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Stralsund Eine schwierige Kiste
Vorpommern Stralsund Eine schwierige Kiste
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09:20 27.08.2018
Die Tourismuschefs von Stralsund und Altefähr, André Kretzschmar (l.) und Stev Baron, eröffneten mit ihrem Mini-Floß die Sund-Floß-Rallye. Im Hintergrund das Gefährt der „Sundpiraten“, die das Rennen zeitgleich mit den Kameraden der Feuerwehr gewannen. Quelle: Benjamin Fischer
Stralsund

Das Seebadfest in Altefähr war in diesem Jahr um eine Komponente reicher – eine politische noch dazu. Unter den Gästen beim Programmpunkt Sund-Floß-Rallye am Sonnabendmittag waren zwar im Verhältnis zum Rest der Menschen relativ wenige Altefährer, dies nahm der Diskussion um eine mögliche Fusion zwischen dem Fährdorf und der Hansestadt aber nicht den Schwung, den die Debatte seit Kurzem gewonnen hat.

Nach andauernden Diskussionen, als deren Zwischenergebnis den Menschen ein in Aussicht gestellter Bürgerentscheid über die Frage, ob Altefähr und Stralsund zusammengehen sollten, von der Gemeindevertretung bis auf Weiteres lieber vorenthalten wird – nach all den Anwürfen wirkte das Volksfest wie ein Fusionsmeinungskatalysator. Die Einheimischen redeten dort emotionaler, die Auswärtigen entspannter darüber.

Bodo Kochanski sitzt auf einer der Holzstufen, während sich die vier Teams der Sund-Floß-Rallye auf dem Wasser abmühen. Er hat zu der Sache eine Meinung, die seinem Herzen entspringt und eine, die der Vernunft folgt. Als Rüganer sagt Kochanski: „Altefähr gehört zu Rügen.“ „Im Norden bröckeln uns schon die Kreidefelsen weg, deshalb können wir nicht auch noch Altefähr hergeben“, fügt seine Lebensgefährtin Manuela Engelhardt recht bildlich hinzu. Als das raus ist, macht Kochanski Ernst. „Seitdem die neue B 96 fertig ist, hält hier doch fast niemand mehr an. Altefähr ist von den Tourismusströmen ein Stück weit abgeschnitten. Das muss man zur Kenntnis nehmen.“ Er empfiehlt, die Fusionsidee weiter zu verfolgen. „Gucken Sie sich doch einmal um. Hier sind heute Mittag vielleicht 500 Leute. Wenn in den Seebädern ein Strandfest veranstaltet wird, kommen Tausende.“

Wenige Meter entfernt steht Bernd Möller am Sundufer und hält sich ein Mikrofon vor den Mund. Er moderiert die Sund-Floß-Rallye, zu deren Eröffnung eigentlich Altefährs Bürgermeister Ingulf Donig (SPD) und sein Stralsunder Amtskollege Alexander Badrow (CDU) auf dem Sund hätten durchs Bild paddeln sollen. Nachdem in der Gemeindevertretung überraschend die Entscheidung gefallen war, dass aus dem geplanten Bürgerentscheid im September nichts wird, haben die beiden sich lieber gegen diesen gemeinsamen Auftritt entschieden und stattdessen ihre Fremdenverkehrsbeauftragten rausgeschickt. Eine kleine Spitze kann Moderator Möller sich nicht verkneifen, während André Kretzschmar, der Chef der Stralsunder Tourismuszentrale, und der Leiter des Kurbetriebes Altefähr, Stev Baron, auf ihrem wackeligen Floß vorbeischippern: „Beide paddeln doch schön im Gleichklang.“

Möller hat selbst 22 Jahre lang in Altefähr gelebt und ist heute Stralsunder. Für ihn ist die Sache klar: „Die touristischen Hotspots, von denen Altefähr profitieren kann, sind auf Rügen alle weit weg, Stralsund liegt vor der Tür. Aber es ist erst einmal gut, dass über die Fusion zurzeit so lebhaft diskutiert wird.“

Auch Oliver Petrich mischt sich unter die Menschen. Er ist so was wie der akzeptierte Kopf der Fusionskritiker, hat sich aber öffentlich für einen Bürgerentscheid ausgesprochen, wenn eines Tages die letzten Fragen wirklich ausgeräumt sind. Einige seiner Mitstreiter fürchten indes, dass die Mehrheit der Bürger dann mit „Ja“ stimmt. In dem hübschen Hemd sieht Petrich ein bisschen so aus, als sei er der Bürgermeister.

Fragen hätte auch Holger Moltzahn. Der 41-Jährige ist mit einem selbst gebauten Floß am Strand angelandet, nachdem er und seine „Sund-Piraten“ am Vormittag zunächst einmal von Stralsund rüber nach Altefähr gefahren sind, um an der Rallye teilzunehmen. „Die Eigenständigkeit Altefährs zu erhalten, wäre gut“, sagt Moltzahn. Er wohnt in Stralsund. „Aber man weiß eben nicht, wie lange hier das Geld noch reicht. Dazu kenne ich zu wenig Hintergründe.“

Einer, der mehr Informationen haben sollte, ist der Gemeindevertreter Frank Jätschmann. Er ist heute als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr gekommen, die ebenfalls ein Team auf dem Floß losgeschickt hat. Auf die Frage nach seiner Haltung zur Fusion pampt Jätschmann zurück: „Kein Kommentar!“ und läuft weiter zu einer Gruppe Feuerwehrmänner, die sich inzwischen um den akkurat gekleideten Herrn Petrich gesellt hat. Kurz nachdem Jätschmann dort angekommen ist, ruft einer der Männer aus der Ferne dem OZ-Reporter die Drohung hinterher: „Pass auf, was du schreibst!“ Wutbürgerlich formuliert, aber deutlich.

Donig, der echte Bürgermeister, hat an diesem Tag schon einen Termin hinter sich. Er hat ein fünf Meter breites Panoramabild von Stralsund am Strand von Altefähr enthüllt. Darauf kann man die einzelnen Bestandteile der Stadtsilhouette gegenüber genau erkennen und Erklärungen dazu lesen. Geschaffen hat das Bild der frühere Stralsunder Siegfried Mayska. Er ist Fotograf und lebt heute in Mönchengladbach. Der Anblick Stralsunds sei ein Motiv, an dem sich schon viele versucht haben, sagt Mayska. Bei seinem Versuch hat er über ein halbes Jahr lang vom Altefährer Strand aus 300 Fotos gemacht und diese dann zu einer großen Panoramaaufnahme zusammengesetzt.

Es wirkt, als würde man eine Lupe auf Stralsund legen, und mutet aufgrund der vertrackten Fusionskiste zugleich etwas merkwürdig an. Denn ausgerechnet in dieser hübschen Ansicht Stralsunds von der anderen Seite des Sundes aus liegt eines der größten touristischen Potenziale Altefährs.

Benjamin Fischer

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