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Stralsund Fusion soll Ozeaneum vor drohender Insolvenz retten
Vorpommern Stralsund Fusion soll Ozeaneum vor drohender Insolvenz retten
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09:49 02.12.2016
Besucher stehen vor dem Schwarmfischbecken im Ozeaneum. Im vergangenen Jahr besuchten rund 545000 Gäste das Haus. FOTO: STEFAN SAUER/ZB

Die beiden größten Museen des Landes sollen zukunftssicher aufgestellt werden. Die Stiftung Deutsches Meeresmuseum mit Meeresmuseum, Natureum und Nautineum soll Plänen zufolge mit der Ozeaneum Stralsund GmbH zusammengeführt werden.

Das Vorhaben steht im Zusammenhang mit der offenbar unsicheren Zukunft des Ozeaneums und den Sanierungsmaßnahmen am Meeresmuseum. Wie aus einem der OSTSEE-ZEITUNG vorliegenden internen Gutachten hervorgeht, könnte das Ozeaneum, das keinerlei öffentliche Zuschüsse für den Betrieb erhält, wegen anstehender Investitionen im Jahr 2021 in die Zahlungsunfähigkeit rutschen. Dies hätte wiederum Auswirkungen auf das Deutsche Meeresmuseum als Eigentümer der Immobilie auf der Hafeninsel. Mieteinnahmen fielen weg. Das Deutsche Meeresmuseum wäre Eigentümer einer instandhaltungsintensiven und möglicherweise ungenutzten Spezialimmobilie, heißt es in dem Sanierungsgutachten. Damit wären beide Einrichtungen gefährdet.

Ein Zusammenschluss erscheint als „zweckmäßigste und wirtschaftlichste Option, um die dauerhafte Sicherung des Betriebs beider Häuser zu ermöglichen“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg unter Bezug auf den aktuellen Beschluss des Bundes-Haushaltsausschusses. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, zusammen mit dem Land und der Hansestadt Stralsund bis Inkrafttreten des Haushalts 2018 die Zusammenführung voranzutreiben. Land und Stadt, neben Bund weitere Zuwendungsgeber für die Stiftung, wollten sich zunächst nicht äußern.

Die Vorsitzende des Ozeaneum-Aufsichtsrates und SPD-Abgeordnete Sonja Steffen geht davon aus, dass die Fusion positive Synergieeffekte bringt. „Wir sparen den Aufsichtsrat für die GmbH und viel Verwaltungsarbeit. Der Betriebsrat spricht künftig mit einer Stimme.“ Die 63 Mitarbeiter des Ozeaneums würden wie ihre 55 Kollegen im Meeresmuseum nach Tarif des öffentlichen Dienstes (TVÖD) bezahlt.

Sie erhalten bislang einen Haustarif, der sich zwar am TVÖD anlehnte, aber immer wieder neu ausgehandelt werden musste. Steffen und Rehberg hatten sich beim Bund für die Fusion stark gemacht. Die institutionelle Förderung will der Bund nicht erhöhen. Sie beträgt im Jahr 2017 rund 1,1 Millionen Euro. Alle Stellen würden auch künftig aus dem Gesamthaushalt des Deutschen Meeresmuseums bezahlt, in den nach Fusion auch die Betriebseinnahmen des Ozeaneums fließen.

Wie aus dem von der bundesweit tätigen Anwaltskanzlei Görg erstellten Gutachten weiter hervorgeht, soll der Zusammenschluss möglichst noch 2017 vor der 30 Millionen schweren Sanierung des Meeresmuseums vollzogen werden. Der Kaufmännische Direktor des Meeresmuseums, Andreas Tanschus, hatte mehrfach auf eine zeitweise Schließung des Stammhauses während des Umbaus hingewiesen. Offen blieb, was dann mit den Mitarbeitern geschieht.

Laut Sanierungskonzept wird in der Bauphase eine „rollierende Freistellung“ der nicht benötigten Mitarbeiter erwogen. Würden alle Mitarbeiter von Ozeaneum und Meeresmuseum daran beteiligt, könnte

– so heißt es – verhindert werden, dass diese länger als zwölf Monate arbeitslos würden und somit in Arbeitslosengeld II und Hartz IV abrutschen. Eine zweite Option: Die Zahlung von Kurzarbeitergeld. Dies müsste dann bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden.

Tanschus und Museumsdirektor Harald Benke erklärten, die Geschäftsleitung suche nach Wegen, die Zukunft von Meeresmuseum und Ozeaneum nachhaltig und dauerhaft zu sichern. Die Abstimmungen seien noch nicht abgeschlossen. Verwiesen wurde auf die Sitzung des Verwaltungsrates am 14. Dezember.

Ein Zusammenschluss könnte langfristig Einsparungen bringen. Laut Gutachten wäre er „Grundlage für eine effiziente Personalentwicklung zur Vermeidung künftiger Doppelbesetzungen bei vergleichbarer Funktion“. Als mögliche Bereiche für straffere Personalstrukturen werden der Bereich Wissenschaft und Forschung sowie die Technik genannt.

Info

Kommt es zu einer Fusion, sieht das Sanierungskonzept für die Mitarbeiter einen Betriebsübergang und für die Vermögenswerte einen Asset-Deal vor. Demnach müssen Betriebsräte laut Paragraf 111 Betriebsverfassungsgesetz beteiligt werden. Sozialplan und Interessensausgleich wären wahrscheinlich. Bei einem Asset Deal würden sämtliche Vermögenswerte der Ozeaneum GmbH einzeln erfasst und gegen Zahlung eines angemessenen Kaufpreises (in der Regel zum Buchwert) an die Stiftung Deutsches Meeresmuseum verkauft.

Im Jahr 2015 besuchten rund 852 000 Gäste die Einrichtungen des Deutschen Meeresmuseums, davon rund 545000 das Ozeaneum, 198000 das Meeresmuseum.

Martina Rathke

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