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Stralsund Grünhufe: Migranten verunsichern Anwohner
Vorpommern Stralsund Grünhufe: Migranten verunsichern Anwohner
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07:52 05.12.2017
Die Angebote der offenen und integrativen Jugendarbeit in der Auferstehungskirche werden so gut angenommen, dass die Kapazitäten dort langsam erschöpft sind. Außerdem bleiben die Jugendlichen am Freitag oft länger, als die Kirche geöffnet ist. Quelle: Foto: Alexander Müller
Stralsund

Migranten, vor allem junge Männer, sollen in Grünhufe zunehmend Unsicherheit verbreiten. Dies geht in ungewohnt deutlichen Worten aus einem Protokoll der jüngsten Sitzung der so genannten „Stadtteilrunde Grünhufe“ hervor, die im Wesentlichen von der Stadtteilkoordination Grünhufe organisiert wird. Auch von sexuellen Übergriffen auf junge Frauen ist darin die Rede. Das Papier liegt der OZ vor.

Vor allem freitags sei das Problem offenkundig, wenn um 21 Uhr ein offenes Jugendangebot, das sich auch an Menschen aus dem arabischen Raum richtet, in der Auferstehungskirche zu Ende geht. Sie allein machen rund zwei Drittel der Gäste aus. Dieses Angebot wird oft von insgesamt bis zu 100 Menschen besucht (die OZ berichtete). Die Auferstehungkirche liegt in unmittelbarer Nähe zum Parkhotel, wo ein Großteil der jungen Flüchtlinge, die das Angebot nutzt, untergebracht ist.

Laut dem Protokoll fehlt den Jugendlichen, „die größtenteils syrischer Herkunft sind“, ein Anschlussangebot, sodass sie sich am Freitagabend lange Zeit weiter auf dem Gelände der Auferstehungskirche aufhalten würden „und es dann auch zu Rangeleien kommt. Das verunsichert die Anwohner sehr“. Mehrfach sei in den vergangenen Monaten die Polizei angefordert worden. Sind die Beamten dann vor Ort, würden sich die Gruppen zwar auflösen, allerdings in einen Skaterpark weiterziehen, wo sie von den Anwohnern nicht gesehen werden können. „Das Problem wird damit nicht gelöst, sondern verlagert. Im nicht sichtbaren Bereich ist das Aufgreifen der Schwierigkeiten sogar noch schwieriger“, halten die zwölf Teilnehmer der Stadtteilrunde schriftlich fest. Zu dem Kreis zählen Vertreter verschiedener Einrichtungen und Vereine der Gemeinwesenarbeit: Diakonisches Werk, Behindertenverband, Malteser, Sportvereine, Polizei, DRK, Stadtteilkoordination Grünhufe und weitere.

In der Runde sei dem mehrseitigem Protokoll zufolge auch aus Erfahrungen junger Mädchen berichtet worden, „die sich teilweise von den zugereisten Männern ausnutzen lassen“. Konkret heißt es in einer in Klammern eingefügten Ergänzung: „Die Mädchen berichten anonym von sexuellen und gewalttätigen Übergriffen, verlassen aber nicht die Bedrohungssituation und sind nicht bereit, Anzeige zu erstatten.“ In der Stadtteilrunde sei daraufhin angeregt worden, ein Mädchenprojekt zur Stärkung des Selbstbewusstseins und der sexuellen Selbstbestimmung ins Leben zu rufen. Zudem wird erneut kritisiert, dass es für den Stadtteil Grünhufe nach wie vor keinen Streetworker gebe.

Anja Schmuck, die Integrationsbeauftragte der Stralsunder Stadtverwaltung, will angesichts der hohen Zahl von Jugendlichen, die das offene Angebot in der Auferstehungskirche inzwischen nutzen, alle Möglichkeiten prüfen, um zusätzliche Integrations- und Freizeitangebote in Stralsund zu schaffen. Einen entsprechenden Termin soll es in der nächsten Woche geben, wozu sie die verschiedenen Integrationsakteure sowie Vertreter der Kirche und des Landkreises eingeladen hat.

Die Polizei bestätigt, dass es in Grünhufe mehrere Einsätze gegeben habe. Diese hätten bisher aber vor allem einen rein präventiven Charakter gehabt, sagt Sprecherin Ilka Pflüger.

Benjamin Fischer

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