorbjörn Bergman und Carl von Linne, machte. Beide waren vom Kenntnisstand und der Experimentierfreude Scheeles beeindruckt. Es kam zu einer gegenseitig befruchtenden Zusammenarbeit.

Der bisherige Niemand avancierte zur respektierten Größe. Seine Veröffentlichungen wurden gelesen und diskutiert, zumal er immer wieder und erfolgreich wissenschaftliches Neuland betrat. Das trug ihm 1775 im Beisein des Königs die Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften ein. Der inzwischen 32-jährige Autodidakt wurde als erster Nichtakademiker in diesen geistigen Olymp Schwedens berufen. Er hatte es geschafft. Scheele holte nun das Apothekerexamen nach, machte sich in Köping selbständig, experimentierte weiter, veröffentlichte seine Erkenntnisse und erregte nun europaweit Aufsehen.

Wissenschaftliche Gremien in Paris, Berlin, Erfurt und Turin ernannten ihn zum Mitglied. In seinem Buch „Chemische Abhandlung von der Luft und dem Feuer“ stellte er die Entdeckung des Sauerstoffs vor. Aber ihm waren nur wenige Jahre des Höhenfluges vergönnt. Scheele, der zuvor nie krank gewesen war, kränkelte ab 1785 im wachsenden Maße. Sara Margaretha Pohl, seine getreue Haushälterin, pflegte ihn. Er heiratete sie, setzte sie als Universalerbin ein und starb am 21. Mai 1786 in Köping. Da war Scheele 43 Jahre alt und eigentlich noch am Anfang seiner Wissenschaftler-Karriere.

1986 widmeten ihm die Akademie der Wissenschaften der DDR und die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stralsund zum 200. Geburtstag eine bilaterale wissenschaftliche Tagung, was seine Bedeutung unterstreicht.

Martin Stolzenau

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