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Griegers Credo: Nicht meckern, anpacken

Stralsund Griegers Credo: Nicht meckern, anpacken

Der Chef des Hagebaumarktes und des Baustoff-Centers Linnenbecker wird morgen 65 Jahre alt.

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Der Tag des Abschieds rückt näher: Jürgen Grieger bereitet sich auf den Rückzug aus dem Unternehmen vor.

Quelle: Christian Rödel

Stralsund. Moment mal. Jürgen Grieger macht eine Kehrtwendung. Als der sechsjährige Albert und seine kleine Schwester Lisbeth mit ihren Eltern im Baumarkt auftauchen, geht der Chef erst einmal zurück in sein Büro, um Gummibärchen für die Lütten zu holen. „Sind doch unsere Kunden von morgen“, meint er lachend. Während er die Eltern mit Handschlag begrüßt und mit ihnen darüber fachsimpelt, was die Eigenheimbauer Peter-Thomas Haase (34) und seine Frau Juliane (30) denn noch so brauchen.

Ja, die Kunden. Die werden ihm sehr fehlen, überlegt er. Neben seinen Mitarbeitern in dieser „freundlichen, lockeren Atmosphäre“. Und auch seine Lieferanten, die mit ihm über die Jahre durch dick und dünn gegangen sind. „Aber man ist ja nicht aus der Welt.“

Der langjährige Leiter und geschäftsführende Gesellschafter des Baustoff-Centrums Linnenbecker und des Hagebaumarktes bereitet sich auf seinen Abschied in den Ruhestand vor. Und das geht ihm schon ein Stück nahe. Auch wenn er versucht, es zu verbergen. Zu fest ist er mit seiner Firma verwurzelt. Morgen wird Jürgen Grieger 65 Jahre alt. Am 31. Mai hat er seinen letzten Arbeitstag.

Dann will er vor allem für seine Frau in der Woche mehr sein, als nur der „Abendbrotkasper“. Der Vater dreier Söhne und Opa von fünf Enkeltöchtern freut sich auf mehr Zeit mit seiner Familie, darauf, in Ruhe Gartenarbeit erledigen zu können, auf seinen Sommerwohnsitz auf Rügen und aufs Reisen. Denn rast- und ruhelos, wie er nun mal ist, kam das alles in seinen Arbeitsjahren doch ein wenig kurz.

Aber davon wiederum möchte er keines missen. Denn in dieser Zeit hat der Mann, der in Landsdorf bei Tribsees geboren wurde, seit seinem 8. Lebensjahr in Stralsund wohnte und später nach Negast zog, sehr viel bewegt und aufgebaut. Ob als Firmenchef, als treuer Katholik der schon zu DDR-Zeiten den Papst in Rom besuchen durfte, als stellvertretender Kirchenvorsteher, Vorsitzender des Fördervereins, als engagierter Gemeindevertreter in Steinhagen oder ehrenamtlicher Handelsrichter. Immer nach seinem Leitspruch „Nicht nur meckern, sondern mit anpacken.“

Studiert hat der Sohn eines Schweißers, der schon als Junge Platt snackte, technische Verkehrskybernetik in Dresden. Der Beruf führte ihn auf direktem Wege zur Reichsbahndirektion nach Greifswald. Er war Eisenbahner mit Leib und Seele. Doch als es um solche Fragen wie Kampfgruppen oder Parteieintritt ging, machte Grieger deutlich: „Das ist nicht mein Ding.“ Die Folge: Repressalien und der berufliche Wechsel.

Jürgen Grieger wurde Transportbeauftragter im Industriebaukombinat (IBK, später BMK). Arbeitete in der Materialwirtschaft. Baute den Fährhafen Mukran mit auf. „Das war spannend und aufregend, hat mich aber auch gesundheitlich gefordert“, blickt er zurück auf jene Zeit der Mangelwirtschaft, als die sprichwörtliche Rede ging: „Beton mit Zement kann jeder...“

Mit dem politischen Umbruch hieß es für den Standortleiter Materialwirtschaft: „Du musst dir was einfallen lassen.“ Das tat er und gründete im April 1990 die Hanse Baustoff Handels GmbH. „Ich wollte unbedingt Hagebauer werden“, erinnert sich Jürgen Grieger. Im Oktober desselben Jahres eröffnete er seinen ersten Baumarkt. Heute beschäftigen die beiden Baustoff-Center Linnenbecker in Stralsund und Greifswald und der Hagebaumarkt 110 Mitarbeiter. Die Greifswalder Niederlassung wird von seinem Sohn Matthias geleitet, was Jürgen Grieger echt freut, denn die zwei sind ganz auf einer Linie: „Das unternehmerische Denken steht im Vordergrund.“

Ein erfolgreicher Tag ist für ihn immer dann, „wenn die Kunden im Fach- und Einzelhandel mit ebenso einem guten Gefühl nach Hause gehen, wie meine Mitarbeiter. Denn wir sind Problemlöser“, sagt Grieger. Sicher habe er auch bittere Erfahrungen machen müssen. Wenn es zum Beispiel hohe Forderungsausfälle gab, weil Kunden zuviel Vertrauensvorschuss erhielten. Das sei schmerzhaft. „Aber unsere Liquidität war nie gefährdet. Wir sind finanziell immer gut über die Runden gekommen“. Daran habe Hauptgesellschafter Linnenbecker mit seiner über 80-jährigen Familientradition den größten Anteil.

Wenn Grieger nun auch als Gesellschafter aus dem Unternehmen ausscheiden wird, sind alle Kredite getilgt. Bei einer Bau-Investition in Stralsund und Greifswald von 20 Millionen Euro. Abschied mit einem guten Gefühl. Und mit Stolz.

Wir sind Problemlöser für unsere Kunden.“Jürgen Grieger, Bauhaus-Chef

Marlies Walther

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