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Stralsund Freispruch für Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft
Vorpommern Stralsund Freispruch für Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft
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00:00 19.09.2016

Mit einem Freispruch endete vergangene Woche das Verfahren wegen Nötigung im Amtsgericht Ribnitz-Damgarten gegen vier Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft. Den Angeklagten wurde vorgeworfen, am 28. September 2012 eine Wohnung im Ribnitzer Mittelweg in unzulässiger Form zwangsgeräumt zu haben.

Dabei habe das Auftreten für den Mieter bedrohlich gewirkt. Neben einem Mitarbeiter des Schlüsseldienstes und Mitarbeitern der Gebäudewirtschaft seien Polizeibeamte vor Ort gewesen. Die vier Angeklagten wollten sich zu dem Vorfall nicht äußern. Doch auch bei der Aussage des Mieters, Michael L.*, blieben viele Fragen offen. Immer wieder schüttelte er auf die Fragen von Richter Chris Neumann den Kopf und erklärte: „Da muss ich passen“ oder „Da kann ich nichts zu sagen“.

Der 32-Jährige gab aber zu, dass es von Anfang an Probleme gegeben habe. So habe er nach seinem Einzug im Juni 2012 in seiner Wohnung immer wieder bis drei, vier Uhr nachts Partys gefeiert. „Zu dieser Zeit ist bei mir einiges aus dem Ruder gelaufen. Aus heutiger Sicht kann ich verstehen, dass Nachbarn sich beschwert haben“, erklärte er. Mehrere Gespräche habe es mit der Gebäudewirtschaft gegeben. Danach folgten zwei fristlose Kündigungen. Ob er ein Schreiben bekommen habe, in dem der Termin der Zwangsräumung stand, konnte er allerdings nicht sagen. „Ich habe zu dieser Zeit aber auch keine Briefe mehr geöffnet. Nach der zweiten fristlosen Kündigung habe ich mich jeden Tag komplett weggeschossen. Das war Komasaufen“, meinte L., der angab, dass er ein Alkoholproblem hatte.

Stutzig machte den Richter, dass ein Bekannter von Michael L. bei der Polizei ausgesagt hatte, dass ihn der 32-Jährige genau am 28. September, dem Tag der Zwangsräumung, zu sich bestellt habe, um ihm beim Umzug zu helfen. „Dann kannten Sie den Termin also doch?“, fragte Chris Neumann Michael L.. Der schüttelte jedoch wieder nur den Kopf. „Von dem Termin wusste ich nichts. Ich plane nie etwas.

Ich mache das immer spontan“, sagte der 32-Jährige, der nach der Zwangsräumung zunächst obdachlos war, danach in ein Obdachlosenheim zog und dann ein Jahr lang eine Therapie machte. „An Zufälle glaube ich nicht“, sagte Chris Neumann skeptisch.

Dass bei der Zwangsräumung eine bedrohliche Stimmung geherrscht haben soll, daran konnte sich Michael L. jetzt aber nicht mehr erinnern. Welche Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft anwesend waren und ob es überhaupt die Angeklagten waren, wusste er ebenfalls nicht. Dass es nicht unüblich sei, dass bei einer Zwangsräumung auch die Polizei dabei sei, sagte der Mitarbeiter des Schlüsseldienstes vor Gericht aus. Am Schluss waren sich Staatsanwalt und die Rechtsanwälte der Angeklagten einig und plädierten alle auf Freispruch.

*Namen geändert

Anika Wenning

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