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Stralsund Ganz Tribsees geht auf die Straße
Vorpommern Stralsund Ganz Tribsees geht auf die Straße
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00:00 05.03.2013
Blick in die Chronik zum 725. Geburtstag der Stadt: 1964 wurde die Schule in Tribsees eingeweiht. Quelle: privat
Tribsees

Bevor um 19 Uhr der Amtsausschuss Recknitz-Trebeltal zu diesem Thema berät, soll ab 18.30 Uhr vor den Toren des Rathauses der Wunsch nach einer eigenen Schule für die Erst- bis Viertklässler energisch unterstrichen werden.

„Wir wollen und müssen uns wehren“, sagt Katrin Skopp vom Elternrat und ergänzt: „Ganz Tribsees ist empört. Viele Leute wollen zur Demo kommen, und das nicht nur Eltern und Lehrer der Grundschule, sondern auch die Mütter und Väter der Kita-Kinder. Denn sie werden in Zukunft die Betroffenen sein. 150 Kinder besuchen diese Einrichtung, und die wollen dann auch hier zur Schule gehen“, weiß die 35-jährige Arzthelferin.

Wie die OSTSEE-ZEITUNG bereits berichtete, hatte Anfang Februar ein Blog-Eintrag des Eixener Bürgermeisters André Bonitz (Piratenpartei) unter der Überschrift „Schließung der Tribseeser Grundschule im Gespräch“ für mächtig Wirbel gesorgt. Grund für das Vorpreschen des Eixeners waren Aussagen zur Schulentwicklung von Landrat Ralf Drescher (CDU) und Tino Koch von der Kommunalaufsicht des Kreises in der Januar-Amtsausschuss-Sitzung im Recknitz-Trebeltal.

Doch warum gerät die Tribseeser Schule plötzlich in diesen Untergangs-Sog? Hintergrund dürfte die geplante Sanierung der Schule in Bad Sülze sein, für die bis Ende März ein Förderantrag gestellt sein muss. Entschließt sich der Amtsausschuss zu diesem Schritt, könnte Tribsees auf der Abschussliste stehen, weil nach Aussagen des Kreises in besagter Januar-Tagung nur eine von beiden Schulen langfristig Bestand habe, so hatte es zumindest der Eixener Bürgermeister verstanden. Amtsvorsteher Hartmut Kolschewski (parteilos) bezeichnete dies gegenüber unserer Zeitung als gefährliches Halbwissen und sagte: „Es ging in der Januar-Sitzung nicht um die Schließung von Tribsees. Es wurde lediglich angemerkt, dass 2017 die drei Grundschulstandorte überprüft werden müssen.“ Neben Tribsees betrifft dies also auch die Grundschule in Bad Sülze und die „Kleine Schule auf dem Lande“ in Grammendorf. Auch der Landkreis möchte die hochgekochte Stimmung etwas dämpfen. „Es gibt zunächst erst mal gar keinen Handlungsbedarf, weil die neue Schulnetzplanung vom Land noch weit nach hinten geschoben wird“, bekräftigt Verwaltungssprecherin Renate Jährling.

Dennoch: Die Eltern der Bandlow-Grundschüler sind in Aufruhr. Und auch Schulleiter Frank Telzerow macht sich Sorgen. „Ich denke, es darf keine Sanierung der Bad Sülzer Schule zu Lasten der Tribseeser Einrichtung geben. Zumal unser Haus saniert ist, hier muss nicht in Größenordnungen Geld reingesteckt werden.“ Bei jeder Gelegenheit hatte der Schulleiter Fragen gestellt. „Niemand hat sich bisher mit den Folgekosten beschäftigt, falls Bad Sülze als Standort im Amtsbereich favorisiert wird und täglich über 100 Kinder durch die Gegend gefahren werden. Außerdem wurden die im Raum stehenden Fahrzeiten ohne den Kraftverkehr ermittelt“, zählt der 48-Jährige die offenen Punkte auf. Und da sei noch etwas: „Wie entwickeln sich die Schülerzahlen, wenn im neun Kilometer entfernten Dettmannsdorf-Kölzow die freie Schule eine 1. Klasse eröffnet? Schon jetzt gehen 70 Prozent der Grundschüler in Bad Sülze nach der 4. Klasse in diese private Schule.“

Fragen, die der Tribseeser Schulleiter sicher auch heute Abend in den Mittelpunkt stellt, wenn sich die Kämpfer für den Grundschulstandort Tribsees um 18.30 Uhr vor dem Rathaus treffen. „Wir haben eine Mikrofonanlage aufgebaut, so können wir uns im wahrsten Sinne des Wortes auch Gehör verschaffen. Ich werde auf jeden Fall den Stand der Dinge erläutern, und natürlich können auch Eltern das Wort ergreifen“, sagt der Mathe- und Informatiklehrer, der in Bad Sülze wohnt und betont, dass er kein Entweder-Oder will, sondern ein klares Ja zu allen drei Grundschulen im Recknitz-Trebeltal.

Während der Sanierungsbedarf in Bad Sülze noch viel Geld binden dürfte, kann Tribsees auf gute Bedingungen schauen. „Wir haben die 1964 eingeweihte Schule noch zu DDR-Zeiten saniert. Nach der Wende kamen dann noch die neue Fassade, die Sanitäranlagen und die Heizungserneuerung dazu“, sagt Lothar Schimmelpfennig. Der 63-Jährige muss es wissen, er saß über 25 Jahre auf dem städtischen Bürgermeisterstuhl.

Ines Sommer

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