Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Wird historischer Turm ein Restaurant?
Vorpommern Stralsund Wird historischer Turm ein Restaurant?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 25.10.2018
Künstler Ian Wiskow mit einem Architektenentwurf, der eine künftige Nutzung des Turms als Restaurant vorsieht. Quelle: Christian Rödel
Stralsund

Ein technisches Denkmal der Hansestadt nimmt es optisch mit den drei größten Stralsunder Kirchen auf und bestimmt seit 1925 selbstbewusst die Silhouette am Strelasund als Blickfang mit. Die Rede ist vom architektonisch mächtigen Baukörper des denkmalgeschützten Schalthausturmes der einstigen Überlandzentrale Stralsund AG, die 1911 gegründet wurde und 1912 als Stromerzeugungsanlage in Betrieb ging. Als Brennstoff für die Erzeugung von Strom wurde Steinkohle aus dem Ruhrgebiet genutzt, um über frei hängende 5- und 15-Kv-Leitungen die in Stralsund produzierte Elektroenergie in das Umland bis nach Greifswald und Stralsund zu schicken. Eine 1914 montierte Turbine der Überlandzentrale erzeugte eine Leistung von zwei Megawatt, und im Jahre 1916 konnte ein weiteres Stromaggregat bereits eine Leistung von sechs Megawatt produzieren.

Alliierte Bomber trafen Kesselhaus

Zu einer grundlegenden Erweiterung des Kraftwerkes der Überlandzentrale Stralsund AG kam es zwischen 1920 bis zum Jahre 1929, in dem eine Seewasserreinigungsanlage mit neuem Pumpenhaus errichtet wurde. Im Jahre 1936 erzielte das Stralsunder Kraftwerk, das inzwischen mit den Überlandzentralen von Stettin, Stolp, Beigard und Massow fusioniert worden war, eine Gesamtleistung von 30 Megawatt. Der für Stralsund schicksalhafte 6. Oktober 1944 hatte die bittere Konsequenz, dass alliierte Bomber an diesem Tag in zehn Minuten einen Großteil der Frankenvorstadt in Schutt und Asche verwandelten. Der einstige Plauderberg, wo sich auch die Überlandzentrale befand, wurde besonders stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Kesselhaus der Überlandzentrale wurde durch drei Sprengbomben getroffen und schwer beschädigt, wovon heute noch Spuren an dem denkmalgeschützten Gebäude zu erkennen sind.

Das imposante Gebäude in der Nähe der Rügenbrücke war Teil der Wärmeversorgung für die ehemalige Stralsunder Schwimmhalle.

Ab 1969 Wärmelieferung für die Schwimmhalle

Doch bereits 1946, nach einer Reparatur des Gebäudes, konnten hier 11,5 Millionen Kilowattstunden erzeugt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat ein junger Ingenieur, der bereits im Peenemünder Kraftwerk seine erste Ausbildung absolviert hatte, auf den Plan: Der 90-jährige Hans-Joachim Brauns übernahm nach Kriegsende bis 1965 als Betriebsleiter die Geschicke des Kraftwerkes. Die Stromversorgung wurde 1965 eingestellt, und von diesem Zeitpunkt an stand die Wärmeversorgung unter anderem für die Volkswerft im Vordergrund und später ab 1969 für die erste Stralsunder Schwimmhalle. „Böse Zungen sprachen auf einmal vom unnützen Turm, weil er keine richtige Funktion mehr hatte“, erinnert sich Hans-Joachim Brauns zurück und lässt diese Behauptung jedoch nicht gelten, weil der E-Turm für das Zentrale Wasserlabor aller Kraftwerke der damaligen DDR genutzt wurde.

Tanzveranstaltungen im E-Turm

Wegen des akuten Wohnungsmangels wurden sogar für sechs Familien von Mitarbeitern kleinere Unterkünfte geschaffen, obwohl es keine staatliche Konzession gab, hier Wohnraum zu schaffen. Im ersten räumlich sehr großzügigen Geschoss des E-Turmes, wie er im Stralsunder Volksmund nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet wurde, gab es einen Kulturraum, der von Stralsundern genutzt werden konnte. Hier wurden unter anderem Betriebsfeiern, Geburtstage und Tanzveranstaltungen abgehalten, von denen Einheimische bis heute schwärmen. „Ich habe hier als Diskjockey bei unzähligen Tanzveranstaltungen meine Musik aufgelegt - hier damals war richtig Stimmung bei den Partys“, erinnert sich Hartmut Schröder zurück, der einen Großteil seines Berufslebens als Ingenieur auf der Stralsunder Ölspaltanlage verbracht hat.

Restaurant mit Rundum-Ausblick geplant

Als passionierter Hobby-Ortschronist sammelt Schröder alle noch auffindbaren Zeitzeugnisse – von Zeitungsartikeln bis hin zu historischen Fotos, die das alte Stralsund dokumentieren. Schröder war es auch, der dem Künstler Ian Wiskow, dessen temporäre Nutzung des E-Turm als Atelier gleichfalls für eine Aufarbeitung der Geschichte des Gebäudes nach sich zog, einige historische Aufnahmen für eine Ausstellung zur Verfügung stellte. In der hoch interessanten Ausstellung, die am Sonntag mit einer Finissage endet, ist auch ein Architektenentwurf für die zukünftige Sanierung zu sehen. Ein Gützkower Speditionsunternehmer, in dessen Besitz der E-Turm ist, hatte ein Greifswalder Architekturbüro mit einem Gestaltungsentwurf beauftragt. Nach den Plänen der Architekten könnte die oberste Etage für ein Restaurant mit 360-Grad-Ausblick genutzt werden, eine Wohnraumnutzung für die unteren Etagen ist wegen der Lage in einem Gewerbegebiet allerdings nicht möglich. Noch bis Sonntag besteht in diesem Jahr die letzte Möglichkeit, den E-Turm zu besuchen. Eine große Bitte hat Ian Wiskow an alle interessierten Besucher, die in den E-Turm kommen: „Ich suche Fotos, Dokumente, Zeitungsartikel oder einfach nur erzählte Erinnerungen über dieses Gebäude, um die Ausstellung erweitern zu können“.

Christian Rödel

Eine der prägendsten Schlossanlagen in Vorpommern, das Schloss Schlemmin im Landkreis Vorpommern-Rügen, wird zwangsversteigert.

25.10.2018

Unter den Auswirkungen des Diesel-Skandals leiden vor allem Autobesitzer in Großstädten, in denen Fahrverbote drohen. Weit gefehlt, auch viele Autohändler im eher ländlichen Vorpommern nehmen selbst einen drei Jahre alten Euro-6-Diesel nur ungern in Zahlung. Ein Selbstversuch unter realen Kundenbedingungen.

24.10.2018
Stralsund 125 000 Euro Schaden auf Rügenzubringer - B96: Sattelschlepper kracht in Wagen der Autobahnmeisterei

Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der B 96 sind am Mittwoch zwei Personen verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Ein Sattelschlepper war in ein Sicherungsfahrzeug der Autobahnmeisterei Süderholz gekracht. Der Schaden: 125 000 Euro.

24.10.2018