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Stralsund Historische Kommission wartet seit über einem Jahr auf Geld
Vorpommern Stralsund Historische Kommission wartet seit über einem Jahr auf Geld
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00:00 08.11.2016

In der Historischen Kommission für Pommern gärt es. Die ehrenamtlichen Mitglieder beklagen hohe bürokratische Hürden für Fördermittel, extrem lange Bearbeitungszeiten von über einem Jahr und eine grundsätzliche Vernachlässigung des Landes am Meer. Schwerin fokussiere sich in der Geschichtsschreibung nur noch auf die 18 Prozent Pommerns, die nach 1945 bei Deutschland blieben und nun zu Mecklenburg-Vorpommern gehören. „In der Landesbibliothek werden nur Arbeiten erfasst, die Orte betreffen, die auf dem Gebiet des heutigen MV liegen“, nennt Kommissionsmitglied Dr. Haik Porada ein Beispiel.

„Wahrscheinlich trete ich bei der Neuwahl des Vorstandes am 16. November nicht mehr an“, sagt der Vorsitzende Horst Wernicke. Er ist Professor für Hansegeschichte an der Ernst-Moritz-Arndt-Uni in Greifswald. „Wir warten seit über einem Jahr auf Geld. Es gibt keine Begründung. Wir haben die Schnute vull.“

Wernickes Stellvertreter ist Dr. Nils Jörn. Er ist auch Vorsitzender der David-Mevius-Gesellschaft und als Wismarer Stadtarchivar ebenfalls Mitglied der Historischen Kommission für Mecklenburg.

Jörn hat es in diesem Monat bei der Eröffnung einer Ausstellung in Stralsund in Anwesenheit von OB Alexander Badrow (CDU) so formuliert: „Wir müssen uns in Erinnerung bringen, sehr selbstbewusst und mit pommerscher Hartnäckigkeit. Wenn es jetzt die kommenden fünf Jahre kulturpolitisch so weitergeht, blüht irgendwann auch der Raps nicht mehr und die Kraniche bleiben weg.“ Jörn hofft, dass es mit der neuen Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) besser wird. Als Landrätin von Nordwestmecklenburg habe er mit ihr gute Erfahrungen gemacht.

Finanziell geht es um 14000 Euro Zuschuss aus dem Landeshaushalt. Horst Wernicke kann nicht nachvollziehen, warum die seit langem übliche Förderung von Qualifizierungsarbeiten wie Dissertationen zur pommerschen Geschichte neuerdings als Weitergabe von Geld an Dritte gewertet werde. Da könne man sich noch helfen, indem ein Mitglied der Kommission die Arbeit betreue, es so zum Projekt der Historischen Kommission mache. Aber die wichtigen Projekte von Laien fielen nun unter den Tisch. Außerdem müssten nun immer Eigenanteile erbracht werden. Darum würden die ehrenamtlichen Kommissionsmitglieder für ihre Freizeitarbeit als Herausgeber Geld berechnen und darüber genau Buch führen. „Das sind 39,44 Euro pro Stunde. Da wiehert der Amtsschimmel.“ Auch für eine neue Internetpräsenz sollen Eigenanteile erbracht werden. Sein Wunsch an Birgit Hesse: Die Historische Kommission soll in voller Verantwortlichkeit des Vorstandes ihr Geld selbst verwalten können. Dabei müsse man ganz Pommern im Blick haben. Darum sollten weitere polnische Kollegen in die Kommission aufgenommen werden. „Wir tagen 2017 in Stettin“, erzählt Wernicke. Bis dahin sollte das passiert sein. Der Sprecher des Schweriner Bildungsministeriums, Henning Lipski, weist die Kritik aus Vorpommern zurück. Die Unterlagen seien 2015 nicht vollständig gewesen und 2016 sei das wieder so. Man habe wiederholt die Regularien in Gesprächen erläutert. „Das Ausreichen von Steuermitteln erfolgt auf der Basis geltenden Rechts“, betont Lipski. „Von geltenden Regeln darf das Ministerium nicht abweichen.“ Dadurch, dass man die Veröffentlichung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse der Region fördere, würdige man die Arbeit der Kommission.

„Das Land pflegt die deutsch- polnische Zusammenarbeit, sodass der Blick keineswegs auf Vorpommern verengt ist“, sagt Lipski. Nach dem Bundesvertriebenengesetz werde die Bewahrung der Überlieferung der historischen Provinz Pommern gefördert. Dafür sei das Justizministerium zuständig.

Eckhard Oberdörfer

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