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Stralsund Falsche Fuffziger sind auf dem Vormarsch
Vorpommern Stralsund Falsche Fuffziger sind auf dem Vormarsch
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00:05 18.02.2017
Daniela Dikty, Leiterin der Fachdienststelle Falschgeld im Landeskriminalamt von Mecklenburg-Vorpommern, vergleicht auf diesem Foto gefälschte 50 Euro-Geldscheine. Quelle: Foto: Jens Büttner

Stefan Nachtwey hat dieser Tage Post bekommen von der Europäischen Zentralbank. Sie macht den Inhaber des Tabakwarengeschäftes in der Ossenreyerstraße in Form eines Flugblattes darauf aufmerksam, dass im April der neue, fälschungssichere 50-Euro-Schein ausgegeben wird.

Zahl falscher Euronoten in MV hat sich verdoppelt / Einzelhändler setzen auf moderne Prüfgeräte / Neuer 50-Euro-Schein ab April im Umlauf

Nachtwey hat das Blatt interessiert gelesen. Einen falscher Fuffziger hatte er in seinem Geschäft noch nicht in der Kasse. „Doch ich habe bereits zwei falsche Hunderter untergejubelt bekommen“, erzählt er. Die Blüten sind erst beim Einzahlen auf der Bank bemerkt worden. „Das Geld war futsch“, sagt Nachtwey. „Die Bank hat es ersatzlos eingezogen.“ Für seinen Tabakladen und den benachbarten Geschenke-Shop hat er daraufhin Geldprüfgeräte angeschafft.

2015 wurden in Mecklenburg-Vorpommern mit 1164 Stück fast doppelt so viele gefälschte Euro-Banknoten registriert wie im Jahr 2014, als 619 Scheine entdeckt und einbehalten wurden. „Am häufigsten werden 20- und 50-Euro-Scheine gefälscht“, sagt Michael Schuldt, Sprecher beim Landeskriminalamt (LKA). Tendenz steigend, auch wenn Schuldt darauf hinweist, dass im bundesweiten Vergleich die Falschgeldkriminalität in MV auf einem niedrigen Niveau liegt. Deutschlandweit hat die Bundesbank 2015 rund 95500 falsche Euro-Banknoten im Nennwert von 4,4 Millionen Euro registriert. Das entspricht etwa zwölf gefälschten Banknoten auf 10000 Einwohner. Auch hier stieg die Zahl der Fälschungen gegenüber dem Vorjahr – und zwar um 51 Prozent.

Die Blüten, die in MecklenburgVorpommern unters Volk geschmuggelt werden, stammen zum Großteil aus Fälscherwerkstätten in Süd- und Osteuropa, so die Erkenntnisse des LKA. „Da werden durchaus täuschungsfähige Reproduktionen von Sicherheitsmerkmalen wie Wasserzeichen, Hologramm und Mikroschrift in hoher Qualität hergestellt“, weiß Michael Schuldt. „In Verkehr gebracht werden die falschen Scheine meist nach demselben Muster“, sagt er. „Mit einem großen Schein wird eine billige Ware gekauft, damit man als Wechselgeld echte Scheine zurückbekommt. Oft werden da Gedränge und Hektik im Geschäft ausgenutzt.“

So gesehen ist Horst-Dieter Pohl vom Stralsunder Whiskyhaus in der Wasserstraße nichts für Leute mit Falschgeld. „Ich habe eine treue Kundschaft, die einen guten Tropfen zu schätzen weiß“, sagt Pohl unter Hinweis auf seine hochpreisige Ware. Dazu kommt: Der Inhaber nimmt sich Zeit für seine Kunden. „Da kommt keine Hektik auf“, erklärt der Spirituosenhändler mit einem Schmunzeln.

Der neue 50-Euro-Schein soll besonders fälschungssicher sein. Kein Wunder, war die Banknote bislang der am meisten gefälschte Geldschein in der Euro-Zone.

Michael Arndt, Leiter Privatkundenbank bei der Pommerschen Volksbank in der Mönchstraße, bestätigt, dass es zumeist 50-Euro-Noten sind, wenn falschgeldverdächtige Scheine in der Bank auftauchen.

„Viel war das letztes Jahr aber nicht. Die Scheine ließen sich an zwei Händen abzählen“, sagt der Banker. Jedoch lässt er durchblicken, dass die Kassierer der Genossenschaftsbank erfahrungsgemäß

damit rechnen, dass Ganoven vor der Einführung des neuen 50-Euro-Scheins versuchen werden, fertiges Falschgeld der auslaufenden Serie in den Markt zu drücken.

Bei Hugendubel ist man auf jeden Fall vorbereitet. Von Hektik lässt sich auch Buchhändlerin Kerstin Schult nicht anstecken. „Unsere Mitarbeiter werden von der Geschäftsleitung zu jedem neuen Geldschein geschult“, sagt die Filialleiterin. Dazu kommt, dass es elektronische Prüfgeräte im Laden gibt, die bei eventuellen Zweifeln zu Rate gezogen werden. „Falsche Geldscheine haben da bei uns wenig Chancen.“

Das ist auch die Botschaft von Michael Arndt. „Wer bei uns Geld aus dem Automaten zieht, kann sicher sein, dass es echt ist“, sagt der Banker. „Wir haben für die Prüfung extra teure Technik angeschafft.“

Im Gegenlicht erscheint die Europa

Neu am neuen 50-Euro-Geldschein ist u. a. das Porträt-Fenster im Hologramm. Bei Betrachtung gegen das Licht wird es durchsichtig. In ihm erscheint ein Porträt der Europa, das von beiden Seiten des Geldscheins zu erkennen ist.

Auf der Smaragd-Zahl 50 der Banknote wandert bei Bewegung ein Lichtbalken auf und ab. Zudem verändert sie ihre Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau.

Die alten Fünfziger der ersten Serie behalten weiterhin ihre Gültigkeit. Sie gehören zu den bei Fälschern beliebtesten Banknoten.

Kreditinstitute sind verpflichtet, Falschgeld aus dem Verkehr zu ziehen. Sie prüfen Banknoten maschinell. Kunden, die einen gefälschten Geldschein einzahlen, bekommen ihn nicht gutgeschrieben. Die Polizei wird informiert und die falschgeldverdächtige Note an die Bundesbank weitergeleitet.

Gefälscht werden übrigens nicht nur Banknoten. Im Jahr 2015 wurden in MV 1450 falsche Münzen im Zahlungsverkehr festgestellt. Im Jahr davor lag das Aufkommen bei rund 1900 Münzfälschungen.

Jörg Mattern

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