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Stralsund Hafeninsel: CDU will Pläne für großen Hotel-Neubau stoppen
Vorpommern Stralsund Hafeninsel: CDU will Pläne für großen Hotel-Neubau stoppen
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00:00 29.08.2018
Ein Schandfleck in Toplage? Bislang ist zwischen den Speichern im Quartier 65 am Hafen ein großes Hotel geplant. Quelle: Foto: Stefan Sauer
Stralsund

Bei der dringenden Weiterentwicklung einer bislang zum Teil unbebauten Fläche auf der Stralsunder Hafeninsel drohen weitere Verzögerungen: Die CDU-Fraktion in der Bürgerschaft will während der Sitzung am Donnerstag überraschend das Investorenauswahlverfahren für den Bau eines großen Vier-Sterne-Hotels im Quartier 65 stoppen lassen.

Union schlägt stattdessen vor, ein öffentliches Schwimmbad bauen zu lassen / SPD und Grüne fürchten Imageverlust bei Investoren

Das Areal zwischen dem Restaurant Fischermann’s auf der einen und einem alten Speicher auf der anderen Seite gilt trotz seiner besonderen Lage als Schandfleck, der seit Jahren lediglich als Parkplatz genutzt wird. Aus diesem Grund hat die Bürgerschaft vor gut einem Jahr beschlossen, ein Investorenauswahlverfahren zum Bau eines Vier-Sterne-Hotels mit rund 140 Zimmern und mehreren Tagungsräumen zu starten. Geplante Investitionssumme für den Bau: 40 Millionen Euro.

Eine der vielen Herausforderungen an diesem Standort besteht darin, die alten Speicher in den Komplex zu integrieren. Die Gebäude auf der Hafeninsel stehen generell unter Denkmalschutz. Der Kaufpreis für das knapp 6000 Quadratmeter große Plangebiet soll bei mindestens vier Millionen Euro liegen, die in die städtische Kasse wandern würden, da die Fläche im Besitz der Stadtverwaltung ist.

Die Gründe, warum die CDU das Vorhaben nun in der Bürgerschaft gemeinsam mit der Wählergemeinschaft Bürger für Stralsund (BfS) kippen will, sollen dem Vernehmen nach auch darin liegen, dass das Investorenauswahlverfahren nur auf wenig Interesse gestoßen ist. Bauamtschef Ekkehard Wohlgemuth hatte im Juli 2017 im Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft noch eingeschätzt, dass die „exponierte Lage“ am Hafen ein Vorteil sei. Im Ergebnis des Verfahrens spiegelt sich dies bisher aber nicht wider.

Bestätigten OZ-Informationen zufolge haben sich lediglich zwei Interessenten gefunden, die die Fläche mit einem Hotel bebauen und die alten Speicher entsprechend einbinden wollen. Bei einem handelt es sich um eine Investorengruppe, die einen bundesweit tätigen Hotelbetreiber aus Niedersachsen an der Seite hatte. Mehrere Teilnehmer eines im Zuge des Investorenwettbewerbs gegründeten Auswahlgremiums, das Anfang Juli hinter verschlossenen Türen tagte, bezeichneten die vorgelegten Pläne „als geeignet“.

Der Zweite, der dem Auswahlgremium seine Vision für die Hafeninsel präsentierte, war Fred Muhsal, der in Stralsund bereits mehrere größere Bauprojekte verwirklicht hat. Sein Vorschlag für die Gestaltung des Quartiers 65 soll allerdings katastrophal gewesen sein. Demnach habe Muhsal in seinem Konzept an den Speicherfassaden Balkone vorgesehen, was mit dem Denkmalschutz kaum vereinbar wäre.

Ursprünglich sollte im Quartier 65 ein als Erweiterung des Ozeaneums gedachtes Mega-Aquarium mit 15 Millionen Litern Wasser entstehen, in dem die Seamounts als noch wenig erforschtes Unterwassergebirge zu erleben gewesen wären. Auch ein Hotel war damals dort vorgesehen. Dafür hätte die Landesregierung Fördermittel in Millionenhöhe bewilligen müssen. 2014 kam die Absage.

Die CDU schlägt als Alternative zu dem nun geplanten Hotelkomplex den Bau eines öffentlichen Schwimmbades mit Blick auf den Sund vor. „Es wäre nicht gut, ein Projekt in so einer Lage einem Investor zu überlassen, der dort Gewinne einstreicht, ohne dass die Stralsunder selbst etwas davon haben“, sagte der Vorsitzende des Bauausschusses der Bürgerschaft, Hendrik Lastovka (CDU). Außerdem seien Miet- statt Eigentumswohnungen denkbar. Dass das gesamte Verfahren damit abrupt beendet werde, sei zu verschmerzen. „Wenn wir warten, bis das Investorenauswahlverfahren zwar abgeschlossen ist, aber die Bürgerschaft dem Ergebnis am Ende nicht zustimmt, dann haben wir noch mehr Zeit verloren.“ Nach Vorstellungen der CDU könnte die städtische Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft dieses dann neue Projekt umsetzen.

Jürgen Suhr, Fraktionschef der Grünen in der Bürgerschaft, befürchtet indes einen Imageverlust für die Stadt. „Denn so darf man mit zukünftigen Partnern aus der Wirtschaft nicht umgehen. Wer soll sich zukünftig noch darauf verlassen, dass eine Ausschreibung oder ein Wettbewerb auch ernst genommen wird.“ Von einem Schwimmbad sei in dem ausgelobten Wettbewerb nie die Rede gewesen.

SPD-Fraktionschef Peter van Slooten bezeichnete die Schwimmbad-Pläne als „absurd“. Zudem sende die Stadt „ein fürchterliches Signal in die Wirtschaft“, wenn ein Investorenwettbewerb, für den die Bürgerschaft einstimmig votiert hat, „plötzlich abgeblasen wird“. Das nun gewählte Verfahren sei intransparent.

KOMMENTAR

Grüne Welle

Ein Schwimmbad auf der Hafeninsel mit Blick auf den Sund. Angesichts dieses Alternativvorschlages zu einem Hotel-Neubau muss man die Frage danach stellen, ob sich in Stralsund bereits neue politische Allianzen andeuten, womit die hiesige CDU der Union im Bund einen Schritt voraus wäre.

Die Idee für ein neues kommunales Schwimmbad stammt ursprünglich von den Grünen. Sie hatten dies vor Monaten vorgeschlagen, als es darum ging, den Nutzungsvertrag zwischen der Stadtverwaltung und dem Hansedom für das Sportbad, wo vornehmlich das Schul- und Vereinsschwimmen stattfindet, zu verlängern. Damals stimmte die CDU für eine Vertragsverlängerung mit dem Hansedom anstatt die Miete für das Sportbad lieber einzusparen und ein neues zu bauen. Dass sich nun ausgerechnet die CDU einer Grünen-Idee bemächtigt, um einen Hotelkomplex auf der Hafeninsel zu verhindern, kann man politisch durchaus als clever einstufen. Es könnte aber vor allem ein Trick sein, um von den wahren Hintergründen für den plötzlichen Sinneswandel abzulenken.

Benjamin Fischer

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