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Viele junge Stralsunder verbringen ein Schuljahr im Ausland / Drei Mädchen berichten von ihren Erlebnissen

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Marie Witthuhn, Jaqueline Löffler und Antonia Liebler (v. l.) haben ein Jahr im Ausland verbracht.

Quelle: Sabrina Scholz

Stralsund Antonia Liebler (17) war für ein Austauschjahr in Indien, Jaqueline Löffler (19) besuchte in Großbritannien die Schule und Marie Witthuhn (17, alle drei vom Hansa-Gymnasium) lebte bei einer Gastfamilie in Mexiko. In OZelot lokal berichten sie über ihre Beweggründe und Erfahrungen.

Indien war das Beste, was mir passieren konnte.“Antonia Liebler (17) hat ein Schuljahr in Indien verbracht.

Warum habt ihr euch für ein Auslandsjahr entschieden?

Antonia Liebler: Bereits mit 13 Jahren stand fest, dass ich mehr von der Welt sehen wollte. Zu Hause haben uns immer Austauschschüler besucht, die viel von ihrer Heimat erzählt haben. Ich wollte über den Tellerrand blicken.

Jaqueline Löffler: Eigentlich sollte es erst nach der Schule ins Ausland gehen, doch dann kam alles anders. Ich wollte unbedingt mein Englisch verbessern und fremde Kulturen kennenlernen.

Marie Witthuhn: Bei mir war das eine ganz spontane Idee durch eine Austauschschülerin, die zu einer guten Freundin geworden ist. In der Schule hatte ich Englisch, Französisch und zu dem Zeitpunkt ein Jahr Spanisch als Fremdsprache – das hat mich motiviert, mehr Sprachen sprechen zu können.

Warum ausgerechnet das Land?

Antonia: Aus 30 Ländern konnte ich drei Wünsche angeben, und über den Rotary Club wurde ich nach Indien geschickt. Ich wollte ein englischsprachiges Land und Indien war das Beste, was mir passieren konnte, obwohl meine Eltern anfangs dagegen waren.

Jaqueline: Ich habe mich für England entschieden, weil ich die Sprache beherrschen wollte und es dort gute Gastfamilien gibt.

Marie: Die USA war mein absolutes Traumland und ich wollte dort unbedingt hin. Später habe ich mich für Mexiko entschieden, weil das Wetter toll ist und die Menschen freundlich sind.

Wie seid ihr am Anfang zurechtgekommen?

Antonia: Der indische Akzent ist schwer zu verstehen und somit war die erste Woche schwierig. Nach ein bis zwei Monaten konnte ich mich bereits super verständigen und fließend sprechen.

Ungewöhnlich war allerdings, dass mich alle Menschen auf der Straße angeguckt haben, weil ich durch mein Aussehen aufgefallen bin.

Jaqueline: Zu Beginn meines Aufenthalts gab es durch meine Organisation Seminare mit anderen Austauschschülern, bei denen ich die ersten Kontakte knüpfen konnte. Aber ich hatte furchtbares Heimweh, weil ich realisierte, meine Familie ein Jahr lang nicht zu sehen. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran und alles läuft besser.

Marie: Anfangs habe ich durch die rosarote Brille geschaut und mich total gefreut, doch ich habe so gut wie nichts verstanden. Ich hatte erst ein Jahr Spanisch in der Schule. Mit meinem Google-Übersetzer habe ich versucht, mich mit den anderen zu verständigen. In der 100000-Einwohner-Stadt konnten nur Wenige Englisch. Enorm war die Wetterumstellung, da ich in einem Dschungelgebiet gewohnt habe und die hohe Luftfeuchtigkeit und 40 Grad schwer auszuhalten waren.

Was waren deine erstaunlichsten Erlebnisse?

Antonia: Mit meiner Organisation haben wir viele Reisen durch ganz Indien gemacht. Einmal ging es zum Himalaya oder sogar zum Taj Mahal in Agra. Negativ war aber schon der normale Alltag, ich habe Menschen auf der Straße sterben sehen. Das Schlimmste war, dass ich nichts für sie tun konnte.

Jaqueline: Die Preise in England sind hoch und teilweise hatte ich zu wenig Taschengeld. Wir haben von der Schule viele Fahrten gemacht, waren in Freizeitparks, auf Märkten oder in neuen Museen.

Marie: Mit Mexiko assoziieren viele Gewalt und Drogen, und das gehört tatsächlich zum ganz normalen Alltag. Es gab rote Zonen, dort durften wir nicht hinfahren, da die Kriminalitätsrate in diesen Gebieten so hoch ist. Es gab wenige Regeln und ich wurde nie nach meinem Ausweis gefragt. Mein absolutes Highlight war das Spring Break Festival in Cancun, wo tausende Menschen gefeiert haben.

Wie war die Schule?

Antonia: Es kommt in Indien stark auf die Schule an, wie man behandelt wird und welche Sprachen gesprochen werden. Auf den Privatschulen wird hauptsächlich Englisch geredet. Zudem geht es nur um das Auswendiglernen, weil andere Lehrer deine Arbeiten kontrollieren und nicht dein eigener. Die meiste Zeit war wirklich Verschwendung, weil wir nicht wirklich Unterricht gemacht haben. Bei den heißen Temperaturen mussten wir Uniformen tragen und durften diese zum Sportunterricht nicht wechseln. Jeden Tag wurde meditiert oder auch die Nationalhymne gesungen.

Jaqueline: Die Schulen in Großbritannien sind eigentlich immer privat, und man muss sehr viel Geld bezahlen. In der Unterstufe lernt man die ganzen Basics und in der Oberstufe gibt es viel Stoff zu lernen. Ich konnte sechs Fächer wählen, die in Deutschland etwas ungewöhnlich sind. Fotografie, Kochen, Kunst oder Sportwissenschaften gab es zum Beispiel als Auswahl.

Marie: In meiner Stadt war der Unterricht verbesserungswürdig. Die Lehrer hatten ihre Schüler nicht unter Kontrolle und kaum Autorität. Die Schüler konnten machen, was sie wollten – singen, tanzen oder schlafen. Ich denke aber, dass der Unterricht in größeren Städten auch strenger ist. Am Ende des Jahres stand ich in der Zeitung, weil die Schule mich als Aushängeschild nutzte.

Am Nachmittag musste ich deshalb Deutsch- und Englischunterricht geben.

Wie hast du dich verändert in der Zeit?

Antonia: Ich habe viel Selbstbewusstsein dazu gewonnen, Deutschland schätzen gelernt und bin ermutigt für weitere Reisen.

Jaqueline: Ich bin offener, selbstbewusster geworden und kann besser auf andere Menschen zugehen. Außerdem habe ich eine andere Sicht auf viele Dinge. Ich bin offener, aber auch kritischer geworden in manchen Fällen.

Marie: Auf jeden Fall bin ich um einiges reifer geworden und habe meine Sicht auf Deutschland geändert. Ich plane, nach Mexiko auszuwandern, weil ich das Leben dort sehr genossen habe.

Wie habt ihr euch untereinander ausgetauscht?

Antonia: Wir hatten wenig Kontakt zueinander.

Jaqueline: Antonia und ich haben zwei bis drei Stunden miteinander telefoniert und uns alles von der Seele geredet.

Antonia: Die Gastfamilie und Austauschschüler werden automatisch zu deinem Leben und du hast wenig Zeit, nochmal in Deutschland anzurufen. Die Zeitverschiebung macht es auch schwer.

Sabrina Scholz (18) besucht das Hansa-Gymnasium.

Interview von Sabrina Scholz

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