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Stralsund Endlich runter von der Verliererstraße
Vorpommern Stralsund Endlich runter von der Verliererstraße
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00:01 24.06.2016
Wir sind stolz auf Marcel.“Holger Kiehn, Leiter

Der Stralsunder Marcel Dahlmann ist erst 19 Jahre alt und hat bereits fünf Schulen besucht. Jahrelang kam er nicht mit seinen Klassenkameraden mit, schlingerte durch den Unterricht, wechselte von Schule zu Schule, bis der Teenager schließlich aufgab – ohne Abschluss.

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Marcel Dahlmann gehört zu den 58 Kids, die an der Produktionsschule auf dem Dänholm ihren Abschluss nachholen

Doch das hat sich mit dem gestrigen Tag geändert. An seiner fünften Station, der Produktionsschule Vorpommern-Rügen auf dem Stralsunder Dänholm, hat Marcel Dahlmann seinen Hauptschulabschluss nachgeholt. Für die praktische Prüfung an der Formatkreissäge bekommt er sogar eine glatte 1 – für Marcel Dahlmann ein riesiges Erfolgserlebnis. „Ich habe mich zu Hause auf den Arsch gesetzt und gelernt“, sagt er.

Die Produktionsschule besuchen jene Kids, die das reguläre Bildungssystem ohne Abschluss wieder ausgespuckt hat oder die – trotz Abschluss – überhaupt keine Ahnung haben, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Träger ist das Christliche Jugenddorfwerk, das Geld kommt hauptsächlich vom Landkreis und vom Sozialministerium. Neben einem Theorieteil liegt der Schwerpunkt auf praktischer Arbeit.

Es gibt zum Beispiel eine Holz- und eine Metallwerkstatt, in denen Produkte für echte Kunden hergestellt werden.

58 junge Menschen besuchen das Haus derzeit, 25 haben ihre Abschlussprüfung gemacht, 15 haben bestanden. Die anderen versuchen es nächstes Jahr nochmal, in der Regel schaffen sie es dann, sagt Leiter Holger Kiehn. So wie auch Marcel Dahlmann einen zweiten Anlauf brauchte. „Bei dir hat es im letzten Jahr richtig klick gemacht. Wir sind stolz auf dich, Junge“, sagt Kiehn.

Die Ursachen für die schulischen Probleme seiner Schützlinge seien von Person zu Person unterschiedlich, sagt Kiehn. Und doch findet sich ein Muster: Eine Mischung aus null Bock, Angst vor dem Versagen, Überforderung der Eltern, dazu manchmal Drogenprobleme oder Konflikte mit dem Gesetz. Bei Holger Kiehn bekommen alle die gleiche Chance: „Wir schicken niemanden weg“, sagt er immer wieder.

Sein Schüler Marcel Dahlmann fängt jetzt eine Lehre zum Maler und Lackierer an. Doch er wälzt schon weitere Pläne. Er würde gern Kfz-Mechatroniker werden. „Das ist mein Traumberuf.“

Alexander Müller

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