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Für Stalin war die breite Allee grade gut genug

Stralsund Für Stalin war die breite Allee grade gut genug

Acht Jahre trug der Frankendamm den Namen des Generalissimus. Aber die Geschichte der Straße hat noch viel mehr zu bieten.

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Die Frankenkaserne auf einem Foto von 1910. Im Vordergrund ist die sogenannte Mayschwisch zu sehen, wo sich heute das Stadion befindet. Auch damals wurde dort Fußball gespielt.

Quelle: Sammlung Christian Schmidt

Stralsund. Wie in vielen ostdeutschen Städten musste auch in Stralsund nach dem Tod Stalins am 5. März 1953 etwas an den „großen Führer der kommunistischen Bewegung“ erinnern. Und so beschlossen wenige Tage später der Rat der Stadt und die Stadtverordnetenversammlung, eine Straße nach dem verstorbenen sowjetischen Staats- und Parteichef zu benennen. Es musste natürlich eine breite Allee sein. So fiel die Wahl auf die Straßen Frankenkronwerk und Frankendamm.

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Die Frankenkaserne auf einem Foto von 1910. Im Vordergrund ist die sogenannte Mayschwisch zu sehen, wo sich heute das Stadion befindet. Auch damals wurde dort Fußball gespielt.

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Als würdiger Anlass für die Umbenennung wurde der 36. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution auserkoren. Der Rat rief die Stralsunder zu einer Kundgebung auf, die am 7. November 1953 am Gebäude der Energieverteilung stattfand. So nannte man damals die Energieversorgung am Frankendamm. Tausende Stralsunder sollen damals begeistert der Umbenennung zugestimmt haben.

Nachdem die Verbrechen Stalins ans Tageslicht gekommen waren, hatte der Kult um den Generalissimus ein Ende. Am 16. November 1961 bekam der Frankendamm seinen alten Namen zurück. Die Bezeichnung Frankenkronwerk für den Abschnitt bis zwischen Wasserstraße und dem heutigen Gerichtsgebäude wurde nicht wieder eingeführt.

Über Jahrhunderte hinweg hatten massive und tief gestaffelte Verteidigungsanlagen das Bild des Frankendamms unmittelbar vor der Innenstadt bestimmt. Außenwerke, Bastionen, Türme, Gräben und Zugbrücken sollten Stralsund vor Angreifern schützen. Mit dem Fall des Festungscharakters der Stadt im Jahre 1873 begann man mit der Beseitigung der umfangreichen Verteidigungsanlagen.

In der Folgezeit bestimmte das Militär das nun einsetzende Baugeschehen am Frankendamm. 1877 fiel der Startschuss für den Bau einer großen Kasernenanlage. Dazu wurde das Gelände zwischen dem Frankendamm und dem Flotthafen mit Material aufgefüllt, das vom Abbruch des Walls auf der Blauturmbastion stammte.

1881 bezogen die 1. und 2. Abteilung des 1. Pommerschen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 2 die neue Kaserne am Frankendamm. Von 1886 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs standen in der Frankenkaserne Bataillone des Infanterie-Regiments Prinz-Moritz von Anhalt-Dessau (5. Pomm.) Nr. 42 in Garnison. Danach übernahm die Marine die militärische Anlage, die mit der Aufrüstung Deutschlands ab 1935 eine umfassende Modernisierung und Erweiterung erfuhr. Es entstanden ein neues Stabsgebäude (Nr. 2), ein Gebäude für die Marine-Standortverwaltung sowie das Marine-Bauamt (Nr. 5) und eine neue Kommandantur (Nr. 7).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der teilweise während des Bombenangriffs am 6. Oktober 1944 zerstörte Kasernenblock am Frankendamm bis auf die Grundmauern abgerissen. Danach erfolgte die Errichtung eines fünfgeschossigen Wohngebäudes, das im Volksmund sehr bald die Bezeichnung „Stalin-Block“ erhielt. Der Südflügel des Kasernenblocks blieb stehen. Dort öffneten sich am 18. Juni 1955 die Türen des HO-Hotels „Baltic“.

Das Areal gegenüber, wo sich heute das Stadion der Freundschaft befindet, war bis um 1900 eine Wiese, die sogenannte „Mayschwisch“, auf der Kühe weideten. Das Militär nutzte die Weide auch als Exerzierfeld. Ab 1909 trug der Stralsunder Fußballklub von 1907 auf der Wiese seine Heimspiele aus. Von einem Sportplatz konnte man damals aber noch nicht sprechen. Das Feld war stets sehr feucht, weil jegliche Drainage fehlte. Viele Fußballspiele arteten zu regelrechten Schlammschlachten aus.

Nach den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin forderte die nationalsozialistische Reichsführung vehement den Bau von Sportplätzen, auf denen Wettkämpfe auf der Grundlage international anerkannter Regeln stattfinden konnten. Die Marinestandortverwaltung Stralsund folgte der Aufforderung. Im Frühjahr 1938 begannen die Arbeiten, und bereits im Oktober konnte der modernste Sportplatz der Hansestadt seiner Nutzung übergeben werden. Die Sportstätte am Frankendamm wird somit im kommenden Oktober 75 Jahre alt.

Schon im 14. Jahrhundert ein „Dammno Vranconis“
Der Frankendamm, der vor einiger Zeit eine umfassende Sanierung erfuhr, trägt offiziell erst seit 1869 diesen Namen, obwohl schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Existenz eines „Dammno Vranconis“ oder „Vrankendamm“ belegt ist.


Die Bezeichnung der Straße geht nicht auf den germanischen Stamm der Franken zurück, sondern wie bei der Frankenstraße auf eine Ratsherrenfamilie mit Namen Vranco.

1263 erschien auf einer Pergamenturkunde ein Ratsherr Vranco. Und im Jahre 1350 vermachte ein Vranco den Leprosen in St. Georg zwei Flaschen Bier, dergleichen den Armen im Heilgeistkloster, seiner Frau Wyben alle „Utensilien", der Tochter Taleken ein Viertel seines Schiffes und Bruder Gerhard alle Waffen.

Noch bis 1953 begann der Frankendamm erst auf der Höhe des einstigen Schlachthauses an der Ecke der Straße Wulflamufer. Der Abschnitt zwischen der Ecke Frankenwall, Wasserstraße bis zum heutigen Gerichtsgebäude trug bis dato die Bezeichnung Frankenkronwerk.


Das Schlachthaus befand sich also am Frankendamm Nr. 1, das Gebäude von Kaufmann Herzfeldt war Nr. 2.

 

 

Andreas Neumerkel

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