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Stralsund Ausbildungswerbung auf Augenhöhe
Vorpommern Stralsund Ausbildungswerbung auf Augenhöhe
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12:30 14.02.2019
Nicht nur im Handel aktiv: Torsten Grundke ist geschäftsführender Gesellschafter des Stralsunder Media Marktes und Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock. Quelle: Benjamin Fischer
Stralsund

Warum organisiert Media-Markt-Chef Torsten Grundke, ein Mann aus dem Einzelhandel, eine Veranstaltung, die Handwerkern helfen soll, Nachwuchs zu finden – das haben wir uns gefragt und mit ihm darüber gesprochen.

Herr Grundke, Sie wollen im Stralsunder Strelapark am 28. Februar die Fahne des Handwerks hochhalten.

Torsten Grundke: Ja, wir planen eine Ausbildungsmesse, die den Namen „Schaufenster ins Handwerk“ trägt. Ziel dieses Tages soll es sein, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern.

Wo kommt die Motivation dafür her?

Die hatte ich selbst, nachdem sich insbesondere im Ausbildungsmarkt nach und nach abzeichnete, dass den Handwerksfirmen die Bewerber ausgehen.

Warum Handwerk im Strelapark, hier wird doch vor allem Handel getrieben?

In meiner Funktion als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer habe ich bereits vier regionale Berufsmessen hier im Strelapark mitveranstaltet. Diesmal soll es eine regionale Messe sein, auf der sich ausschließlich das Handwerk präsentiert. Und die soll sich abheben von den großen Ausbildungsmessen, die es in Mecklenburg-Vorpommern bereits gibt. Dort zeigen sich regelmäßig vor allem große Unternehmen, die in ganz Deutschland auftreten und zugleich das Geld haben, einen Messeplatz für mehrere tausend Euro anzumieten. Nur, dann passiert Folgendes: Junge Menschen, die dort eine Ausbildung anfangen, landen oft irgendwo in Deutschland. Die fehlen dann in unserer Region. Ich wünsche mir, dass auch regionale und kleinere Ausbildungsbetriebe an Messen teilnehmen können, um junge Menschen hier in der Region zu halten.

Tun die kleineren Unternehmen aus Ihrer Sicht noch zu wenig, um jungen Menschen in unserer Region gute Ausbildungsperspektiven zu bieten?

In der Vergangenheit haben sich viele Unternehmen zu wenig oder in einigen Fällen einfach gar nicht mit den Themen Ausbildung und Fachkräftesicherung beschäftigt. Und jetzt, da die demografische Entwicklung zeigt, dass wir mehr Menschen haben, die in Rente gehen und deutlich weniger Menschen, die in die Berufswelt eintreten, müssen sich alle mehr Gedanken machen, wie wir die Schulabgänger, die hier groß geworden sind, für die hiesigen Unternehmen gewinnen können und an unsere Region binden.

Wie groß war der organisatorische Vorlauf für die Handwerksmesse?

Der konkrete Impuls ist vor anderthalb Jahren von dem Stralsunder Malermeister Jens Lubozki und mir gegeben worden. Damals war der Plan, hier auf dem Parkplatz des Strelaparks einen Farb-Truck der Firma Brillux in Szene zu setzen. Ich habe mich damals gefragt: Warum nur einen Lkw, um junge Menschen für den Beruf des Malers zu begeistern. So kamen wir damals auf die Handwerksmesse hier im Strelapark. Wir haben die Kreishandwerkerschaft mit ins Boot geholt. Um das Marketing zu verbessern, habe ich die Hochschule Stralsund gewonnen, auch weil viele Firmen darin selbst oft wenig Erfahrung haben. Professor Norbert Zdrowomyslaw hat mit einigen Studenten ein Projekt aufgelegt, was an dieser Stelle geholfen hat. Das ging so weit, die Handwerksbetriebe zu beraten, wie sie sich auf einer Messe am besten darstellen. Wir wollen hier keine Messe veranstalten, bei denen ältere Herrschaften den jungen Leuten Flyer in die Hand drücken, sondern die Firmen und die möglichen Bewerber sollen sich auf Augenhöhe begegnen können. Deshalb bringen die Firmen ihre Auszubildenden mit. Die kommen mit den Schulabgängern viel leichter ins Gespräch.

Soll denn nur miteinander gesprochen werden oder gibt’s auch was auszuprobieren?

Dass nur geredet wird, genau das soll es eben nicht sein. Nein, wir wollen hier erlebbare und lebendige Stände haben, wo man Dinge, die mit dem Beruf etwas zu tun haben, ausprobieren kann. Wir haben im Vorfeld in den Schulen durch den Förderverein Schule-Wirtschaft mit Volker Klatt diese Messe promotet. Es soll nicht so laufen, dass die Schüler nur einen Laufzettel bekommen, für den sie sich drei Unterschriften holen müssen, sondern die Berufsbilder sollen zuvor bereits Teil des Unterrichts sein, sodass das Interesse für die eine oder andere Richtung geweckt wird.

Was haben Sie selbst für Erfahrungen gemacht. Was machen Sie heute im Media Markt anders, um Nachwuchs zu gewinnen als noch vor wenigen Jahren?

Mir war immer klar, dass wir nie bereits vollständig vorgebildete Menschen aus den Schulen bekommen, um die wir uns dann während der Ausbildung nicht mehr kümmern müssen. Heute sind die Schulabgänger durchaus immer noch sehr praxisorientiert, aber in der Theorie gibt es deutlich häufiger Schwächen. Deshalb müssen Ausbildungsbetriebe heute individuelle Fördermöglichkeiten anbieten. Ich beschäftige hier bei mir im Unternehmen eine ehemalige Berufsschullehrerin, die bestimmte Fächer nachschult, die in der Schule vielleicht zu kurz gekommen sind. Es hilft nichts, immer über die schlechter werdende Qualifikation zu klagen, sondern man sollte bereit sein, stellenweise Bildung nachholen. Ich fühle mich in diesem Punkt in der Pflicht und betrachte es als selbstverständlich als erfolgreicher Unternehmer durch eine gute Ausbildung junger Menschen der Gesellschaft auch etwas zurückzugeben.

Sie selbst binden Ihre Auszubildenden schon früh in die Nachwuchsförderung ein.

Ja, wir haben hier im Jahr über 100 Praktikanten im Haus. Damit das möglichst praxisnah abläuft, sollen die Praktikanten lernen, wie der Alltag eines Auszubildenden im Media Markt auszieht. Und wer könnte das besser vermitteln als die Auszubildenden selbst. Sie nehmen die Praktikanten an die Hand und zeigen ihnen, was ihre Aufgaben sind. Staub wischen oder Kaffee kochen soll hier niemand von den Praktikanten. Dieser möglichst tiefe Einblick ist mir wichtig. Das Ergebnis ist, dass wir sehr wenige Ausbildungsabbrüche haben.

Schaufenster ins Handwerk im Strelapark

Die Berufsmesse „Schaufenster ins Handwerk“ findet am 28.Februar (Donnerstag) von 10 bis 18 Uhr im Stralsunder Strelapark statt. Dort können Tätigkeiten aus verschiedenen Berufen gleich vor Ort ausprobiert werden. Zudem bringen viele der 14 Firmen, die sich dort vorstellen, ihre eigenen Auszubildenden mit, die den Schulabgängern aus erster Hand schildern, wie der Ausbildungsalltag in den vorgestellten Berufen aussieht.

Mit dabei sind: die Innung des KfZ-Gewerbes, die Energienanlagen Nord GmbH, das Kosmetikstudio Prettin, die Rehaform GmbH, Malermeister Jens Lubozki, Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärmeister Arne Engelbrecht, die Hochbau- und Denkmalpflege GmbH, die Landtechnik-Vertriebs GmbH von Bernhard Krone, die Dachdecker Innung, der Friseur Klinck, Optiker Schlie und das Unternehmen Kind Hörgeräte.

Benjamin Fischer

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