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Stralsund Gemeinsam gegen einsam: Selbsthilfe für junge Leute
Vorpommern Stralsund Gemeinsam gegen einsam: Selbsthilfe für junge Leute
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00:00 29.06.2016

„Ich wollte nicht, dass jemand meine schlimmen Erfahrungen machen muss“, sagt Katrin T. (Name ist der Redaktion bekannt). Deshalb hat die 35-Jährige eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Eine ganz besondere: „Wir bieten Selbsthilfe für junge Leute zwischen etwa 18 und 35 Jahren an“, sagt Katrin. Damit ist diese Gruppe seit ihrer Gründung im Mai die erste ihrer Art in Mecklenburg-Vorpommern.

Alle sind zwar unter- schiedlich, aber es gibt immer gemeinsame Schnittstellen.“Diana Hilgendorf, ehrenamtliche In-Gang-Setzerin für Selbsthilfegruppen bei der Kiss

Hilfe zur Selbsthilfe

162 Selbsthilfegruppen gibt es in Stralsund und dem Landkreis.

2015 gab es über 2000 Anfragen zu Selbsthilfeangeboten, davon kamen 1800 von Frauen und 866 von Männern.

Bei 39 Prozent aller Anfragen ging es um chronische, bei 18 Prozent um psychische Erkrankungen.

Das bedeutet im Klartext, dass junge Menschen mit Krankheitsbildern, seien es psychische oder chronische Erkrankungen, gern zum Café Tangente kommen können. „Denn so heißt unsere Gruppe“, sagt Mitinitiatorin Katrin. Der Name kommt nicht von ungefähr: „Alle hier sind zwar unterschiedlich, aber es gibt immer gemeinsame Schnittstellen“, erklärt Diana Hilgendorf. Sie ist eine sogenannte In-Gang-Setzerin bei der Kontakt- und Informationsstelle Stralsund (Kiss). Das heißt, wenn Menschen zusammenkommen, die eine Selbsthilfegruppe gründen wollen, dann hilft Diana bei den ersten Schritten und verlässt die Gruppe dann später auch wieder.

Das In-Gang-Setzen ist bei jungen Leuten im Übrigen noch einmal eine besondere Situation. „Während Ältere oft schon gelernt haben, mit ihrer Krankheit umzugehen, möchten junge Menschen das am liebsten in den Alltag integrieren, ohne dass sie sich groß damit beschäftigen müssen“, versucht Anke Landgraf, Leiterin der Kiss, zu erklären. Was junge Menschen überhaupt zur Kiss treibt, ist der Wunsch nach Austausch mit anderen jungen Leuten.

Außerdem weiß Diana Hilgendorf, dass man um einiges behutsamer vorgehen muss, man die Hilfesuchenden erst einmal aufschließen und sie sich untereinander kennenlernen müssen.

Beim Café Tangente sind die Betroffenen in einer lockeren Runde zusammen, können im Speicher am Katharinenberg einzeln oder auch gemeinsam Gespräche führen, aber auch einfach Spiele spielen. „Wir haben festgestellt, dass das Selbsthilfeangebot erlebnisorientiert sein sollte“, sagt Diana Hilgendorf. Allerdings geht es nicht darum, ausschließlich für die Freizeitbespaßung zuständig zu sein, betont Anke Landgraf. „Natürlich führen wir auch Gespräche mit jedem, der den Weg zu uns findet.“ Leider sei das Thema Selbsthilfe bei jungen Leuten nach wie vor ein Tabu. „Man muss da schon eine ziemlich große Hemmschwelle überwinden, aber genau diese wollen wir gern abbauen“, sagt Anke Landgraf.

Beim Café Tangente spielt nicht eine bestimmte Erkrankung eine Rolle. Von Diabetes über Asthma, Krebs oder Multipler Sklerose bis hin zu Erfahrungen mit Mobbing, Einsamkeit oder Trauer. „Auch Alltagsprobleme können zu großen Problemen werden“, sagt Diana Hilgendorf. Immer öfter zum Beispiel hätten junge Menschen mit Leistungsdruck oder Prüfungsangst große Probleme. Ein Dauerbrenner ist leider nach wie vor das Thema Essstörung. So wie bei Katrin. „Durch die Langzeitschäden, die ich wegen dieser Krankheit davongetragen habe, ist das Thema Essstörung für mich immer präsent“, sagt die Stralsunderin. „Und ich muss mich damit auch auseinandersetzen und beschäftigen und die Selbsthilfegruppe ist ein guter Ort dafür.“

Café Tangente, jeden ersten Dienstag im Monat, 17 Uhr, Café im Speicher am Katharinenberg

Miriam Weber

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