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Einsätze zur Kinder-Rettung: Ablandiger Wind sehr tückisch

Juliusruh/Bischofsdorf Einsätze zur Kinder-Rettung: Ablandiger Wind sehr tückisch

Ein Junge trieb mit seinem Schlauchboot auf die See, ein anderer hatte Mühe bei einer Kanufahrt / Die Seenotretter warnen Urlauber vor der Kraft von Wind und Wasser

Juliusruh/Bischofsdorf. Das ging noch einmal gut: Zweimal musste Montagnachmittag die Wasserschutzpolizei ausrücken, weil auf der Ostsee Kinder in Gefahr geraten waren.

 

OZ-Bild

Wir appellieren eindringlich an die Eltern, stets ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen.“ Thorsten Erdmann, DLRG-Sprecher

Als Lebensretter mussten allerdings weder die Beamten, noch die alarmierte Feuerwehr und die Seenotretter fungieren.

Vermutlich war es ein besorgter Badegast gewesen, der Montag gegen 18.20 Uhr den Polizeinotruf gewählt hatte, weil ein kleiner Junge mit seinem Kinderschlauchboot im Wasser vorm Strand in Juliusruh zu weit hinausgetrieben war. Noch bevor die Retter eintrafen, hatte der Vater seinen Sohn bereits wieder zurück an Land geholt. Beherzt war der Mann aus Gummersbach (NRW) mit einem anderen Urlauber dem Kind hinterhergeschwommen und hatte das Schlauchboot wieder an den Strand gezogen.

Dramatischer klang da schon die Information einer sorgenvollen Mutter aus Unterrohn (Thüringen), die ihren zwölfjährigen Sohn vermisste, der auf dem Wieker Bodden entlang der Küste mit dem Holzkanu von Bischofsdorf nach Wiek paddeln wollte. Irgendwann hatte die Frau laut Informationen der Sassnitzer Wasserschutzpolizei ihren Jungen aus den Augen verloren. Und in Wiek sei er auch nicht wie vereinbart eingetroffen. Polizeihubschrauber und Seenotretter entdeckten auf dem Bodden jedoch niemanden, was daran gelegen hatte, dass der Zwölfjährige bereits an Land gepaddelt war. Wie es weiter von der Wasserschutzpolizei heißt, sei der Junge kurz auf eine mögliche Unterkühlung untersucht worden, es sei aber alles in Ordnung gewesen. Man habe das Kind in die Ferienunterkunft seiner Eltern gebracht.

Dennoch: Polizei und Rettungsdienste auf Rügen warnen davor, an der Ostsee ablandigen Wind und unterschiedliche Strömungsverhältnisse zu unterschätzen.

„Bei ablandigem Wind ist es schwer, aus eigener Kraft wieder an Land zu kommen, erst recht mit Luftmatratze oder Schlauchboot“, weiß Thorsten Erdmann vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Besonders an den Außenküsten der Insel kann es bei starkem Wind schnell gefährlich werden, vor allem, wenn er aus Nordost bläst. „Da braucht nur eine Welle zu kommen und es haut einem die Beine weg.“ Zudem seien Unterströmungen unberechenbar. Meistens sind es Urlauber, die in Gefahr gerieten. „Sie kennen von zu Hause nur das Freibad und die Schwimmhalle und sind hier dann überrascht über die Kraft von Wind und Wellen.“ Von den Einheimischen seien es eher Wassersportler wie Surfer, die sich überschätzten.

Die Rettungsschwimmer der DLRG haben dieses Jahr bisher 33 Menschen aus gefährlichen Situationen im Wasser gerettet, sechsmal war es eine klassische Lebensrettung. Besonders alarmierend: meist sind es Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren. „Wir appellieren eindringlich an die Eltern, stets ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen“, betont Thorsten Erdmann.

Drei Menschen starben in diesem Sommer in Gewässern in Mecklenburg-Vorpommern. In der letzten Woche endete für einen 50-jährigen Berufsfeuerwehrmann aus Rostock ein Bootsausflug auf der Warnow tödlich, und ein 73-jähriger Mann war bei einem Badeunfall am Strand von Warnemünde ums Leben gekommen. Ende Juli starb ein Mann beim Baden im Fleesensee (Mecklenburgische Seenplatte, die OZ berichtete). Trotz der drei tragischen Fälle ist die Zahl der tödlich Verunglückten deutlich geringer als im vergangenen Jahr. „Damals waren es 27 Menschen“, weiß Erdmann.

Die Wachtürme an den Stränden des Landes sind von Mai bis September mit Rettungsschwimmern besetzt. Die DLRG hat in MV derzeit 260 Rettungsschwimmer im Einsatz, am Ende der Saison werden es 1500 sein. Bislang haben die Wasserretter schon 78000 ehrenamtliche Wachstunden geleistet, sie würden dafür ihre Urlaubstage und freie Zeit opfern. „300 hauptamtliche Rettungsschwimmer wären nötig, um das zu kompensieren“, rechnet Erdmann vor.

In dieser Saison mussten bis jetzt in 82 Fällen sogenannte schwere Erste-Hilfe-Maßnahmen wie bei Kreislauf-Kollaps und Handgelenks- oder Fußbrüche geleistet werden, in 2000 Fällen leichte Maßnahmen wie bei Schnittwunden und Wespenstichen.

200 Mal wurden mit Hilfe der DLRG Kinder oder Eltern am Strand gesucht. „Auf Rügen, aber auch auf Usedom und auf dem Darß sind die Einsätze natürlich höher, als in anderen Regionen, weil die Inseln und Halbinseln im Sommer die absoluten Hotspots sind“, so Erdmann.

So hatten Rettungskräfte von Rügen in der vergangenen Woche einen Urlauber aus Bayern vor dem Ertrinken gerettet. Der Mann war mit einem Strandkatamaran vor der Ostseeküste zwischen Lobbe und Göhren gesegelt und bei widrigen Witterungsverhältnissen gekentert.

Erdmann spricht dennoch von einer bisher ruhigen Badesaison. Dies sei vor allem dem launigen Wetter geschuldet. „Die knackigen Badetage kann man immer noch an einer Hand abzählen“, sagt der DLRG-Sprecher.

Jens-Uwe Berndt und Gerit Herold

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