Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Gut geschnitten, gefönt und gestylt im Salon Haar: Vorpommerns ältester Frisör wird 100
Vorpommern Stralsund Gut geschnitten, gefönt und gestylt im Salon Haar: Vorpommerns ältester Frisör wird 100
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Der Stralsunder Salon Haar wird 100: Ein Bild aus den ersten Geschäftsjahren in der Tribseer Straße. Quelle: Stadtarchiv
Stralsund

Für Katrin Haar-Andres ist es ein kleiner Schatz, den sie da in den Händen hält – eine Pappkarte mit lütten Haarbüscheln. „Das ist eine Farbkarte aus DDR-Zeiten. Die zeigt die 24 Farben, die wir hatten. Mehr gab’s nicht“, sagt die Frisörmeisterin und schiebt hinterher: „Wir waren natürlich kreativ und haben gemischt, aber manchmal kam eben nicht das gewünschte Ergebnis raus.“ Die Frisörinnen lernen zwar heute in der Ausbildung immer noch den Farbkreis und wissen, welche Farbpaare zusammengehören, aber mischen muss keiner mehr die gewünschte Farbe der Kunden, und sei der Ton noch so extra-vagant.

24 Farben zählte die Palette zu DDR-Zeiten. Quelle: Ines Sommer

Diese und andere Geschichten wird Katrin Haar-Andres in dieser Woche öfter erzählen. Und das hat einen guten Grund: Der Salon Haar feiert seinen 100. Geburtstag. Der Opa Robert Haar hatte das Frisörgeschäft am 15. Januar 1919 in der Tribseer Straße 23 eröffnet. Eine Anzeige in der „Stralsundischen Zeitung“ verkündete am 24. Januar die Firmengründung.

Robert Haar legte Grundstein für Familienbetrieb

Damals kümmerte sich Robert Otto Franz Haar, 1894 in Gützkow geboren, um die Herren. Ehefrau Käthe – die Beiden heirateten am 31. März 1919 – war nach einer Umschulung für die Damen verantwortlich. Der Laden an der Ecke zur Henning-Mörder-Straße wird vielen Stralsundern noch als spätere Bäckerei Bantow in Erinnerung sein. Am 1. März 1956 zog das Geschäft samt Familie in die Mönchstraße 30, und da gehen die Kunden auch heute noch ein und aus.

So sah das Schaufenster bei Haar in Stralsund zu DDR-Zeiten aus. Quelle: Stadtarchiv
Das Frisör-Geschäft in der Stralsunder Mönchstraße nach der Wende. Quelle: Privat

Als frisch gebackener Meister 1958 übernahm Sohn Peter Klaus Haar den Laden. Der junge Mann, der 1933 geboren wurde, lernte im väterlichen Betrieb, arbeitete aber zunächst in Berlin und Schwerin, ehe es in wieder in die Heimat zog. Den Salon Haar gut durch die DDR-Zeit zu steuern, war eine Riesen-Herausforderung für Peter Haar. Denn sein Frisörgeschäft war eine der wenigen privaten Firmen, die es täglich mit der Macht der Volkseigenen Betriebe (VEB) oder wie bei den Frisören mit der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) zu tun bekamen.

Ob Rosenmontag oder Aschermittwoch - für alles gab es früher eine Extra-Frisur, und die hat Peter Haar in einem Album festgehalten. Quelle: Ines Sommer

Mal musste er darum kämpfen, dass seine zehn Angestellten (mehr waren nicht erlaubt) den gleichen Lohn wie die Frisörinnen in der PGH bekommen und fuhr dafür extra zum Staatsrats-Chef Willi Stoph, ein anderes Mal kämpfte er um seine Lehrlinge. Denn der Nachwuchs lag Peter Haar immer am Herzen. 76 Azubis hat er ausgebildet, sechs Mitarbeiter schafften es schließlich bis zum Meisterbrief.

Viele Stralsunder sehen Frisörmeister Peter Haar sicher noch vor sich. Mit straffer Organisation führte er den Laden, und auch mit den Mitarbeitern war er streng. Doch wie die älteren Haar-Frisöre bestätigen, haben sie beim Meister viel gelernt. Mit der Wende eröffneten sich dem Handwerk neue Wege, und so öffnete Peter Haar einige Filialen: 1991 in Tribsees, 1992 in Andershof, 1995 in Knieper West, auch Greifswald kam hinzu.

Die Anzeige zur Eröffnung des Frisörsalons. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-HST

Katrin Haar-Andres führt Geschäft in dritter Generation

Heute führt Katrin Haar-Andres die Geschäfte. Und obwohl ihre Mutter nicht wollte, dass sie das Handwerk des Vaters erlernt, stand für sie schnell fest: Das ist es. „Aber wir waren uns einig, dass ich meine Lehre woanders mache, und so wurde ich bei der PGH Meisterwelle ausgebildet. Das war auch gut so“, grinst die heute 48-Jährige. Inzwischen ist sie längst selbst Ausbilderin, denn in jedem Ausbildungsjahr steht ein Lehrling im Salon, viele bleiben.

Neben dem Hauptsitz in der Altstadt hat das Unternehmen Haar heute Filialen in Knieper West (mit Kosmetik und Fußpflege) und bei Real in Andershof. Dahinter stehen 37 Mitarbeiter – 36 Frauen und ein Mann. Ja, ihr Mann sei der Hahn im Korb, sagt Katrin Haar Andres. Das Paar hat sich 1988 in einem Urlaub kennengelernt, und dann hat Jens Andres schließlich zum Frisör-Handwerk gewechselt. Seit 1990 ist er in der Herren-Abteilung nicht mehr wegzudenken.

Der Salon Haar feiert seinen 100. Geburtstag. Hier die Frühschicht im Hauptsitz Mönchstraße. Insgesamt hat Unternehmen 37 Mitarbeiter. Quelle: Ines Sommer

Katrin Haar-Andres führt den Frisör in dritter Generation, und das seit Juli 2000. Wird es eine vierte geben? „Naja, unser Sohn macht erst mal was anderes, aber er ist erst 28. Und wir müssen ja noch etliche Jahre... Darüber machen wir uns heute noch keine Gedanken“, wehrt die Meisterin fröhlich ab und zeigt dann auf die Uhr. „Können wir –meine nächste Kundin wartet schon.“ Ja, viel reden über sich will die erfolgreiche Stralsunder Geschäftsfrau nicht. Im Büro sitzt sie so wie so nur, wenn sie muss. Zum Glück übernimmt ihr 53-jähriger Ehemann Jens die Warenbestellungen, so dass sie genügend Zeit für ihre Kundinnen hat.

Als Frisör hat man einen der intimsten Berufe

„Die Arbeit mit den Menschen ist jeden Tag spannend und abwechslungsreich. Mir macht das riesigen Spaß. Hinzu kommt die Herausforderung, immer wieder Neues zu lernen“, schwärmt sie von ihrem Beruf und gesteht: „Wir sind Vertraute der Kunden, und das nicht nur in Bezug auf die Gespräche. Beim Waschen, Schneiden und Fönen sehen wir den Menschen so, wie er sich vielleicht nicht überall zeigen würde. Ich vergleich das immer mit einem Arzt, das ist auch eine ganz intime Situation. Geht der Kunde hier raus, haben wir etwas für sein Selbstbewusstsein getan. Und das ist auch für uns ein tolles Gefühl.“

Und was ärgert Katrin Haar-Andres? „Ich finde, der Meisterbrief sollte wieder etwas zählen, es gibt zu viele Ausnahmen, das ist ungerecht. Erstens ist das kein fairer Wettbewerb, zweitens bleibt die Qualität auf der Strecke“, sagt die Handwerksmeisterin mit ernster Miene, doch die huscht schnell wieder vom Gesicht, denn Katrin Haar-Andres ist eine Frohnatur, die täglich durch den Laden wirbelt. In diesem Sinne: Gut Schnitt für die nächsten Hundert!

Inhaberin Katrin Haar-Andres mit den Meisterbriefen von ihr und ihrem Vater Peter Haar. Quelle: Ines Sommer

Ines Sommer

Zwischen dem Kap Arkona und dem Trebeltal soll ab 2021 parallel zum Gelben Sack die Gelbe Tonne für die Entsorgung der Verpackungsabfälle zum Einsatz kommen. Der Bedarf wird derzeit ermittelt.

16.01.2019

Menschen wurden nicht verletzt. Insgesamt vier Fahrzeuge waren nach den Zusammenstößen nicht mehr fahrbereit.

16.01.2019

Das Projekt „Demokratie leben“ in Niepars widmet sich künftig stärker der Förderung der Kinder- und Jugendarbeit in den Gemeinden des Amtsbereichs.

15.01.2019