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Ex-Geschäftsführer wegen Betrugsverdachts angezeigt

Gustow Ex-Geschäftsführer wegen Betrugsverdachts angezeigt

Rügener Insel-Verein trennt sich von Holger Henze / Ex-Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe / Beschuldigter streitet alles ab

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Ich gehe davon aus, dass es sich um eine Diffamierungskam- pagne gegen mich handelt, um meine Aktivitäten zu diskreditieren. Holger Henze geschäftsführender Gesellschafter Rügen-Assistenz GmbH

Gustow. Gegen den langjährigen Geschäftsführer des gemeinnützigen Insel-Vereins, Holger Henze, haben ehemalige Mitarbeiter bei der Staatsanwaltschaft Stralsund Anzeige erstattet. Damit einhergehend verließ die fünfköpfige Belegschaft (vier Eigenkündigungen, eine Kündigung durch Henze) gestaffelt die Tagesstätte für psychisch kranke Erwachsene, die von Henzes privater Rügen-Assistenz GmbH in Bobbin betrieben wurde. Der Stralsunder Oberstaatsanwalt, Sascha Ott, bestätigte laufende Ermittlungen wegen Abrechnungsbetrugs. Die „sehr, sehr umfangreiche Akte“ werde gemeinsam mit dem Landkreis und der Aufsichtsbehörde bearbeitet, so Ott.

In der Einrichtung in Bobbin habe Henze die Betreuungsleistungen unkorrekt ausgewiesen. „Während der Öffnungszeiten der Tagesstätte wurden gleichzeitig Stunden für das Ambulant Betreute Wohnen für Klienten abgerechnet“, behauptet die Ex-Leiterin Nicole Paul. Demnach sollen die Klienten in der Tagesstätte „geparkt“, zugleich aber der übliche Stundensatz für ambulante Betreuung von 30 Euro abgerechnet worden sein. Zudem seien bei Gruppenaktivitäten die höheren Sätze für Einzelmaßnahmen kassiert worden. Die Rügen-Assistenz GmbH betreue heute etwa 70 Klienten im Ambulant Betreuten Wohnen, „wodurch sich die Beträge zu Größenordnungen summierten“, sagt Paul weiter.

Wie ein anderer Ex-Mitarbeiter des Insel-Vereins (Name der Redaktion bekannt) behauptet, habe Henze als Vereins-Geschäftsführer unrechtmäßig Klienten des Vereins seiner privaten Rügen-Assistenz GmbH zugeführt. Dabei soll es sich um circa 20 bis 30 Personen gehandelt haben. In der Buchhaltung sei aufgefallen, dass die Betreuer der Rügen-Assistenz GmbH „mehr Fachleistungsstunden abrechnen, als sie Arbeitsstunden haben“.

„Die Ermittlungen aufgrund einer Anzeige wegen Misshandlung Schutzbefohlener in fünf beispielhaften Fällen sind inzwischen eingestellt worden“, sagt Sascha Ott weiter. Auch eine von Nicole Paul und ihren Kollegen dagegen eingelegte Beschwerde wurde zurückgewiesen. „Wir haben den Behörden Fälle beschrieben, in denen Klienten erniedrigt, ausgenutzt, betrogen, in Abhängigkeit gebracht und unter Druck gesetzt wurden“, sagt sie.

Holger Henze, der zudem für die Grünen im Kreistag sitzt, bestreitet sämtliche Vorwürfe und geht davon aus, dass auch das noch laufende Ermittlungsverfahren eingestellt wird. „Offenbar versucht der Insel- Verein eine Diffamierungskampagne gegen mich als geschäftsführenden Gesellschafter der Rügen- Assistenz GmbH durchzuführen, um meine unternehmerischen Aktivitäten zu diskreditieren“, reagiert Henze auf die Angriffe seiner ehemaligen Mitarbeiter.

Der Insel-Verein und Holger Henze haben sich getrennt. Nach Angaben von Henzes Nachfolger Gerhard Noack habe es zunächst einen Vorstandsentscheid zum Ausschluss von Henze wegen vereinsschädigenden Verhaltens gegeben. „Gegen diesen Beschluss legte Herr Henze Widerspruch ein“, sagt Noack. „Bevor dieser jedoch auf einer Mitgliederversammlung behandelt werden konnte, trat Henze aus.“ Holger Henze bestätigt gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG, die Geschäftsführung schon Ende März 2016 gekündigt zu haben. „Zum Zeitpunkt meines Ausscheidens wurde ich von den Vereinsmitgliedern im Rahmen einer Feierstunde einvernehmlich verabschiedet“, sagt er zurückblickend.

Allerdings stand damals noch ein weiterer Vorwurf im Raum: Laut Gerhard Noack hat Henze Bauanträge für private Vorhaben im Namen des Vereins gestellt. „Darauf bin ich im Februar 2016 durch ein Schreiben des Landkreises gestoßen, in dem ich aufgefordert wurde, einen Widerspruch gegen die Ablehnung des Antrags auf Ausbau des ehemaligen Schafstalls zu begründen“, sagt Noack. Er habe zunächst an ein Missverständnis geglaubt, sei vom Bauamt aber eines Besseren belehrt worden. „Außerdem offenbarte sich, dass Herr Henze für den Ausbau seines Hauses in Saalkow zu einem Veranstaltungsraum inklusive Wohnung und Küche den Verein als Bauherren angeben hatte“, sagt Noack weiter.

Holger Henze weist auch diesen Vorwurf von sich. „Ich habe während meiner Zeit als Geschäftsführer keine Baugenehmigungen im Namen des Insel-Vereins ,erschlichen’“, sagt Henze. „Im Dezember 2016 habe ich mit dem Insel-Verein eine Regelung getroffen, wonach mir eine Generalquittung erteilt wurde.“ Dabei hat der Verein laut Noack gegen Zahlung einer Summe auf alle weiteren Ansprüche verzichtet.

Jens-Uwe Berndt

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