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Stralsund Gorch Fock: Verein will 1 Million haben
Vorpommern Stralsund Gorch Fock: Verein will 1 Million haben
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00:00 11.09.2018
Wahrzeichen oder nicht? Die Meinungen, ob die „Gorch Fock“ für viele Millionen saniert werden soll, gehen auseinander. Quelle: Foto: Alexander Müller
Stralsund

Die Führungsspitze der Stralsunder Stadtverwaltung rund um Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) war in den Verhandlungen um eine Übernahme des früheren Segelschulschiffes „Gorch Fock“ (I) offenbar weniger erfolgreich als angenommen. Dies geht aus einer Beschlussvorlage hervor, über die die Stadtvertreter nun zunächst in den entsprechenden Fachausschüssen der Bürgerschaft beraten sollen, ehe das Stadtparlament selbst für oder gegen eine Übernahme des Schiffes votiert.

OB Alexander Badrow hat bei seinen Verhandlungen über den Kaufpreis bisher offenbar nicht viel erreicht.

Während die Überschrift auf den Unterlagen („Zukunftssicherung des Segelschulschiffes ,Gorch Fock’ I“) noch recht optimistisch klingt, kommt man im weiteren Verlauf des mehrseitigen Dokumentes mit dem Zählen der Millionen für den Kauf und eine Sanierung der „Gorch Fock“ kaum hinterher. Unterm Strich soll das gesamte Vorhaben danach fast acht Millionen Euro kosten.

Die Beträge splitten sich folgendermaßen auf: 6,8 Millionen Euro sollen die umfangreichen Sanierungsarbeiten des 1933 erbauten Schiffes verschlingen, 200000 Euro sollen in eine neue Ausstellung im Innern der Bark fließen und 950000 Euro würde der jetzige Eignerverein „Tall Ship Friends“ bei einem Kauf durch die Hansestadt Stralsund erhalten. Aus dem Rathaus verlautete, dass der Kaufpreis nur bedingt verhandelbar sei, da auf dem Schiff finanzielle Verbindlichkeiten lasteten, die durch einen Verkauf gedeckt werden müssten.

Dennoch wirkt das Verhandlungsergebnis in Relation zu den bisher skizzierten Ausgangsbedingungen fragwürdig. Der Eignerverein hatte bereits während der ersten Gespräche vor drei Jahren einen Preis von knapp einer Million Euro für das Segelschulschiff aufgerufen, während kurz zuvor ein Schiffsgutachter den Wert auf maximal 416000 Euro geschätzt hatte. Der materielle Schrottwert betrage dem damaligen Gutachten zufolge sogar nur 160000 Euro. Der Stahlpreis war zu dieser Zeit auf Grund der schlechteren konjunkturellen Lage allerdings niedriger als heute. Mit der Bewertung war seinerzeit das Rostocker Ingenieurbüro Inros Lackner beauftragt. Diese Expertise soll bereits rund 100000 Euro gekostet haben. Inzwischen ist das Schiff erneut von einem Sachverständigen überprüft worden.

Im Gegensatz zu den in der nun vorgelegten Bürgerschaftsvorlage genannten 6,8 Millionen Euro für die reine Sanierung bezifferte der Eignerverein „Tall Ship Friends“ die Sanierungskosten gestern auf 9,2 Millionen Euro, die notwendig seien, um das Schiff den Vorgaben des Denkmalschutzes entsprechend instandzusetzen. Das Schiff war am 1. März 2016 auf die Denkmal-Liste des Landes gesetzt worden, nachdem es in den Jahren zuvor zum Großteil entkernt worden war, was zu Diskussionen geführt hatte, inwiefern der Großsegler noch als Denkmal zu betrachten sei.

Die Stadt hat inzwischen im Wirtschaftsministerium einen Förderantrag über 6,9 Millionen Euro für die Sanierung und den Kauf des Schiffes gestellt. Dies entspricht der höchst möglichen Förderquote von 90 Prozent der Kosten. Den Rest der Summe soll der Verein aus seinem Vermögen aufbringen. Er soll die „Gorch Fock“ nach einer Sanierung weiter als Museums- und Eventschiff betreiben.

„Wenn das beim Land beantragte Geld nicht kommt, droht die Verschrottung“, sagte der Gorch-Fock-Enthusiast Wulf Marquard. Grund dürfte der Zeitdruck sein, unter dem der Verein steht, weil 2020 das aktuelle Schwimmfähigkeitszeugnis der „Gorch Fock“ abläuft. Ohne weitere Sanierungsmaßnahmen würde das Segelschiff den Test nicht bestehen und müsste dann den Stralsunder Hafen verlassen. Zuletzt war die Schwimmfähigkeit der „Gorch Fock“ im Jahr 2015 überprüft worden. Alle Versuche, den Dreimaster zu sanieren, waren bisher am Geld gescheitert.

Badrow stellt dem Eignerverein in den nun vorgelegten Unterlagen kein gutes Zeugnis aus: „Nach Einschätzung der Verwaltung ist der „Tall Ship Friends“ e.V. personell und fachlich nicht in der Lage, Fördermittel in der geplanten Größenordnung zu bewirtschaften und Baumaßnahmen am Schiff in der zu erwartenden Dimension umzusetzen.“

„Gorch Fock“ bekommt 50000 Euro aus Vorpommern-Fonds

Kleiner Geldregen zwischendurch für weitere Reparaturen an der „Gorch Fock“ (I): Gestern überbrachte Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) einen Förderbescheid über 50 000 Euro. Der frühere Blohm+Voss-Manager Frank Müller nahm als neuer Technischer Leiter des Schiffes den Scheck entgegen. Das Geld soll für die Wiederherrichtung der Offizierskammern und der Kapitänskajüte eingesetzt werden. Damit der „Gorch Fock“ nicht schon demnächst die Betriebserlaubnis entzogen wird, muss bereits in den nächsten Wochen die Sicherheit der Takelage von einem Gutachter überprüft werden. Falls alles den gesetzlichen Vorschriften entsprechen sollte, wovon der technische Projektmanager und Schiffbau-Ingenieur Frank Müller gestern ausging, kann die Gorch Fock bis Ende Oktober 2019 weiter für Besucher geöffnet bleiben, ehe sie einer grundsätzlichen Sanierung unterzogen wird. Voraussetzung ist, dass die Stadt das Schiff bis dahin gekauft hat. crö

Benjamin Fischer

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