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Erster Wolf im Greifswalder Stadtwald gesichtet

Greifswald Erster Wolf im Greifswalder Stadtwald gesichtet

Eine Kamera für das Wildmonitoring zeichnet das Tier zufällig auf / Wolfsfährten nimmt Stadtförster Bent Knoll bereits seit etwa zwei Jahren wahr

Greifswald. Jetzt herrscht Gewissheit: Der Wolf hat auch den Greifswalder Stadtwald für sich entdeckt. „Seit etwa zwei Jahren ist die Anwesenheit von Wölfen zu spüren.

Darauf deuteten immer wieder Fährten hin“, sagt Stadtförster Bent Knoll. Doch erst seit Donnerstagabend ist er sich vollkommen sicher. Eine Kamera, die er am Zaun einer Wiederaufforstungsfläche installiert hatte und nun auswertete, zeichnete einen vorbeihuschenden Wolf auf.

Knoll glaubt, dass das Tier den Wald nur durchstreifte. Nichts deute darauf hin, dass er ständig im Revier sei oder gar ein ganzes Rudel existiere. „Die Kamera zeichnete das Gebiet fünf Wochen rund um die Uhr auf. Wäre er hier häufig unterwegs, gäbe es mehr Aufnahmen. Aber wir haben nur ein einziges Foto“, so der 48-Jährige.

Nachteilige Folgen für die Tierwelt im rund 1500 Hektar großen Stadtforst, der sich in mehrere kleine Wälder rings um die Hansestadt gliedert, konnte Bent Knoll noch nicht ausmachen. „Natürlich ist es für die Population schon bedeutend, einen Räuber im Nacken zu spüren. Doch ich hatte bislang nicht den Eindruck, dass sie groß gestört wurde“, erklärt der Greifswalder, der als Jäger auch das Wild im Blick hat.

Die geschützten Tiere, wie verschiedene Adlerarten, liegen ihm dabei besonders am Herzen. Deshalb hofft er, dass die Nachricht von Meister Isegrim keine Magnetwirkung erzeuge. „Schon jetzt bringen die Geweihstangensammler eine Menge Unruhe in den Wald“, moniert Knoll. Kämen nun auch noch zuhauf Wolfstouristen, könne das fatale Folgen haben. Möglicherweise sähe sich das eine oder andere Tier in seiner Ruhe gestört und würde flüchten.

Wer sich über die Installation der Kamera wundert: Die ist für Bent Knoll seit gut sechs Jahren zum unverzichtbaren Hilfsmittel geworden. „Damit führe ich speziell bei großen Wiederaufforstungsflächen ein Wildmonitoring durch“, erklärt er. Mit Hilfe der sogenannten Fotofallen könne er kontrollieren, ob die Zäune in Ordnung oder Tiere eingedrungen sind. Da Wild innerhalb der Zäune in kurzer Zeit gewaltige Schäden an den jungen Pflanzen verursachen könne, sei eine stetige Kontrolle der Bestände unumgänglich. „Die Aufforstung einer Fläche kostet oft zehntausende Euro“, verdeutlicht Knoll. Deshalb sei es wichtig, Zaunschäden schnell zu entdecken und zu reparieren. Aus diesem Grund habe er auch kein Verständnis für jene Waldbesucher, die unberechtigt Zäune öffnen oder gar mutwillig zerstören. Auch die Wiederaufforstungsfläche, in der jetzt das Raubtier gesichtet wurde, kostete die Stadt 48 000 Euro.

In Deutschland wurden die ersten Wölfe übrigens im Jahr 2000 wiederentdeckt, nachdem unser Land gut 100 Jahre als wolfsfrei galt. Nach Expertenaussage gibt es mittlerweile über 30 Rudel. In Mecklenburg-Vorpommern leben zwei Rudel — in der Lübtheener Heide und in der Ueckermünder Heide. Der Räuber sorgt wiederholt für Ärger: Im vorigen Jahr wurden in MV 13 Angriffe auf Nutztiere registriert. Dabei seien 34 Tiere getötet und 16 verletzt worden. Schäfer sind besorgt, Naturfreunde freuen sich hingegen über die Rückkehr des Isegrims.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) plant, unser Land als „Wolfserwartungsgebiet“ zu deklarieren. Damit könnten Tierhalter Geld für vorbeugende Schutzmaßnahmen und Entschädigungen bei Wolfsattacken beantragen.

Von Petra Hase

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