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Stralsund Hilfe im Flüchtlingsheim wird dankbar angenommen
Vorpommern Stralsund Hilfe im Flüchtlingsheim wird dankbar angenommen
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16:21 11.03.2018
Der Syrer Ziat Edo (38) mit seinem Sohn Ronny (5) auf dem Spielplatz vor dem Flüchtlingsheim in der Rudenstraße. Quelle: Marlies Walther
Stralsund

Deutsch versteht er kaum. Und mit Englisch klappt es auch nicht viel besser. Aber mit einem offenen Lächeln. So bringt Ziat Edo, der mit seinem Sohn Ronny einen Ball auf dem Spielplatz hin und her kickt, zum Ausdruck, dass er froh ist, hier zu sein. Geflohen aus Syrien. Jetzt angekommen in Stralsund auf dem Dänholm. Im Flüchtlingsheim in der Rudenstraße 26, das von den Maltesern betrieben wird. Zwei von 100 Bewohnern aus 16 Ländern.

Der Vater nutzt das Wetter, um mit seinem Sprössling viel draußen zu sein. Beim Klettern hält er den Kleinen fest. Mit einem Kopfnicken bestätigt der 38-Jährige, dass es ihnen hier in Stralsund gut gehe.

Das Leben spielt sich ansonsten im Container auf sehr beschränktem Raum ab. Die Einrichtung ist spärlich. Viel lässt sich auf der kleinen Fläche auch gar nicht unterbringen. Zwischen zehn und 14

Quadratmetern sind die Zimmer im Schnitt groß. Ein Schrank, ein Bett, ein Tisch, zwei Stühle. Das war‘s dann auch schon.

„Umso dankbarer sind wir, dass wir nun bereits zum zweiten Mal eine Möbelspende erhielten, die wir sehr gut gebrauchen können“, sagt der Leiter der Einrichtung, Eckhard Losch (59).

Übergeben wurden dem Flüchtlingsheim Stühle, Tische, Schränke und Teppiche. „Die Teppiche haben für unsere Bewohner eine große Bedeutung. Da ist es gleich ein bisschen wohnlicher“, sagt Losch. Und auch die Schränke, die nun zum Teil alte Blech-Spinde ablösen können, seien sehr willkommen. „Dafür möchten wir uns bei dem Unternehmen MMZ ganz herzlich bedanken“, so Losch.

Auch das junge Paar Jewgeni und Natalia Maslov aus der Ukraine, das zusammen mit dem 14-jährigen Sohn nach Deutschland gekommen ist, kann sich über so einen neuen Schrank freuen.

Jewgeni streicht nahezu liebevoll über über das Holz. Der 33-Jährige ist Meister für Gasinstallationen. Seine Frau hat Verkäuferin gelernt. Warum sie ihre Heimat verlassen mussten, darüber wollen sie nicht viel erzählen und werden still. „Ja, es hatte auch mit politischen Repressalien zu tun“, deutet Jewgeni die Gründe an. Seit einem Jahr wohnt die Familie in dem Container. Und auch wenn sie gerne Arbeit und eine andere Wohnung hätten, versichern sie, dass es so schon alles in Ordnung sei, wie es jetzt ist. Beide haben Deutsch-Kurse belegt und verstehen fast alles. Aber mit dem Sprechen hapert‘s noch. Deshalb sind sie froh, dass Sozial-Betreuerin Ilona Schnur (64) für sie übersetzt. „Wir haben uns an das Heim gewöhnt und fühlen uns wohl “, erzählt Jewgeni. „Ja, wir sind dankbar“, fügt er noch einmal unterstreichend hinzu. Was er vermisse? „Unsere Verwandten. Sonst nichts“, meint der Familienvater.

Neue Freunde haben sie auch schon gefunden. Es sind Landsleute, mit denen sie sich zum Volleyballspielen verabreden. Der Junge geht zur Schule, die Eltern kochen alles von Pelmeni bis Pizza und helfen im Flüchtlingsheim mit. So viele Stunden, wie sie dürfen — bei der Reinigung von Gemeinschaftsräumen, wie der Küche oder der sanitären Anlagen. Jewgeni hat auch die Möbel mit aufgebaut.

Viel ist die Familie in der Altstadt unterwegs, die sie ein wenig an ihren Heimatort Myrhorod erinnert. Zu ihren Lieblingsplätzen in Stralsund gehört der Hafen. Gern fahren sie aber auch nach Altefähr. Die drei haben sich eingerichtet in ihrem neuen Leben und möchten bleiben. Doch wie ihre Zukunft aussieht, wissen sie nicht. Der Asylantrag läuft noch.

Unterstützung aus der Bevölkerung sei immer willkommen, sagt Eckhard Losch. So werde derzeit gerade der Spielplatz mit Hilfe von Spendengeldern erweitert. Gut gebrauchen kann das Heim ansonsten alles, was schnellem Verschleiß unterliegt: Vom Geschirr über Bettwäsche und Handtücher bis zu Töpfen und Pfannen. Größere Möbelstücke wie Schrankwände oder Couchgarnituren allerdings lassen sich nicht unterbringen. Dafür fehlt leider der Platz. Wer etwas abzugeben hat, kann sich gern bei Eckhard Losch (☎ 03831/280015) melden.

Von Marlies Walther

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