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Stralsund Geburtstagswunsch: Rügenbrücke im Licht
Vorpommern Stralsund Geburtstagswunsch: Rügenbrücke im Licht
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00:01 23.10.2017
Dieses Litzenseil ist besonders dick und wurde beim Bau der Rügenbrücke in Deutschland erstmals verwendet. Quelle: Fotos: Renè Legrand

Stralsund. „Mit dem Bau der Rügenbrücke wurde etwas Großartiges geschaffen“, sagt der Stralsunder Bürgerschaftspräsident Peter Paul (CDU) am Freitagabend zur Eröffnung einer Ausstellung im Rathaus-Foyer, die in 70 Bildern des Fotografen René Legrand die Entstehung des Jahrhundertbauwerks zeigt. Und keiner der Gäste – vom Brückenbauer bis zum Brückenwärter – zweifelt an der Bedeutung der Brücke, die schon ihren 10. Geburtstag feiert. „Ganz im Gegenteil, je mehr Abstand man zur Bauphase hat, umso mehr wird einem bewusst, dass man beim Brückenbau etwas erlebt hat, was nicht jede Generation in Stralsund erleben wird“, sagte ein älterer Besucher.

Ausstellung im Rathaus würdigt in Bildern von Legrand die Errichtung des Jahrhundertbauwerks 2007

Der Fotograf René Legrand kann wirklich von sich behaupten, mit der Rügenbrücke eng verbunden zu sein. Drei Jahre begleitete der Bützower die Arbeiten im Auftrag der Baufirmen, hielt die verschiedenen Bauphasen ebenso fest wie technische Details. „Das hat riesigen Spaß gemacht, auch wenn ich immer auf Abruf war“, sagt der Mann, der nach dem Abitur eine Ausbildung zum Kameraassistenten machte und später Fotograf wurde. Ob Pfahlgründung, Pylonbau, Transport der riesigen Brückenteile, ob an der Wasseroberfläche oder in angsterregender Höhe – all das hat Legrand in seinen Bildern festgehalten Hans-Heinrich Osteroth, vor zehn Jahren in der gestaltenden Bauoberleitung tätig und heute Mitglied der Gruppe „Freunde der Rügenbrücke“, schwärmt von fünf Bauweisen, die ineinanderflossen. „Gut bei dieser Riesenmaßnahme war, dass uns zunächst eine große Skepsis begleitete. Zum Beispiel was Fische, Vögel oder Wassernutzung betraf. Doch wir haben all diese Dinge aufgenommen und daraus einen hochwertigen Entwurf gemacht. Wir haben schonend gebaut und den Sund sauber gehalten“, sagt Osteroth und betont, dass man sich an die Umweltauflagen gehalten habe – trotz Einsatz von Riesenkränen und gigantischem Schwimmkran.

So seien die Litzenseile für Deutschlands größte Schrägseilbrücke eben aus einem solchen Einwand der Vogelschützer entstanden. „Es gab Litzenseile in anderen Ländern, aber wir haben das erstmals in Deutschland verarbeitet.“ Damit hätten sich die Brückenbauer auch für andere Projekte europaweit empfohlen.

Etwas Großes mitgestaltet zu haben, das fühlt auch Manfred Müller. Der 66-jährige Prohner war als Straßenmeister für die Inbetriebnahme der Brücke mitverantwortlich. Er erinnert sich an ein erstes technisches Problem, weshalb die Brücke am 8. November 2007 für zwei Stunden gesperrt werden musste. Die erste Winterdienstkolonne rollte übrigens am 11.11. des Jahres über das Jahrhundertbauwerk, wie er in seinem Kalender von damals akribisch aufgeführt hat.

Auch in den anschließenden Gesprächen wird deutlich, dass die Erbauer der Rügenbrücke nicht nur stolz sind auf ihr Werk, sie brennen noch immer dafür, engagieren sich bei den „Freunden der Rügenbrücke“. Und deshalb haben sie auch noch einen Wunsch, an dessen Erfüllung sie stetig arbeiten. „Wir möchten, dass die Rügenbrücke beleuchtet wird. Und damit meinen wir nicht eine einmalige Eventbeleuchtung zu einer Feier, sondern ein Licht, dass dieses Jahrhundertbauwerk – seiner Bedeutung angemessen – immer in Szene setzt“, so Hans-Heinrich Osteroth. Thomas Freitag, Sachgebietsleiter im Straßenbauamt, kennt die Verhandlungen mit der Stadt. „Da ist Bewegung in der Sache...“

Ausstellung: bis 10. November, montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr im Rathausfoyer geöffnet.

Schrägseilbrücke mit speziellen Y-Pfeilern

30000 Fahrzeuge täglich rollen in Spitzenzeiten über die Brücke. Früher waren es 20000, die den Rügendamm passierten.

Am 20./21. Oktober 2007 pilgerten 300000 Menschen über die neue Brücke, am 22. Oktober wurde sie für den Verkehr freigegeben. Damit wurde der Stau auf der Stralsunder Seite zwar Geschichte, allerdings staut es sich im Moment noch auf der Insel Rügen.

4100 Meter lang ist das Gesamtbauwerk. Kernstück ist der Brückenzug mit 2831 Metern. Es handelt sich um die größte Schrägseilbrücke mit speziellen Y-Pfeilern in Deutschland. Die Durchfahrtshöhe beträgt 42 Meter.

128 Meter hoch ist der Pylon. Es gibt drei Fahrspuren.

Sieben Wochen nach Eröffnung der Brücke nahm die Polizei den ersten Unfall auf.

6 Einzelfelder wurden damals zusammengesetzt. Das sind zusammen 317 Meter.

71200 Kubikmeter Beton wurden in 28 verschiedenen Mischungen verbaut. Der Stahlverbrauch war enorm: 7600 Tonnen Betonstahl, 7400 Tonnen Konstruktionsstahl sowie 7100 Tonnen Spundwandstahl.

112 Millionen Euro kostete der Bau der neuen Rügenbrücke.

Ines Sommer

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