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Stralsund „Familien essen und kochen heute zu selten gemeinsam“
Vorpommern Stralsund „Familien essen und kochen heute zu selten gemeinsam“
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00:05 30.03.2017
Norma Häger betreibt das Ernährungs- und Bewegungszentrum Stralsund.
Stralsund

Norma Häger ist Lebensmitteltechnologin, Ernährungsberaterin und Sport- und Fitnesskauffrau – alles in einer Person. Seit 2009 betreibt sie das Ernährungs- und Bewegungszentrum Stralsund, das seit 2013 seinen Sitz am Stralsunder Carl-Heydemann-Ring 55 hat. Die 48-Jährige hilft rund 650 Kindern aus Stralsund und Umgebung, die zu viele Kilos auf den Rippen haben, ihren Alltag so zu verändern, dass sie gesünder leben und sich wohler fühlen.

OZ: Frau Häger, was für Probleme haben Kinder, die ihre Kurse besuchen?

Norma Häger: In der Regel ist das Übergewicht. Entscheidend ist der so genannte Body Mass Index. Wenn der größer ist als 25, gilt das als Übergewicht, ab 30 ist es Adipositas. Zu mir kommen Kinder aus allen Bereichen. Viele haben dadurch physische Beschwerden wie Rückenschmerzen. Andere haben psychische Probleme, etwa weil sie in der Schule gehänselt werden. Übergewichtige Kinder sind nicht selten Einzelgänger.

Wie können Sie den Betroffenen helfen?

Man setzt in der Regel auf ein interdisziplinäres Programm. Wir bieten hier bei uns die Bereiche Bewegung und Ernährung an. In den Ernährungskursen etwa kochen Eltern und Kinder gemeinsam unter unserer fachlichen Anleitung. Wir schauen uns auch das private Umfeld der Kinder an und passen alle Maßnahmen individuell an.

Wie viele Kinder sind betroffen?

Deutschlandweit sind acht bis zwölf Prozent aller kleineren Kinder übergewichtig, adipös sind drei bis fünf Prozent. Je älter die Kinder werden, desto größer werden die Probleme. Bei den Achtklässlern in Mecklenburg-Vorpommern sind schon 24 Prozent der Jugendlichen übergewichtig und zehn bis zwölf Prozent adipös. Mit zunehmendem Alter haben sich die Zahlen also verdoppelt. Spätestens dann muss man handeln, sonst werden die Jugendlichen übergewichtig erwachsen.

Welche Fehler machen Familien mit übergewichtigen Kindern?

Ein Hauptproblem ist die Auswahl der Lebensmittel. Es wird generell zu viel gegessen und dann auch noch zu viele hochkalorische Lebensmittel. Das sind Produkte mit vielen Kalorien und wenig Vitalstoffen, zum Beispiel Pfannkuchen oder Pommes. Die zweite Komponente ist Bewegung, ohne die geht es nicht. Sie fördert die physische Gesundheit und verbrennt überschüssige Energie. Kinder sollten zudem lernen, Stresssituationen positiv zu bewältigen und nicht etwa durch Kummeressen.

Was ist heute anders als früher?

Preiswerte und schmackhafte Lebensmittel und Getränke sind heute überall und zu jeder Zeit verfügbar. Fastfood, Cola, Schokolade und andere Dinge werden Tag und Nacht konsumiert. Das gab es so früher nicht. Die Jugendlichen haben auch das Geld dafür, ich sehe sie ja regelmäßig im Supermarkt vor mir am Band. Es wird zudem zu Hause immer seltener gemeinsam gegessen und gekocht. Stattdessen wird irgendetwas aufgewärmt und dann allein verschlungen. Dazu kommt, dass insbesondere Eltern aus bildungsfernen Schichten nicht ausreichend über gesunde Lebensmittel informiert sind.

Ist das nicht auch eine Frage des Geldes?

Gesunde Lebensmittel müssen nicht zwangsläufig teuer sein. Erst bei besonders hohen Qualitätsansprüchen steigt auch der Preis spürbar. Ich bin davon überzeugt, dass es bei der Auswahl nicht so sehr auf das Geld ankommt, sondern auf den Willen.

Interview: Alexander Müller

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