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Stralsund Gehört der Bart dazu, Herr Badrow?
Vorpommern Stralsund Gehört der Bart dazu, Herr Badrow?
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02:24 08.10.2018

Zehn Jahre Oberbürgermeister. Wann ist es denn soweit?

Alexander Badrow ist der zweite Oberbürgermeister nach der Wende und am 13. Oktober zehn Jahre im Amt. Seitdem darf auf seinen Wunsch auch ein OB nicht mehr direkt vor dem Rathaus parken. Quelle: Foto: Stefan Sauer

Alexander Badrow: Am 13. Oktober. Ich bin am 1. Juni 2008 gewählt worden und der Gag, den ich dann oft gehört habe, lautete: Wir haben unseren Oberbürgermeister am Kindertag gewählt. Seitdem habe ich mich aber verändert.

Auch optisch. Gehört der Bart für einen Stralsunder Oberbürgermeister dazu? Sie haben ja lange keinen getragen.

Vielleicht wird das ja eine Tradition. Also an mir würde es zumindest nicht scheitern.

Was war aus Ihrer Sicht einer Ihrer größten Erfolge in den vergangenen zehn Jahren?

Ich glaube nicht, dass man an dieser Stelle ein besonderes Ausnahmeprojekt nennen kann, sondern für mich sind das viele Elemente und Glücksmomente. Ich erinnere mich beispielsweise sehr gern an die Instandsetzung des Strandes in Devin. Die gelungen ist, weil alle Beteiligten Pragmatismus gezeigt und mit viel Engagement angepackt haben. Und nicht, weil wir dafür besonders viel Geld zu Verfügung hatten. Weitere wichtige Bauprojekte waren die Sanierung des Strandbades und die Fertigstellung eines durchgehenden Radweges von Parow bis Devin. Und mir persönlich liegt ein guter Zustand der Schulen sehr am Herzen. Damit investieren wir in die Zukunft. Wir freuen uns schließlich, wenn wieder mehr junge Menschen nach Stralsund kommen, die Kinder haben. Wenn, wie zuletzt im Fall des Strandbades, Dinge mutwillig wieder zerstört werden, ärgert mich das.

Haben Sie einen roten Faden für Ihre Arbeit?

Das wäre die Frage, wie die Stadt in einigen Jahren aussehen soll und was wir dafür tun müssen, diese Vision dann umzusetzen. Die ganz großen baulichen Highlights, wie in den Jahren vor meiner Amtszeit, gab es nicht. Aber ich denke, dass sich die Stadt angesichts der Vollendung einer Vielzahl an kleineren Vorhaben sehr gut entwickelt hat und in Zukunft weiter gut entwickeln wird.

Ihr Vorgänger im Amt hat nach der Wende mehrere große Bauprojekte mit vorangetrieben, wie zum Beispiel das Ozeaneum. Diese Erfolge haben sich angesichts des generellen Investitionsdrucks nach der Wende ein Stück weit auch ohne den ganz großen Kraftakt eingestellt. Heute sind vielleicht andere Faktoren wichtiger, wie die Frage, ob es nicht zu einer lebenswerten Stadt gehört, ausreichend Kita- und Schulplätze zu haben, anstatt noch ein großes Bauprojekt anzuschieben. Trotzdem wirken Sie manchmal so, als hätten Sie auch gern ein großes Bauprojekt in Ihrer Bilanz.

Nein, das täuscht. Das ist nicht meine Idee von Stadtentwicklung. Ich habe selbst gar keinen Bedarf, unbedingt ein gigantisches Großprojekt zu verwirklichen, außer es wäre für die Stadt wirklich wichtig. Und das ist aktuell nur an einer Stelle der Fall, im Quartier 65 neben dem Ozeaneum. Für eine Fläche in so toller Lage brauchen wir eine adäquate Lösung, die anders aussieht als ein Schotterparkplatz zwischen unsanierten Speichern. Dort muss was passieren. Generell zählen Bauprojekte und die Schaffung von Infrastruktur natürlich zu meinen Vorhaben. Wer das nicht will, darf keinen Bauingenieur zum Bürgermeister machen. Mein Ziel dabei ist, dass sich neue Baugebiete und die Einrichtungen, die dort entstehen, am Ende mit Leben füllen. Das gelingt ganz gut, glaube ich. Und wir widerlegen damit die Schätzung, dass Stralsund irgendwann nur noch 48000 Einwohner haben würde. Das Gegenteil ist der Fall. Die Stadt wächst. Zurzeit haben wir wieder etwa 60000 Einwohner. Es ist für mich realistischer, dass wir irgendwann 70000 Menschen in Stralsund sind, als dass wir nochmal knapp 20000 verlieren.

Wenn man das Potenzial von Stralsund und Greifswald addiert, beide Städte sind ja auf unterschiedlichen Feldern erfolgreich, wäre es dann nicht sinnvoll gegenüber der Landesregierung künftig noch stärker als gemeinsames vorpommersches Oberzentrum aufzutreten? Zusammen repräsentieren die zwei Hansestädte immerhin 120 000 Menschen, das jeweilige Umland noch gar nicht mitgerechnet.

Ich finde, dass Stralsund und Greifswald sich in verschiedenen Bereichen recht gut ergänzen, seien es die Hochschullandschaft oder das touristische Potenzial. Wir stimmen uns bereits jetzt sehr eng ab, insbesondere bei Entwicklungen, die längerfristig gedacht werden müssen, wie Fragen der Raumordnung. Das machen wir, weil uns bewusst ist, dass wir allein nicht die kritische Größe haben, die mit Rostock vergleichbar wäre, und deshalb natürlich als gemeinsames Oberzentrum auftreten müssen, um unsere Chancen zu verbessern.

Gibt es für Sie eine Frist für weitere Fusionsbemühungen mit der Gemeinde Altefähr?

Generell haben wir der Gemeinde Altefähr ein sehr gutes Paket geboten, insofern wäre eine Fusion nicht nur für Stralsund eine Chance, sondern auch für Altefähr. Dazu muss sich zunächst die Gemeinde verhalten, im Anschluss daran entscheidet natürlich auch die Bürgerschaft. Mein Eindruck ist, dass es nicht viel Sinn ergeben dürfte, den Prozess nach der Kommunalwahl im Mai noch weiter zu verfolgen, wenn bis dahin keine Entscheidung der Gemeinde vorliegen sollte. Ich denke, dass diejenigen, die gegen die Fusion sind, versuchen werden, diesen Zeitpunkt zu erreichen.

Man hat den Eindruck, als gebe es innerhalb der Bürgerschaft inzwischen etwas Neid auf die Dinge, die Altefähr versprochen worden sind. Ein Thema ist die Einrichtung einer Ortsteilvertretung. Könnten Sie sich dies für ganz Stralsund vorstellen?

Wir sollten darüber diskutieren. Dabei könnte die Frage im Mittelpunkt stehen, welche Vorteile es hätte, Ortsteilvertretungen für die verschiedenen Stralsunder Stadtteile einzurichten. Mein Eindruck war bisher nicht, dass sich die Stadtteile derart voneinander unterscheiden, dass einige stärker als andere dafür kämpfen müssen, gehört zu werden. Dann hätte zuletzt die Tribseer Vorstadt anbringen können, dass dort noch mehr passieren muss, was jetzt ja ohnehin geschieht. Vor ein paar Jahren hätte man solche Signale ebenso aus der Frankenvorstadt, Knieper und Grünhufe vernehmen müssen, die sich inzwischen massiv entwickelt haben. Insofern denke ich, dass es uns bislang gelungen ist, auch ohne Ortsteilvertretungen überall die Bedürfnisse zu erkennen. Auch mit verschiedenen Ortsteilvertretungen könnten wir nicht alles gleichzeitig machen.

10 Jahre mit Badrow als OB

2007 erst ist Alexander Badrow in die CDU eingetreten. Bereits im Jahr darauf ging er als Kandidat der Union zur Wahl des Stralsunder Oberbürgermeisters an den Start. Badrow hatte damals fünf Mitbewerber. Im ersten Wahlgang stimmten 43,6 Prozent der Wahlberechtigten für ihn. In der folgenden Stichwahl votierten schließlich 58,1 Prozent für den gebürtigen Sachsen. Bei seiner Wiederwahl im Jahr 2015 gelingt ihm mit 65,1 Prozent im ersten Wahlgang der Durchmarsch. Die nächsten Wahlen zum Oberbürgermeister stehen in Stralsund 2022 an.

Alexander Badrow ist promovierter Bauingenieur mit dem Schwerpunkt Verkehrs- und Infrastrukturplanung. Er ist verheiratet und drei Kinder.

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