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Frischer Wind im Maritimen Zentrum

Stralsund Frischer Wind im Maritimen Zentrum

Stadtteilzentrum soll Begegnungsort für junge und alte Menschen werden / Lernwerkstatt und Jugendberufshilfe bieten Jugendlichen Perspektiven

Stralsund. Begegnungsräume zu schaffen, das ist der Wunsch von Jörn Pardeyke, Koordinator des Maritimen Zentrums Frankenvorstadt (MZF). „Und zwar generationenübergreifend“, wie der 38-Jährige betont.

 

OZ-Bild

Wir wollen Begegnungsort für Jung und Alt werden.“Jörn Pardeyke, Koordinator MZF

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Nach einigen Unwegsamkeiten ist das Maritime Zentrum längst wieder in ruhigeren Fahrwassern unterwegs. Im Jahre 2012 als ein Modellprojekt aus der Wiege gehoben, zogen die Stadterneuerungsgesellschaft, das Haus der Wirtschaft und das Kreisdiakonische Werk Stralsund an einem Strang. Dank der Mittel aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ konnte das Projekt für drei Jahre finanziert werden. In dieser Zeit wurde unter anderem eine Kinder- und Jugendwerft aufgebaut und befanden sich unter dem Dach im Großen Diebsteig 3 eine Jugendfirma und die Jugendberufshilfe.

„Uns war es immer wichtig, das maritime Bewusstsein der Bewohner in der Frankenvorstadt zu fördern und ganz besonders das der Kinder und Jugendlichen“, sagt Jörn Pardeyke. Gerade in diesem maritim geprägten Stadtteil, in dem Bootswerften und Flotthafen angesiedelt sind und in dem früher die Werftarbeiter lebten, sollten den Jugendlichen berufliche Perspektiven aufgezeigt werden.

Nachdem die Finanzierung auslief, stand zunächst die Frage im Raum, ob und wie es mit dem Zentrum weitergehen kann. Retter in der Not war schließlich der Evangelische Kirchenkreis, der das Projekt nun unterstützt. Im Mittelpunkt steht nach wie vor das maritime Bewusstsein. „Aber“, sagt der Koordinator, „es geht nun eben mehr um das Miteinander der Stadtteilbewohner.“ Deshalb befinden sich im Großen Diebsteig nicht mehr nur die Jugendberufshilfe des Kreisdiakonischen Werkes mit Mechthild Helms, sondern auch die Stadtteilkoordination mit Verena Schmidt und nun die Maritime Lernwerkstatt.

„Das ist sozusagen die Weiterentwicklung der Jugendfirma“, erklärt Jörn Pardeyke.

Das heißt, dass junge Leute zwischen 16 und 27 Jahren wieder an normale Tagesstrukturen gewöhnt werden sollen. „Sie sollen lernen, was es heißt, jeden Tag pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, Dinge im Team zu besprechen und Sachen selbst herzustellen und zu produzieren.“ Gemeinsam mit den Praxisleitern Nils Möckel und Thomas Rosin arbeiten sie an Maschinen und mit verschiedenen Stoffen. „Wenn sie sehen, dass tatsächlich Dinge entstehen, baut das auch das Selbstwertgefühl der Leute wieder auf“, ist Pardeyke überzeugt. „Sie sehen, dass sie gebraucht werden.“ Dabei entstehen dann unter anderem die schon bekannten Stralsund-Lichterbögen. Neu hinzugekommen sind solche Aufgaben, die in den Verwaltungsbereich oder die Hauswirtschaft fallen. „Auch dort werden die jungen Leute eingesetzt.“ Im Idealfall führt sie der nächste Schritt dann zu Mechthild Helms und der Jugendberufshilfe.

Doch das Zentrum ist noch viel mehr. So ist für die Herbstferien eine tolle Aktion gemeinsam mit dem Künstler Raik Vicent geplant. Dann wird auf dem Dänholm, in der Werkstatt von Vicent, ein Bücherschrank oder -turm entstehen. Mit Literatur gefüllt, soll der dann vor dem Haus im Diebsteig stehen. „Das wird dann einer von drei Büchertürmen sein, die in Stralsund stehen.“ Außerdem ist wieder geplant, mit Marcel Kutz ein Graffito an einer Wand im Stadtteil anzubringen.

Die Stadtteilkoordination bietet ein Lesecafé an und regelmäßig eine Kleidertauschbörse für Frauen. Außerdem werden an jedem Donnerstag Nähkurse angeboten“, zählt Pardeyke auf. „Wir wollen ein Stadtteilzentrum, das Anlaufpunkt für alle Anwohner wird. Die Bedarfe sind auf jeden Fall da“, sagt Jörn Pardeyke. Gerade für die älteren Menschen sei es wichtig, eine Begegnungsstätte außerhalb des Wohnraums zu schaffen. „Sie brauchen einen Ort, an dem sie sich austauschen können, an dem sie ihre Sorgen, aber auch schönen Erlebnisse teilen können.“

Miriam Weber

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