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Grünfläche wird zur fruchtbaren Oase

Turow Grünfläche wird zur fruchtbaren Oase

Auf dem Wasserburg-Areal in Turow experimentieren Bewohner und Besucher in Sachen Gartenbau

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Kezia Deichsel, Anna und Jan Barkow sowie Dieter Werner (ab 2. v. li.) pflanzen das Pfirsichbäumchen in die Mitte des zukünftigen Gartens. Selbst Joshua (li.), Sohn der Barkows, hilft. Fotos (2): Anja Krüger

Turow. Es scheint ein wenig fehlplatziert, das kleine Pfirsichbäumchen mit seinen leuchtenden rosa Blüten mitten auf der großen brach liegenden Fläche direkt an der Zufahrt zum christlichen Erholungs- und Freizeitheim „Wasserburg Turow“ in der Gemeinde Glewitz. „Es bildet den Mittelpunkt unseres experimentellen Gartens, den wir hier anlegen“, erzählt Anna Barkow (35), die mit ihrem Mann Jan vor knapp eineinhalb Jahren die fast 800 Jahre alte Burg in dem kleinen vorpommerschen Dorf gekauft hat.

OZ-Bild

Auf dem Wasserburg-Areal in Turow experimentieren Bewohner und Besucher in Sachen Gartenbau

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Ein Projekt, dass sich mit einzelnen Kursen und als Lehrgarten für interessierte Besucher und Gruppen durch das gesamte Jahr ziehen soll. „Ziel ist es, ein Beispiel zu geben, wie man sich mit einfachen Mitteln selbst versorgen und gesund ernähren kann“, erklärt die junge Frau, die sich selbst der vegetarischen Küche verschrieben hat und diese auch in der Wasserburg anbietet.

Von einem Garten scheint die Fläche an der Kopfsteinpflasterstraße aber noch weit entfernt. Lediglich gegrubbert wurde das circa 200 Quadratmeter große Stück der insgesamt vier Hektar-Burganlage.

Auch das Pfirsichbäumchen steht noch im Topf dort. „Das Anlegen ist der erste Kurs des Jahresprojektes“, berichtet Kezia Deichsel, unter deren Leitung aus diesem Acker ein Garten werden soll. Und das Pflanzen des kleinen Stammes mit seinen unzähligen kleinen Blüten ist nun der erste Schritt.

Gesund ernähren bedeutet auch für sie, auf industrielle Dünger zu verzichten. „Wir stellen unseren eigenen her“, betont sie. Derweil bringt Kursteilnehmerin Beatrice Medlow einen dampfenden Kochtopf zur Pflanzstelle, wo bereits ein Loch ausgehoben ist. Kleine Feldsteine liegen und ein Eimer mit Holzasche sowie ein Kanister mit Zuckerrohrmelasse stehen daneben. Jan Barkow bringt noch eine mit Dung beladene Schubkarre. „Wir pflanzen den Baum heute nach einer uralten Methode“, erzählt Kezia Deichsel und lüftet nun auch das Geheimnis des dampfenden Inhalts des Kochtopfes. Es ist schlichtweg aufgebrühter Kaffee. „Den lieben die Regenwürmer“, erklärt die gelernte Massagetherapeutin, die in Frankfurt am Main geboren und im Harz aufgewachsen ist. Zwischenzeitig habe sie in den Niederlanden gelebt und wohnt jetzt in Turow, ebenfalls auf dem Wasserburg-Anwesen.

Rund um das Pfirsichbäumchen sollen in den nächsten Tagen und Wochen Beete angelegt und auch eine Sitzgruppe gestellt werden. Umgraben sei nicht nötig, ist die Auffassung von Kezia Deichsel. Den Boden würden die Regenwürmer auflockern, denen sie mit zwei Varianten versuchen will, genug Futter zu geben. „Die Beete werden mit zwei unterschiedlichen Techniken angelegt. Die erste ist, den Boden mit Mulch abzudecken, die zweite, anstelle von Mulch Pappe, die mit Erde bedeckt wird, zu nehmen", erzählt sie und betont: „Es ist wirklich alles ein Experiment!“ Ihr Wissen habe sie sich angelesen und bei anderen Projekten angeeignet. „Zum Beispiel in Kolumbien“, berichtet sie. Bepflanzt solle dann alles mit Mischkulturen werden. „Pflanzen, die sich gegenseitig ergänzen — die düngen, nützliche Insekten, wie Bienen, anziehen und schädliche fernhalten“, erklärt die vielseitig interessierte Frau den weiteren Werdegang.

Und auch für die Bewässerung hat sie bereits eine Idee: „Eine Widderpumpe, die das Wasser aus dem tiefergelegenen Burggraben in den Garten befördert“, erzählt sie. Diese Pumpe arbeite völlig autark, benötige also keinen Strom. „In Mecklenburg-Vorpommern ist diese, so sie funktioniert, meines Wissens einzigartig“, erzählt Kezia Deichsel, die von Turow aus als freiberufliche Übersetzerin arbeitet.

Derweil scheint sich allerdings die Wasserversorgung auf andere Weise zu regeln. Kursteilnehmer Dieter Werner aus Demmin ist eine Stelle auf der zukünftigen Gartenfläche aufgefallen, an der der Boden ständig nass ist. Von der Neugierde gepackt, fängt er dort an zu graben. Nur wenige Zentimeter tief stößt er auf ein in die Erde gelassenes altes Rohr. Ein Brunnen? Dieter Werner will dieser Frage in den nächsten Tagen auf den Grund gehen.

Insgesamt hat sich einiges getan in den vergangenen eineinhalb Jahren auf dem Areal und auch in der Wasserburg. „Wir haben einige Zimmer bereits renoviert und in diesem Jahr sind die Flure dran“, berichtet Burgherrin Anna Barkow. Immer mehr zunehmen würden auch die Reservierungen. „Nicht nur von Gruppen — auch viele Familien kommen zu uns, die einfach einmal eine kurze Auszeit nehmen wollen“, berichtet sie. Und auch das Feiern auf der Burg würden immer mehr Menschen für sich entdecken.

Kontakt „Wasserburg Turow“: ☎ 0151 / 03411565 oder per E-Mail an info@wasserburg-turow.de

Zur Geschichte

Ursprünge der ehemaligen Wasserburg stammen aus dem 12. Jahrhundert.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg zu einer Dreiflügelanlage umgebaut. Die Anlage mit Walmdach steht auf einem hohen Sockelgeschoss, dass vermutlich ursprünglich von Wasser umgeben war.

In den folgenden Jahrhunderten erfolgten weitere Umbauten, aber im Grunde blieb das Bauwerk erhalten.

Zur denkmalgeschützten Anlage gehört ein vier Hektar großer Park, der im 18. Jahrhundert gestaltet wurde.

Besitzer der Burg und des Gutes waren bis 1409 Henricus Lüssow, bis 1636 die Bonows, bis 1719 Familie von Königsheim und schließlich die Familie von Ferber, in deren Besitz die Burg bis zum Tode Alexandra von Ferbers 1939 verblieb. Sie vererbte die Burg dem Diakon Heinrich Neumann, der sich seit 1926 um den Erhalt der Burg und des Inventars kümmerte. Er übergab 1957 die Burg und den Park in kirchlichen Besitz.

Quellen: Schlösser und Herrenhäuser in Vorpommern von Wolf Karge; www.gutshaeuser.de

Von Anja Krüger

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