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Stralsund Experten entschärfen tonnenweise Munition in der Region
Vorpommern Stralsund Experten entschärfen tonnenweise Munition in der Region
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01:23 13.01.2015
Ein Teil der Munition, die 2012 auf dem ehemaligen Flugplatz Barth gefunden wurde. Quelle: OZ
Stralsund

Gewehrmunition, Panzerfäuste, Werfergranaten, Flakmunition sowie jede Menge Waffen und Waffenteile. Von 2010 bis 2014 wurden bei 137 Einsätzen im Landkreis Vorpommern-Rügen 4,9 Tonnen Kampfmittel und Munitionsfragmente aus dem Boden geholt. „Geborgen wurden aber auch Granaten größerer Kaliber. Von 8,8 Zentimeter Panzer- oder Sprenggranaten bis hin zu 10,5 Zentimeter Sprenggranaten ist alles dabei“, erläutert Torsten Hauk. Er ist Leiter der Luftbildauswertung beim Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern.

In Stralsund musste der Munitionsbergungsdienst in den vergangenen fünf Jahren 31 Mal zu Soforteinsätzen ausrücken, bei denen eine unmittelbare Gefahr abgewendet werden musste. Bei diesen Einsätzen wurde Munition mit einem Gesamtgewicht von rund 430 Kilogramm geborgen. Mehrere Waffen fanden die Experten beispielsweise im vergangenen Jahr unter einem Radweg auf dem Dänholm. Bei sogenannten vorsorglichen Kampfmittelsondier- und Bergungsarbeiten holten sie unter anderem ein Maschinengewehr, das mit Treibladungspulver gefüllte Abschussrohr einer Panzerfaust und mehrere Schuss Gewehrmunition aus der Erde.

Fündig wurden die Bergungsspezialisten auch auf dem ehemaligen Flugplatz Pütnitz, der von 1935 bis 1945 von der Wehrmacht und von 1952 bis 1994 von der Roten Armee genutzt wurde. Hauk: „2000 und 2012 erfolgten partielle Kampfmittelräumarbeiten auf dem Platz. Geborgen wurden dabei englische Brandbomben, Flakmunition sowie Waffen und Waffenteile.“

Jede Menge Munition wurde auch auf dem ehemaligen Flugplatz Barth gefunden. Vor dem Bau der Photovoltaikanlage wurden in den Jahren 2012 und 2013 rund 52 Hektar Fläche abgesucht, dabei konnten 346 Kilogramm Kampfmittel und Munitionsfragmente entdeckt werden. Auch hier reiche das Spektrum von Bordwaffenmunition bis hin zu Flakmunition.

Die in Mecklenburg-Vorpommern gefundene Munition wird in einen der beiden Munitionszerlegebetriebe des Munitionsbergungsdienstes gebracht, dort zwischengelagert und teilweise auch dort vernichtet.

Der andere Teil der geborgenen Kampfmittel wird in der Verbrennungsanlage der Bundes bei der Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten (Geka) in Niedersachsen vernichtet.

Manchmal entpuppt sich das, was als Munitionsfund gemeldet wird, als harmloser Gegenstand. „Das ist nicht zu vermeiden. Da der Bürger aber von einer Gefahr ausgeht, sonst hätte er den Fund ja nicht gemeldet, hat er grundsätzlich alles richtig gemacht. Sicherheit geht vor“, sagt Hauk.

Besonders spektakulär sei natürlich der Fund großer Bomben und deren Entschärfung, sagt Hauk weiter. Das dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade die „kleinen Dinger“ oft unterschätzt würden. Dabei seien auch sie absolut tödlich, da der Sprengstoff auch nach all den Jahren immer noch voll funktionsfähig sei.

Wer nicht sicher ist, was er da auf dem Feld, beim Pilzesammeln oder im Garten gefunden hat, dem gibt er folgenden Rat: „Zunächst einmal: Finger weg! Nicht umdrehen, nicht säubern, und das ‘Finger weg‘ ist auf jedes Körperteil bezogen. Bei der möglicherweise ausgelösten Detonation einer Granate ist es in den Auswirkungen unerheblich, ob sie ‘bloß ein wenig mit der Fußspitze‘ berührt wurde.“

Jeder Bürger sei gesetzlich verpflichtet, Funde unverzüglich der jeweiligen Ordnungsbehörde anzuzeigen, erläutert Torsten Hauk. Alternativ könne er den Fund auch der nächsten Polizeidienststelle melden.

Ob es sich dabei dann tatsächlich um Munition handle oder doch nur um einen harmlosen Gegenstand, sei egal. Torsten Hauk weiter: „Der Bürger braucht keine Angst zu haben, einen Einsatz bezahlen zu müssen, auch wenn der Gegenstand sich dann nach Untersuchung durch uns als harmlos herausstellt. Man kann sich den Fall ja auch mal so vorstellen: Ein Bürger findet etwas, mutmaßt, dass es Munition sein könnte, lässt es aber bewusst liegen und meldet es auch nicht. Am nächsten Tag finden kleine Kinder den Gegenstand, spielen damit rum und es kommt zu einer Explosion. Am Tag darauf erfährt der Bürger davon dann aus der Zeitung “

Bis zu 450 Einsätze im Jahr
Der Munitionsbergungsdienst des Landes Mecklenburg-Vorpommern hat im Schnitt 400 bis 450 Einsätze pro Jahr. Seit dem Jahre 2000 wird jeder Einsatz zur sogenannten unmittelbaren Gefahrenabwehr („Soforteinsatz“) in Mecklenburg-Vorpommern im Kampfmittelkataster des Munitionsbergungsdienstes kartiert.


Jeder Bürger hat die Pflicht, undefinierbare Metallteile dem Ordnungsamt oder der Polizei zu melden. Der Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern ist mit insgesamt 34 Mitarbeitern auf vier Standorte verteilt, für die Kampfmittelräumung im Bundesland verantwortlich.



Edwin Sternkiker

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