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Stralsund Einstiegsalter in Drogenszene sinkt
Vorpommern Stralsund Einstiegsalter in Drogenszene sinkt
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15:04 14.06.2018
Gefährlicher Trend: Das Alter der Jugendlichen, die das erste Mal Drogen konsumieren, sinkt immer weiter. Quelle: Boris Roessler
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Stralsund

Bedenkliche Entwicklung in Stralsund: Das Alter der Jugendlichen, die das erste Mal Drogen konsumieren, sinkt immer weiter. Das erklärte am Dienstagabend Cathleen Spröte vom Chamäleon-Verein vor dem Bürgerschafts-Ausschuss für Familie, Sicherheit und Gleichstellung.

„Wenn Jugendliche mit 14 Jahren zu uns kommen und Hilfe suchen, haben sie bereits eine Drogenkarriere hinter sich. Und sie kommen mittlerweile mit diesem Alter“, sagte die Suchttherapeutin. Dabei gehe es vor allem um Alkohol und sogenannte weiche Drogen wie Cannabis. „Das sind die Einstiegsdrogen und die bei uns am häufigsten auftretenden Suchtformen.“

2017 haben 141 Klienten den Verein aufgesucht, bei 44 von ihnen ging es um die Cannabis-Sucht, bei 39 um Alkohol. Cathleen Spröte wies jedoch mehrfach darauf hin, dass es sich bei diesen Zahlen nur um diejenigen handelt, die Hilfe beim Verein suchen. „Die Dunkelziffer liegt natürlich weitaus höher.“ Zumal es in Stralsund keine öffentliche Drogenszene gebe, „hier wird hinter verschlossenen Türen konsumiert“.

Die verschiedenen Suchtformen der Klienten zeigen, der Markt in Stralsund gibt alles her. „Man kann jede Droge bekommen“, erklärte Marko Bittner, der beim Chamäleon-Verein vor allem in der Suchtprävention tätig ist. 27 Klienten suchten Hilfe wegen einer polytoxen Sucht, das bedeutet, dass sie von mehreren Drogen abhängig sind. Elf waren wegen der Heroinsucht in Behandlung, sieben wegen einer Mediensucht, andere unter anderem wegen Amphetaminen, Kokain, Ecstasy oder Spice.

Bittner verwies in diesem Zusammenhang auf einen weiteren gefährlichen Trend: „Wir können in größeren Städten, also auch Stralsund, beobachten, dass die Dealer immer jünger werden.“ Bei den Minderjährigen gehe es oft schon darum, den eigenen Konsum zu finanzieren. Die Frage, ob es auch an Stralsunder Schulen Probleme mit Drogen gebe, konnten die Mitarbeiter vom Chamäleon-Verein nur bejahen. „Und zwar an allen Schulen, da gibt es keine Unterschiede bei den Bildungsschichten“, sagte Cathleen Spröte. „Die Altersspanne unserer Zielgruppe reicht von ganz klein bis zum 27.Lebensjahr, so dass wir einen guten Einblick haben.“ In diesem Zusammenhang erklärte er, dass viele Schulen das Präventionsangebot nicht nutzen würden. Dabei sei es wichtig, dass die Lehrer im Bilde seien, wie man Drogenskonsum bei Jugendlichen erkennen kann und welche Wege es gibt, um den Jugendlichen zu helfen oder noch besser, präventiv zu wirken.

Die Mitarbeiter erklärten weiter, dass die im vergangenen Jahr 804 Gespräche mit den 141 Klienten Arbeit am oberen Limit seien. „Der Bedarf ist unbedingt da, aber mehr können wir nicht leisten“, sagte Maren Bittner, Geschäftsführerin des Vereins.

Das sinkende Einstiegsalter in die Drogenszene birgt viele Gefahren. „Fangen die Kinder früh an, konsumieren sie oft schneller exzessiv und riskanter, vor allem dann, wenn sie verschiedene Substanzen zusammen nehmen“, erklärte Cathleen Spröte. Ein Grund für die immer jüngeren Erstkonsumenten sieht Marko Bittner unter anderem darin, dass das Jugendschutzgesetz nicht funktioniere, gerade wenn es um das Thema Alkohol gehe. Verkäuferinnen schauen oft nicht auf das Alter oder Minderjährige lassen sich von Älteren den Alkohol kaufen. „Zudem ist Alkohol gesellschaftsfähig.“ Oft seien Cliquen heute nicht mehr so altershomogen wie früher, die Spanne reiche von elf bis 18 Jahre. „Da fällt für die Jüngeren von Alkohol oder Drogen immer etwas ab.“

Miriam Weber

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