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Stralsund Haus vor dem Abriss: „Ihr werdet nicht glücklich damit“
Vorpommern Stralsund Haus vor dem Abriss: „Ihr werdet nicht glücklich damit“
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00:05 08.02.2018
Das Haus wurde nicht abgerissen, sondern steht noch immer. Gekauft hat es damals der Tischlermeister Rudolf Johst aus Niepars.

So manche Häuser in Stralsund gäbe es wohl heute nicht mehr, wenn sich nicht Menschen mit aller Kraft für ihren Erhalt eingesetzt hätten. Dazu zählt auch das Gebäude in der Wasserstraße 80, das auf diesen beiden Fotografien zu sehen ist. Das Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt“ hatte um die Jahrtausendwende eine große Aktion gestartet, um das Haus vor dem Abriss zu bewahren. Die Mitglieder hatten riesige Transparente und Plakate angebracht. An einem Bauzaun hing zum Beispiel ein Schild mit der fast schon drohenden Aufschrift: „Dieses Haus wird abgerissen. Ihr zerstört unser Kulturdenkmal. Ihr werdet nicht glücklich damit“. Auf einem anderen Transparent stand: „Dieses Haus schreit um Hilfe.“ Der Plan der Aktivisten ging so: Wenn jeder 50 DM spendet, ist das Haus gerettet.

Der Fotograf Stefan Sauer hält seit Jahren mit der Kamera fest, wie rasant sich die Hansestadt und ihr Umland verändern

Schließlich wurde das Gebäude von Tischlermeister Rudolf Johst aus dem Nachbarort Niepars gekauft, dessen Familie es noch heute besitzt. Durch den Erhalt konnte das historische Stadtbild an der Stelle erhalten werden, weil sich auch spätere Investoren an der bestehenden Architektur orientieren mussten.

Meister ist, der was ersann, Lehrling, das ist jedermann

So sehr sich auch die Werbung im Laufe der Jahrzehnte durch das Privatfernsehen und das Internet verändert hat, ist eines doch immer gleich geblieben: das gute alte Schild. Diese beiden Fotografien zeigen den Wandel der Werbebanner der Raumausstattung-Polsterei-Autosattlerei Schröder am Frankenwall. Das Unternehmen wurde 1946 von Tapeziermeister Karl-Heinz Schröder gegründet.

Mittlerweile befindet sich der Familienbetrieb bereits in dritter Generation. Die Schwarzweiß-Aufnahme stammt aus dem Jahr 1995. Interessant ist, wie das alte Schild damals repariert wurde. Weil die letzten beiden Buchstaben offenbar abgebrochen sind, wurde einfach ein zweites Schild notdürftig daneben angebracht und die beiden Buchstaben darauf gemalt. Darunter hängt ein weiteres Banner mit dem Spruch „Meister ist, der was ersann, Geselle ist, der was kann, Lehrling ist jedermann“.

Was wurde eigentlich aus Schlecker in Prohn?

Die Drogeriekette Schlecker ist in ihren erfolgreichen Jahren bis in kleinste Orte in ganz Deutschland vorgedrungen und hat dort Filialen gegründet. Nach dem großen Zusammenbruch des Konzerns im Jahr 2012 verloren nicht nur mehr als 30000 Mitarbeiter ihre Jobs, auch tausende Geschäfte in Innenstädten und auf Dorfplätzen standen plötzlich leer. So erging es auch der Gemeinde Prohn, deren Schlecker-Filiale in der Stralsunder Straße war. Bis heute hat der Ort keine neue Drogerie bekommen. In dem alten Schlecker-Gebäude befindet sich jetzt das „Pflege & Therapiezentrum ProSund“. Dabei handelt es sich um eine Tagespflege für alte Menschen mit körperlichen und/oder psychischen Einschränkungen. Allerdings ist das Haus kaum noch wiederzuerkennen. Es wurde komplett umgebaut und mit einer Holzfassade versehen.

Stralsund einst und heute

Am Boden ein gewaltiger Schuttberg, der von Einsatzkräften mit Wasser bespritzt wird, am Himmel dramatische Wolken – das Bild vom Stralsunder Quartier Kronswinkel aus dem Jahr 1996 hat etwas von einer Endzeit-Szenerie. Heute ist von dem Verfall nichts mehr zu sehen. Eine Investorengesellschaft hatte das Areal damals von 35 verschiedenen Grundstücksbesitzern gekauft, um darauf 60 Wohnungen, 17 Büros und 12 Läden für rund 20 Millionen DM zu schaffen. Am 15. November 1996 wurde dafür der Grundstein gelegt. Umgangssprachlicher Namensgeber dieses Wohnkomplexes ist übrigens die kleine Gasse Kronswinkel, die heute zwischen der Wasserstraße 50 und 51 in das Quartier hineinführt. Die Wohnanlage Kronswinkel war die erste großflächige Neubebauung in der Stralsunder Altstadt seit der Deutschen Wiedervereinigung.

Hotel „Zur Post“ mit neuem Gesicht nach der Wende

Das Hotel „Zur Post“ in Stralsund blickt auf eine lange Geschichte zurück – doch in dieser Zeit ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Eröffnet wurde es im Jahr 1794 und wechselte in den folgenden Jahrhunderten etliche Male den Besitzer. Als Otto Witt das Hotel „Zur Post“ 1912 kaufte, veröffentliche er eine Anzeige in der Stralsundischen Zeitung, in der er mitteilen ließ: „Es wird mein Bestreben sein, alle mich beehrenden Gäste mit guten Speisen und Getränken zu reellen Preisen zu bedienen.“ Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Herberge schon über elektrisches Licht und eine Warmwasserheizung. Das Hotel gibt es heute noch immer unter gleichem Namen, doch das alte Gebäude wurde nach der Wende komplett ersetzt. Zuvor war es eine beliebte Broilergaststätte. Auf dem Bild links sind die Überreste des alten Gebäudes zu sehen. Nach nur 18 Monaten Bauzeit erfolgte am 24. Juni 1995 die offizielle Eröffnung des neuen Hotels „Zur Post“.

OZ

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