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Stralsund Freimaurer bereiten sich auf Jubiläum vor
Vorpommern Stralsund Freimaurer bereiten sich auf Jubiläum vor
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00:00 09.06.2017
Blick in das Logenhaus Der „Sundia zur Wahrheit“ auf einer alten Postkarte um 1900 aus Stralsund. REPRO: STADTARCHIV HANSESTADT STRALSUND
Stralsund

Es war 1717, als sich im aufgeklärten England vier Freimaurerlogen zu einer Großloge zusammenschlossen. Diese Jahreszahl ist für die Mitglieder der Stralsunder Freimaurerloge „Sundia zur Wahrheit“ ein wichtiger Meilenstein ihrer Geschichte. „Wir feiern am 17. Juni, 15 Uhr, 300 Jahre Freimaurertum im Tempel unseres Logenhauses“, sagt Rainer Kruse. Der gebürtige Stralsunder ist Meister vom Stuhl der „Sundia zur Wahrheit“, und damit gewissermaßen der Vorsitzende der Loge.

Die Loge „Sundia zur Wahrheit“ feiert 300 Jahre Freimaurertum und ihr Wirken für eine bessere Verständigung unter den Menschen.

Der 64-jährige Diplom-Ingenieur für Bauwesen arbeitet als Angestellter an der Hochschule Stralsund. Zu den Freimaurern ist er eher durch eine zufällige Begegnung gekommen. „Als Betriebsleiter war ich für eine Baufirma viel auf Messen unterwegs. Da habe ich jemanden kennengelernt, der das Freimaurerabzeichen trug, und wir kamen darüber ins Gespräch“, erzählt Kruse. Ihn interessierte das Motto der Freimaurer: Aus guten Menschen bessere machen. Vor neun Jahren nahm ihn die Stralsunder Loge auf.

„Es ist dieses ständige Arbeiten an sich selbst, das uns vorwärtsbringt“, versucht Kruse seine Motivation zu erklären. Dahinter steckt die Idee, so zu einem menschlicheren Verhalten zu kommen. Ein Mitglied der Stralsunder Loge durchläuft dabei die Stationen Lehrling, Geselle und Meister. Der Wissenserwerb erfolgt über die regelmäßigen Treffs im Logenhaus. „Wir hören Vorträge und diskutieren anschließend darüber“, lässt der Stuhlmeister durchblicken. Was ihn in dieser Zeit besser gemacht hat?

„Vor meinem Eintritt in die ,Sundia zur Wahrheit’ war ich ein impulsiver Mensch gewesen. Im Tempel habe ich gelernt, andere ausreden zu lassen und viel gelassener zu werden“, ist Rainer Kruse um die Antwort nicht verlegen.

Bei anderen Fragen wird’s schwieriger. Wie viel Mitglieder hat die Stralsunder Loge? „Mehr als 20.“ Genauer darf der Meister vom Stuhl nicht werden. Die Statuten verpflichten die Mitglieder zur Diskretion. „Wir dürfen über andere Freimaurer keine Auskunft geben. Sie müssen sich selber als solche zu erkennen geben“, erklärt Kruse. Für die Mitglieder ist die Loge kein Geheimbund, aber eine diskrete Gesellschaft, Immerhin lässt er noch durchblicken, dass hochgestellte Persönlichkeiten der Hansestadt unter den Mitgliedern sind, ebenso Unternehmer, aber auch der „ganz normale Sachbearbeiter“. Dafür setzen sich die Freimaurer durchaus überkonfessionell zusammen, auch Atheisten sind willkommen. Ist das Freimaurertum nun so etwas wie eine Ersatzreligion?

„Keineswegs“, sagt Kruse. „Aber wenn wir Vertreter verschiedener Religionen unter uns haben, dann müssen wir ein Angebot unterbreiten, auf das sich alle verständigen können.“ Bei den Freimaurern ist das „der allmächtige Baumeister aller Welten“. Ein deutliches Zeichen auf die Herkunft der Bewegung, die ihren Ursprung in den freien Maurern nach dem Ende der Hochbauzeit der Dome und Kathedralen hat.

Frauen sind als Mitglieder übrigens nicht zugelassen. Begründet wird das auch schon mal historisch, denn es gab zur Gründungszeit der Logen einfach keine weiblichen Maurer. „Aber wir veranstalten Schwesternabende, zu denen unserer Brüder ihre Frauen mitbringen“, sagt Kruse. Zwar gebe es heute auch Frauenlogen und in Hamburg sogar eine gemischte Loge, doch fanden diese bislang keine Anerkennung von der Großloge in Deutschland. „Vieles, was in der Öffentlichkeit über Freimaurer und ihre Rituale kursiert, hat nichts mit unserer Wirklichkeit zu tun“, betont der Stuhlmeister mit Blick etwa auf den Bestseller des amerikanischen Autoren Dan Brown „The Lost Symbol“. Ein richtiges Buch über Freimaurerei könne ohnehin nur ein Freimaurer schreiben, was nicht einfach sein dürfte.

Sie sind ja zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Schweden brachten das Freimaurertum nach Vorpommern und Stralsund

Das Freimaurertum kam nach dem 30-jährigen Krieg mit schwedischen Militär-Logen nach Vorpommern.

In Stralsund wurden 1762 zwei Logen gegründet: „Zur Eintracht“, bestand bis 1777 sowie „Le Charite“, die bald wieder einging.

Erstes Logenhaus war Mönchstraße 18. Freimaurer gründeten hier 1766 Stralsunds erstes Theater.

Die Gründung der Loge „Gustav Adolph zu den drei Strahlen“ erfolgte 1797 auf Initiative des schwedischen Generalleutnats Johannes Franz von Pollet, der erster Meister vom Stuhl wurde. 1847 wurde das Logenhaus Langenstraße 70 errichtet.

Zur Spaltung der Loge kam es 1877 im Streit um die Suspendierung des Stettiner Freimaurers Adolf Schiffmann durch die Große Loge von Deutschland. Der größte Teil der Mitglieder der Loge „Gustav Adolph“ schlug sich auf Schiffmanns Seite. Am 23. September 1877 gründeten sie die „Sundia zur Wahrheit“. Erster Meister vom Stuhl:

Medizinalrat Rudolf von Haselberg. Grundsteinlegung für das Logenhaus, Bielkenhagen 5, war am 2. Juli 1879. Der Entwurf stammt vom Logenmitglied, Stadtbaumeister Ernst von Haselberg.

Die Freimaurerlogen wurden 1935 in Deutschland aufgelöst und nach 1949 in der DDR nicht wieder zugelassen.

„Sundia zur Wahrheit“ wurde 1995 wiedergegründet , ihr das Haus zurückgegeben. Hamburger Logenbrüder brachten „das Licht im September 1995 ins Logenhaus ein“.

Jörg Mattern

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