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Stralsund Frust in der Trebelstadt: Netto macht dicht
Vorpommern Stralsund Frust in der Trebelstadt: Netto macht dicht
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00:00 20.10.2017
Wir werden uns das nicht gefallen lassen, wir kämpfen um den Netto. Zuerst mit einer Unterschriften- sammlung.Thomas Molkentin (52), CDU-Bürgermeister in Tribsees

Tribsees. Gerade erst haben sich die Einwohner über die gute Nachricht gefreut, dass das Land die Stadt Tribsees zur Modellregion für eine ländliche Entwicklung auserkoren hat und somit Einwohnerschwund und fehlende Wirtschaft bekämpfen will, schon sorgt eine Hiobsbotschaft für den nächsten Ärger in Tribsees: Der Netto Markendiscount will seine Filiale in der Goethestraße Anfang 2018 schließen.

Die Mitarbeiter sollen nach Grimmen und Richtenberg umgesetzt werden – ohne Führerschein droht ihnen aber die Arbeitslosigkeit. Gegen die Schließung regt sich Widerstand in Tribsees.

„Ich finde das einfach nur schlimm. Das kann man doch mit den Leuten nicht machen. Wieder schließt ein Laden. Wir sind schon so traurig, dass in der Innenstadt so viele Geschäfte dicht gemacht haben“, schimpft Regina Quade (75). „Viele ältere Leute sind auf diesen Laden angewiesen. Ich denke nur mal an die Leute aus Siemersdorf, die ja auch irgendwo einkaufen müssen“, gibt Rita Monka zu bedenken. Die 70-Jährige, einst Köchin, kann die Entscheidung der Netto-Chefetage überhaupt nicht verstehen. Sigrid Ratz sagt: „Ich war selbst jahrelang Verkäuferin, deshalb weiß ich, dass es Hoch- und Flautezeiten gibt. Das plant der Handel eigentlich ein. Aber wie zufrieden die mit dem Umsatz waren, wird man ja nicht erfahren“, so die 65-Jährige aus Tribsees.

Doch warum zieht sich das Unternehmen, dass in den letzten Jahren in Martensdorf und Negast sogar neue Filialen eröffnete, aus der Trebelstadt zurück? „Da die Netto-Filiale in der Goethestraße 11 nicht mehr unserem modernen Netto-Konzept hinsichtlich Lage, Erreichbarkeit, Größe und Gestaltung entspricht, wird die Filiale Anfang 2018 geschlossen“, heißt es auf OZ-Anfrage aus der Unternehmenskommunikation eindeutig. Netto sei lediglich Mieter in dem Gebäude, dass einst von Plus gebaut wurde. Vor 1990 befand sich auf dem Grundstück die Tribseeser Molkerei, die dann der Abrissbirne zum Opfer fiel, weil an gleicher Stelle eine damals moderne Verkaufsstelle errichtet wurde.

„Wir machen uns auch Sorgen um die sieben Mitarbeiter dort. Sie haben meistens keinen Führerschein, weil sie immer in Tribsees gearbeitet haben, im Handel zum Teil schon vor der Wende“, sagt Bürgermeister Thomas Molkentin (CDU) und ergänzt: „Das heißt im Klartext für diese Mitarbeiter: Sie gehen in die Arbeitslosigkeit.“ Befragt nach dieser Befürchtung, erklärt die Netto-Presseabteilung nüchtern: „Wir werden die betroffenen Mitarbeiter weiter in den umliegenden Filialen beschäftigen.“

Den Nahversorgungsauftrag sieht das Netto-Unternehmen mit Sitz in Maxhütte trotzdem erfüllt: „Für die Kunden aus der Umgebung werden wir die Nahversorgung durch unsere Netto-Märkte in der Friedrichstraße 70 in Grimmen und in Papenhagen 3 in Richtenberg aufrechterhalten“, sagt Stefanie Adler von der Unternehmenskommunikation Netto Marken-Discount.

Die Tribseeser geben sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Ganz im Gegenteil: Widerstand formiert sich, denn die Trebelstädter sind das Kämpfen gewohnt. Haben sie doch gerade erst ihren Grundschulstandort gesichert. Eine Unterschriftensammlung mit dem Ziel, den Markt zu erhalten, macht bereits die Runde, und viele haben den Protest gegen die Schließung schon unterzeichnet. Demnächst soll das Ganze im Rathaus an den Bürgermeister übergeben werden. „Ich will dann ein entsprechendes Schreiben dazu stellen, damit man bei Netto merkt: Uns ist der Erhalt der Filiale wichtig.“

Ines Sommer

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