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Stralsund Franzburger Zwangsräumungs-Drama schlägt Wellen
Vorpommern Stralsund Franzburger Zwangsräumungs-Drama schlägt Wellen
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00:00 03.02.2018
Die Lagutins bleiben vorerst in einer Kirchenwohnung. Quelle: Foto: Sauer

Franzburg. In der kleinen Stadt an den Hellbergen schlagen die Wellen der Empörung hoch, nachdem die Asylbehörde des Kreises am Mittwoch die Kinder einer ukrainisch-russischen Flüchtlingsfamilie, die in Franzburg geduldet wird, aber kein Asyl bekommen hatte, mit der Polizei aus Schule und Kita abholen ließ, während die Eltern im Deutschkurs saßen (die OZ berichtete gestern).

„Ich kann nicht glauben, dass man Kinder mit der Polizei abholen lässt, nur um die Eltern aus der Reserve zu locken“, schimpft Stadtvertreter Klaus Wisse (SPD). „Wir Franzburger kennen die Familie Lagutin. Wir wissen, dass das ganz ruhige und vernünftige Leute sind. Sie tun alles dafür, damit sie hierbleiben können. Das ist doch verständlich“, findet der 81-Jährige. „Wir wissen doch gar nicht, was ein ukrainisch-russisches Paar in Donezk durchmachen muss.“ Der Franzburger sieht, dass sich die Lagutins bemühen. „Der Familienvater will doch nichts weiter als arbeiten und seine kranke Frau und die Kinder ernähren. Was ist falsch daran?“

Eine Frage, die sich der Franzburger Pastor Axel Prüfer schon lange stellt. „Die Lagutins fühlen sich hier wohl, der Vater macht alles, damit seine Familie bleiben kann.“ Bei der Kirchengemeinde haben die Flüchtlinge jetzt Unterschlupf gefunden. Vater Igor Lagutin (43) geht weiter zum Deutschkurs, die Kinder (13, 15 und 16) haben sich gestern in der Schule ihre Zeugnisse abgeholt, und auch die Kleinste – sie ist fünf Jahre alt – geht wieder in den Kindergarten, um ein Stück Normalität zu leben.

Nur Elena Lagutina kann die Aktion nicht verarbeiten. Die 42-Jährige hat große gesundheitliche Probleme. „Wir gehen jetzt erst mal in die Kleiderkammer, damit die Familie mit dem Nötigsten ausgestattet wird. Die Wohnung hat ja bereits ein neues Schloss“, sagt Pastor Axel Prüfer.

Der Landkreis betont noch einmal, dass die Aktion in Franzburg lange angekündigt war. „Die Familie wusste über die Zwangsräumung Bescheid. Wir haben Alternativen vorgeschlagen: Jeweils eine Wohnung im Flüchtlingsheim Barth oder Tribsees. Beides haben die Lagutins abgelehnt“, sagt Sprecher Olaf Manzke. Er unterstreicht, dass man die Wohnung hätte übergeben müssen. Zudem sei in zentralen Einrichtungen genug Platz – anders als vor zwei, drei Jahren. Man sehe sich rechtlich auf der sicheren Seite, denn vor Gericht hatte Anwältin Sonja Steffen mit ihren Mandanten verloren.

Ines Sommer

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