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Stralsund Ein kleines Wunder vor 40 Jahren
Vorpommern Stralsund Ein kleines Wunder vor 40 Jahren
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00:00 09.11.2017
Winrich Jax war von 1968 bis 2005 Pastor in Knieper West und hat sich für die Kirche im Neubaugebiet stark gemacht. Am kommenden Sonntag wird das 40. Jubiläum des Gemeindezentrums in der Lindenstraße 151, das unter Denkmalschutz steht, gefeiert. Quelle: Foto: Marlies Walther
Stralsund

Das Gemeindezentrum von St. Nikolai in Knieper West feiert 40. Geburtstag. Gute Gelegenheit zur Rückschau: „Wir waren schon so etwas wie ein Pilotprojekt“, erinnert sich Winrich Jax (Pastor von 1968 bis 2005) an den „harten Kampf“ um das Gemeindehaus. Denn es grenzte schon an ein Wunder, dass die sozialistischen Machthaber den Neubau – wenn auch abseits vom Zentrum – genehmigten. „Sicher hätten wir uns einen zentraleren Ort gewünscht“, so Jax. Aber ehe es gar nichts wurde, habe man den Bauplatz akzeptiert. So entstand in Stralsund von 1975 bis 1977 eine der ersten Kirchen in einem DDR-Neubaugebiet. Parallel zu einem Gotteshaus in Eisenhüttenstadt. Bezahlt wurde der Bau mit Devisen. Die Kosten betrugen 289000 Valuta-Mark.

Die Kirche in Knieper West war eines der ersten Gotteshäuser, die zu DDR–Zeiten in einem Neubau- gebiet entstanden.

„Wenn wir schon bauen durften, dann sollte es auch ein Beispiel für moderne Architektur werden“, erklärt Jax. Bekannte Baufachleute und Künstler hinterließen so ihre Spuren. Die Planung sah nur einen kleinen Saal für 50 Leute vor. „Eine Säule in dem Raum hätte sich als sehr störend erwiesen“, schildert der Pastor. Eine andere Lösung wurde gefunden. Und die trägt die Handschrift der Rügener Spezialfirma vonUlrich Müther (1934 - 2007) und seines Architekten Dietrich Otto – bekannt für außergewöhnliche, frei geformte Beton-Schalentragwerke. So überspannen den Gemeinderaum zwei doppelt gekrümmte Hyparschalen als Dach. Die Betonglas-Fenster – ein Lichtband, das schon von außen ins Auge fällt – hat der Schönebecker Glaskünstler Christof Grüger (1926 – 2014) entworfen. Die Textilbilder für den Schmuck des Altars und der Wände schuf die Stralsunderin Jorinde Gustavs. Der frei stehende Glockenturm entstand nach den Plänen von Herbert Henke (1910 bis 1987). Die Außenanlagen plante der Landschaftsarchitekt Ludwig Trauzettel. Damals arbeitete er in Stralsund bei der Stadtwirtschaft, bevor er später Gartendirektor in Wörlitz wurde – bis zu seinem Ruhestand Anfang dieses Jahres. Seine damalige Frau Gudrun Trauzettel hatte die Ideen für die Innenausstattung. Eine Besonderheit ist zweifellos das historische Kruzifix – eine Dauerleihgabe aus der Wegekirche Landow. „Das fand nicht überall Begeisterung“, gibt Jax zu. Aus seiner Sicht ergänzen sich hier alte Kunst und moderne Formensprache aber wunderbar.

Ihm habe die Arbeit im Gemeindezentrum immer Spaß gemacht, blickt er zurück. „Wir wollten uns den Realitäten und Herausforderungen für die Kirche in der so genannten sozialistischen Gesellschaft stellen“, erklärt Jax. So habe die Kirche dazu beitragen können, dass sich das Gesicht der Neubaugebiete veränderte und sich Menschen neu orientierten. „Um der Menschen willen suchten wir auch den Dialog mit den Kritikern der Gesellschaft, um notwendige Veränderungen herbeizuführen“, so Jax. Ein Anliegen sei es gewesen, sowohl Christen als auch Nichtchristen eine „geistige und geistliche Heimat“ zu geben. Und das sei offenbar gelungen.

„Unser Gemeindezentrum ist ein hochfrequentierter Ort, an dem viele Menschen, von der Krabbelgruppe über die Chöre bis zur Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr von Suchtgefahren, zusammenkommen“, sagt Albrecht Mantei, Pastor seit 2004. Das Haus platze aus den Nähten. Nicht zuletzt auch deshalb plane die Gemeinde einen Neubau am Heinrich-Heine-Ring. Dann nicht mehr am Rand, sondern mitten im Wohngebiet.

Sonntag Festgottesdienst

Zum 40. Jubiläum des Gemeindezentrums in der Lindenstraße 151 findet am Sonntag von 14 Uhr an ein Festgottesdienst statt.

Es predigt Pastor Albrecht Mantei. Außerdem wirken am Gottesdienst Pastor Dietmar Mahnke und Winrich Jax (Pastor von 1968 bis 2005) mit.

Musikalisch wird die Andacht vom Chor des Gemeindezentrums und dem Flötenkreis unter Leitung von Elisabeth Goßlau umrahmt. Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen sowie eine Bilderschau.

Marlies Walther

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