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Häftlinge: JVA Stralsund wird zum Drogen-Knast

Stralsund Häftlinge: JVA Stralsund wird zum Drogen-Knast

Gefangene schreiben Brandbrief / Häftling musste nach „Spice“-Konsum ins Krankenhaus / Insassen werfen Beamten vor, durch Schmuggel und Willkür das Problem zu verschärfen

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Die hohen Mauern können nicht verhindern, dass Drogen wie „Spice“ in die JVA Stralsund gelangen.

Quelle: Christian Rödel

Stralsund. Das Stralsunder Gefängnis hat ein Drogenproblem: Immer mehr Häftlinge greifen zum sogenannten Rauschmittel „Spice“. In einem anonymen Brief an die OSSEE-ZEITUNG beschreiben Gefangene, wie sich die gefährliche Droge immer mehr in der JVA ausbreitet. In dem Schreiben heißt es, dass ein Insasse im Mai nach dem Konsumieren der Droge zusammengebrochen war und in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Die Autoren glauben, dass Willkür und Ungerechtigkeiten der Vollzugsbeamten der Grund sind, warum viele Insassen zu Drogen greifen. „Es ist kein Wunder, dass sich viele mit Drogen den Tag erträglich machen“, heißt es.

Es ist kein Wunder, dass sich viele mit Drogen den Tag erträglich machen.“Anonymer Brief von Stralsunder Häftlingen

Beim Justizministerium MV in Schwerin ist das „Spice“-Problem im Stralsunder Gefängnis bekannt. Ein Sprecher bestätigt, dass ein Häftling deswegen zur Behandlung ins Krankenhaus musste. „Seit Beginn des Jahres 2016 ist ein vermehrtes Aufkommen von Legal Highs (Spice) zu verzeichnen“, heißt es in einer Stellungnahme. So waren seit Januar 2016 sechs Gefangene mit dieser Droge auffällig. In der JVA sind mittlerweile Aushänge angebracht, die auf die gesundheitlichen Risiken von „Spice“ hinweisen.

Nach Angaben der Behörden gelangen verbotene Gegenstände immer häufiger über Besucher in die Haftanstalt. Deswegen würden Treffen vermehrt nur noch mit Trennscheibe erlaubt. Die Häftlinge, die den anonymen Brief an die OZ gesendet haben, geben darin jedoch an, dass Vollzugsbeamte selbst Drogen in die Haftanstalt schmuggeln würden. „Spice“ ist die geläufige Bezeichnung für synthetisches Marihuana. Das sind in der Regel getrocknete Kräuter, die mit Chemikalien besprüht wurden. Die Wirkung ist ähnlich wie bei natürlichem Marihuana, allerdings etwa 100 mal stärker. Die Folgen können vom Gedächtnisverlust bis hin zum Tod reichen.

„Spice“ ist gerade für Inhaftierte attraktiv, weil es bei Drogenkontrollen schwer nachweisbar ist und viele Varianten strafrechtlich nicht relevant sind. Nur bekannte Substanzen können verboten werden – die Wirkstoffe werden von den Herstellern jedoch ständig verändert und weiterentwickelt. Diese sogenannten „Legal Highs“ können oft ganz legal erworben werden. In der Stralsunder JVA sind Drogen jeder Art allerdings generell nicht erlaubt, dazu gehört zum Beispiel auch Alkohol. Laut Justizministerium wird jeder Drogenkonsum disziplinar- und gegebenenfalls strafrechtlich geahndet.

Bereits gewährte Lockerungsstufen werden widerrufen.

Die Autoren des anonymen Briefes an die OZ sehen die Ursachen für das Problem nicht bei den Insassen, sondern machen die Vollzugsbeamten für das Drogenproblem in der JVA verantwortlich. Sie sollen nicht nur Drogen schmuggeln, sondern auch Willkür bei der Vergabe von Privilegien walten lassen. Das betreffe beispielsweise Entscheidungen, wer in den offenen Vollzug darf, wann jemand einen Arzttermin bekommt und wie Hygieneartikel und frische Kleidung verteilt werden. Das führe zu Resignation bei den Insassen.

Das Justizministerium widerspricht den Vorwürfen. Die Unterbringung im offenen Vollzug werde gemäß der gesetzlichen Regelungen im Einzelfall geprüft. Entscheidend sei, ob Gefahr besteht, dass der Gefangene draußen weitere Straftaten begeht. Auch der Zugang zu medizinischer Versorgung sei klar geregelt. In der JVA Stralsund würden regelmäßig zwei Arztsprechstunden pro Woche angeboten. In akuten Bedarfsfällen werde der zuständige Bereitschaftsarzt herbeigerufen.

18 Gefangene dieses Jahr positiv auf Drogen getestet

32,04 Gramm Drogen wurden im Jahr 2015 in der JVA Stralsund sichergestellt. 2016 hat es bislang einen Fall mit 3,2 Gramm gegeben. Das sind Zahlen des Justizministeriums. 2015 wurden 289 Urinkontrollen auf Drogenmissbrauch durchgeführt, bei denen 22 Proben positiv waren. Im laufenden Jahr gab es bereits 18 positive Ergebnisse bei 176 Kontrollen.

Alexander Müller

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