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„Gewalt kann man nicht wegbeten, aber sie darf uns nicht bestimmen“

Stralsund „Gewalt kann man nicht wegbeten, aber sie darf uns nicht bestimmen“

Friedensgebet am Montagabend in St. Marien thematisierte den allgegenwärtigen Terror in der Welt

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Blick in das Innere von St. Marien während des Friedensgebets am Montagabend.

Quelle: Christian Rödel

Stralsund. Das, was viele denken, bringt Thomas Nitz oftmals in kurzen Sätzen auf den Punkt. „Gewalt kann man nicht wegbeten“, erklärte der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete auf dem Friedensgebet am Montagabend in der Marienkirche. Doch Nitz fügte auch hinzu: „Aber sie darf nicht das Bestimmende in unserem Leben werden.“

Der Redner erinnerte an den katholischen Priester aus Frankreich, dem fanatisierte „Gotteskrieger“ die Kehle durchschnitten hatten. „Bei allem Entsetzen über Greueltaten, die von IS-Terroristen verübt werden, dürfen die moralischen Werte, die Lebensweise und die Kultur in Europa nicht aus Angst aufgegeben werden“, forderte Nitz, der auch durch seine Arbeit im Nachbarschaftszentrum Grünhufe bekannt ist. Ebenso dürfe der Hass von Islamisten auf die westliche Welt nicht mit Hass oder gar Rache der Europäer auf die Terroristen beantwortet werden.

Ernüchternd und realistisch war die Einschätzung des katholischen Dekans Andreas Sommer, der sagte: „Die Zeit des Weinens und des Entsetzens wird es wieder geben." Andreas Sommer und sein evangelischer Kollege, Pastor Christoph Lehnert, setzen dennoch auf Vergebung und Versöhnung und berufen sich auf das Bibel-Wort: „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Bei allem durch Terror produziertem Leid fällt es vielen Menschen schwer, darauf mit Vergebung und Versöhnung zu reagieren. Vergeltung und Rache können nach Ansicht von Pastor Lehnert jedoch nicht die Antwort auf menschenverachtende Gewalt sein, weil sie eine Spirale der Gewalt heraufbeschwöre und zudem nicht dem christlichen Ethos entspreche. Lehnert erinnerte an die friedensstiftende Botschaft von Coventry, der englischen Stadt, die 1940 durch deutsche Luftangriffe fast dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Der Provost von Coventrys zerstörter Kathedrale, Richard Howard, sagte damals nach der Bombardierung durch deutsche Flugzeuge: „Wenn all dies vorbei ist, müssen wir unseren Feinden die Hand reichen und zusammen mit ihnen eine freundlichere Welt bauen.“ Diese auf Versöhnung bauende Botschaft müsse auch von den Stralsunder Friedensgebeten ausgehen, so Lehnert. cr

OZ

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