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Stralsund Fachkräftepotenzial vorhanden
Vorpommern Stralsund Fachkräftepotenzial vorhanden
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03:48 17.04.2013
Jörg Mattern zum Gejammer um den Fachkräftemangel und die Chance, das Problem zu lösen.

Der Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer Rostock vom Anfang des Jahres blickt voller Optimismus auf 2013 voraus. „Besonders die Industrie, das Verkehrs- und das Dienstleistungsgewerbe wollen ihre Personalbestände spürbar ausweiten“, heißt es unter dem Punkt „Arbeitsnachfrage“. Doch wo Licht ist, fällt auch Schatten. So kommen die Konjunkturforscher ein paar Zeilen tiefer im Bericht zu der Erkenntnis: „Der weiterhin von einem Drittel der Unternehmen konstatierte Fachkräftemangel könnte jedoch dafür sorgen, dass dies nicht in jedem Fall gelingt.“

Fachkräftemangel — ein Wort, das dieser Tage häufig von Politik und Industrie bemüht wird. Oft im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung, die durch fehlende Geburten und Abwanderung ein Bild der Überalterung der Gesellschaft konstatiert.

Dass keine andere Region Deutschlands so stark vom Rückgang der Bevölkerung betroffen ist wie Mecklenburg-Vorpommern, weiß auch Gunter Gerner. Doch der operative Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Stralsund wollte wissen, ob diese Entwicklung zwangsläufig zu massiven Problemen bei der Personalrekrutierung führen muss. Er hat die vorhandenen Daten für Vorpommern genauer untersuchen lassen und kommt nach deren Auswertung zu dem Schluss: „Wir verfügen über ein ausreichendes Arbeitkräftepotenzial und sollten uns hüten, durch das ständige Wehklagen ein falsches Bild für potenzielle Investoren zu zeichnen.“ Um seine Aussage zu untermauern, legte Gerner jetzt ein Zehn-Punkte-Papier vor. „Wir haben in ausgewählten Feldern nachgeschaut, wie‘s aussieht und wo wir aktiv werden müssen.“

Mit dem Wir meint der Geschäftsführer nicht alleine nur die Arbeitsagentur, das wird beim Blick auf die „Elemente einer regionalen Beschäftigungsstrategie“ schnell deutlich. Etwa beim Punkt „Schulabbrüche reduzieren“. Immerhin wurden 2011 in Vorpommern 350 Schulabbrecher registriert. Gunter Gerner: „Wenn es gelänge, diese Zahl nur zu halbieren, hätten wir hochgerechnet auf zehn Jahre ein Potenzial von 1750 Mädchen und Jungen mehr mit qualifiziertem Schulabschluss.“

Der Geschäftsführer verlangt hier nichts Unmögliches. Der Bundesdurchschnitt bei Schulabbrechern liegt bei 5,7 Prozent. Mit einer Halbierung seines statistischen Wertes von knapp 14 Prozent läge Vorpommern immer noch darüber.

Ähnlich gelagert ist das Problem bei den Jugendlichen, die es bis zu einer Lehrstelle geschafft haben. Hier weist die Studie die 3829 Ausbildungsabbrecher des Jahres 2011 im ganzen Land aus. Aus seiner Sicht kostet jeder Abbruch, jede Umorientierung mitten in der Lehre Zeit. Gerners These: Eine Reduzierung der Zahl der Ausbildungsabbrüche würde zumindest dazu führen, dass Fachkräfte dem Arbeitsmarkt ein Jahr früher zur Verfügung stehen.“

Große Chancen sieht das Zehn-Punkte-Papier auch, wenn es gelänge, jene jungen Menschen im Land zu halten, die zur Ausbildung über die Landesgrenzen hinaus pendeln. 2011 waren das in den Kreisen Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald 1394 Azubis. Nur das eine Drittel halbiert, das in jenem Jahr die Ausbildung auswärts antrat, ergibt hochgerechnet auf zehn Jahre ein Potenzial von 2300

Fachleuten.

Auch die Absolventen der beiden Hochschulen in Vorpommern möchte Gunter Gerner nur ungern aus dem Land ziehen lassen. „Würden hier mehr Anstrengungen unternommen, Personal aus den Absolventenzahlen in der Region zu halten, stünde den Unternehmen ein beträchtlicher Pool an Akademikern zur Verfügung.“

Schatzgräberstimmung ist nötig
Das Positionspapier der Arbeitsagentur legt den Finger in die Wunde. Das Gejammer um den Fachkräftemangel löst das Problem nicht. Es könnte sogar kontraproduktiv sein, wenn sich Investoren wegen des vermeintlichen Mangels an Fachleuten abwenden. Durch die Aufzählung dessen, was Stand der Dinge ist, wird deutlich: Vorpommern verfügt trotz Bevölkerungsschwundes über einen ungehobenen Schatz an Fachkräften. Den wird die Arbeitsagentur nicht alleine heben können. Dazu bedarf es gemeinsamer Anstrengungen von Politik und Wirtschaft bis hin zu Schule und Elternhaus. Schatzgräber wissen, dass es mühselig sein kann, bis Reichtümer gehoben sind. Das erfordert Zeit, Arbeit und eine solide Ausrüstung. Das aber kostet. Es irrt, wer glaubt, das Problem lässt sich mit Fachleuten von außerhalb lösen. Wer nicht bereit ist, in heimische Ressourcen zu investieren, dem fließt von außen nichts zu.

Jörg Mattern

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