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Stralsund Erwin und die Luftbrücke
Vorpommern Stralsund Erwin und die Luftbrücke
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03:35 07.09.2013

Erwin! Erwin! Wir konnten noch so laut rufen, der Platz am Stammtisch blieb diese Woche leer. Und das hatte es noch nie gegeben. Selbst mit 40,5 Grad Fieber hatte sich mein Kumpel letzten Winter die gute alte Gerstensaft-Medizin nicht entgehen lassen. Und nun?

War es stinklangweilig. Kein Erwin, keine Unterhaltung, kein Diskussionsstoff. „Los, wir gehen hin und gucken nach, was da los ist. Nicht dass er tot in seinem Schuppen liegt“, sagte Kläuser. Wir zeigten ihm einen Vogel, machten uns aber umgehend auf die Socken. Der ohrenbetäubende Lärm war schon von Weitem zu hören. Erwins Grundstück. Klar. Ist der jetzt ganz durchgedreht und zerlegt sein Haus? Als wir die Gartentür öffneten, sahen wir... riesige Dinger, so komische Konstruktionen, und dann standen da jede Menge Gasflaschen herum. „Bist du verrückt, wohl unter die Terroristen gegangen“, frozzelte ich los. Aber Erwin hörte uns gar nicht. Der hatte Ohrenschützer und Schutzbrille angelegt, sah weder nach links noch nach rechts.

Erst als wir den Stecker seiner Mega-Bohrmaschine rauszogen, drehte er sich um. „Hallo Jungs, könnt gleich mit anpacken“, zeigte er sich wenig überrascht. Unseren Stammtisch-Abend hatte er einfach vergessen. „Heute wirklich schon Donnerstag? Ich habe lange nicht geschlafen“, meinte Erwin im bekannten Verschwörerton.

Na gut, auf ein Bier, ließ er sich zur Pause hinreißen. Und klärte uns über seinen neuen Coup auf. „Ich sage nur Luftbrücke.“ Hä, soll Stralsund eingemauert oder abgeriegelt werden, müssen die Westalliierten uns mit Brot und Milch versorgen? Erwin guckte gehetzt. Dann ließ er sich zu einer kurzen Erklärung hinreißen. „Ihr wisst doch. Die neuen Straßensperrungen. Das Verkehrschaos. Alle stöhnen. Touristen sind genervt und unsere Leute erst recht. Da muss was passieren. Habe die totale Marktlücke entdeckt. Luftbrücke in die Altstadt. Da brauchen wir aber einige Zeppeline. Und die Euros rollen nur so. Macht ihr mit?“ Dann steckte er wieder den Stecker rein.


Andreas Lindenberg über die Hansestadt im Speziellen und den nebensächlichen Rest der Welt.

OZ

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