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Es war einmal: Betriebe, die Geschichte sind

Stralsund Es war einmal: Betriebe, die Geschichte sind

Im 19. Jahrhundert hielt auch am Sund die industrielle Revolution Einzug. Aber viele Unternehmen haben die Zeit nicht überdauert.

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Die Stralsunder Ölspaltanlage an der Greifswalder Chaussee im Jahre 1971. Heute befinden sich dort Flächen für Gewerbe und Industrie, die allerdings nicht genutzt werden.

Stralsund. Die Volkswerft ist gerade noch so als Betrieb gerettet worden. Ob sie aber wirklich eine Werft im eigentlichen Sinne bleibt, steht in den Sternen. Dabei hat sie noch Glück gehabt, dass sie nicht ganz verschwand. Viele Betriebe oder Einrichtungen in Stralsund haben die Zeit nicht überdauert.

Die Blütezeit der Industrialisierung erfuhr die Hansestadt erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis 1850 gab es nur ein paar unbedeutende Betriebe, wie die Eisengießerei, Brauereien und ab 1857 das Gaswerk. Mit der Aufhebung des Festungszustandes 1872 konnte mit dem Schlachthof 1890, der Zuckerfabrik 1892 und dem Elektrizitätswerk 1911 in der Frankenvorstadt das erste städtische Industriezentrum entstehen.

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Serienfertigung des Radios „Stralsund 1001“. Das Robotron-Werk befand sich in der Lindenstraße. Heute stehen dort Eigenheime.

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Zu den Veränderungen zählten ab 1902 natürlich auch die Kaufhäuser, in denen man zum ersten Mal alles an einem Ort kaufen konnte — aus heutiger Sicht sozusagen die Vorläufer der Einkaufszentren.

Zwei große Warenhauskonzerne haben in Stralsund ihre Wurzeln. Leonhard Tietz begann 1879 mit einem Kurzwarenladen in der Ossenreyerstraße. Als er 1914 starb, gehörten Unternehmungen in mehreren deutschen Städten sowie in Belgien und den Niederlanden zum Tietz-Konzern.

Am 15. April 1852 eröffneten die Brüder Abraham und Theodor Wertheim in der Wasserstraße ihr Manufactur-Modewarengeschäft. Später machten Abraham und Ida Wertheim ein kleines Kurzwarengeschäft ebenfalls in Stralsund auf. Am 5. Dezember 1903 wurde das Kaufhaus in der Ossenreyerstraße eröffnet, das später noch einen Erweiterungsbau erhielt.

Seit 1927 hat es sein heutiges äußeres Aussehen. Auch aus dem Wertheim-Geschäft wurde ein großer Konzern. Aus der DDR-Zeit sind uns die Häuser als „Magnet“ und das „Wertheim“, wie es kurz genannt wurde, als „konsument“ bekannt. Eine dritte große Einkaufsstätte von Eduard Zeeck in der Wasserstraße wurde beim Bombenangriff 1944 stark beschädigt und nicht wieder als Warenhaus aufgebaut.

Nach dem Krieg bot die Stadt ein trostloses Bild. Die Lebensbedingungen der Bevölkerung waren katastrophal, Betriebe zerstört. Es musste vieles mühsam wieder in Gang gebracht werden, wobei das im Osten des Nachkriegsdeutschlands weitaus schwieriger war als auf westlicher Seite. In den ersten Jahren schien es trotzdem voranzugehen, wenn auch langsam.

Bereits am 9. Oktober 1945 nahm der Ingenieur-Bau auf der ehemaligen Krögerwerft die Arbeit auf, und Anfang 1946 lief die Gasversorgung an. Ende 1947 fuhr die Straßenbahn wieder, am 11. Dezember 1948 eröffnete die staatliche Handelsorganisation (HO) den ersten freien Laden in der Ossenreyerstraße 21/22. Im März 1950 konnten die neuen Häuser an der Reiferbahn bezogen werden.

In den folgenden Jahren wurde weiter aufgebaut, und die Platte hielt Einzug im Wohnungsbau. Aber es saßen nicht überall die richtigen Leute an den Schalthebeln der Macht. Das Parteibuch war oft der einzige Qualifikationsnachweis. Die sozialistische Planwirtschaft tat ein Übriges. Besonders in den 1980er-Jahren wurde die Mangelwirtschaft immer offensichtlicher. Der heiße Herbst vor 25 Jahren veränderte alles.

Der Autor
Der Stralsunder Harry Hardenberg (79) widmete sein fotografisches Schaffen vor allem seiner Heimatstadt. Viele Jahre arbeitete er als Fotograf für die OZ.



Die Fédération Internationale de l'Art Photographique (FIAP) verlieh Harry Hardenberg 1972 die Auszeichnung Artiste FIAP.


Studienreisen führten ihn unter anderem nach China, England, Rumänien, Polen, Syrien, Frankreich, Russland und in die USA.

 



Harry Hardenberg

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