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Im kleinsten Kleingartenverein der Stadt

Stralsund Im kleinsten Kleingartenverein der Stadt

Auf elf Parzellen mitten in der Plattenbausiedlung wird kräftig gebuddelt, gepflanzt und geerntet.

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Mitglieder des kleinsten Gartenvereins vor der Laube ihres Vorsitzenden.

Quelle: Fotos: Nicole Müller

Stralsund. Von außen sieht man kaum etwas von den Kürbispflanzen, den Kartoffeln, Gladiolen oder Königskerzen, die sich hinter den hohen Büschen verstecken. So fällt vielen auf dem Weg über den Hinterhof zum nahen Einkaufsmarkt die Anlage des wohl kleinsten Gartenvereins der Stadt — Mietergarten am Teich — gar nicht auf. Gerade einmal elf Mitglieder buddeln und pflanzen hier mit ihren Familien in elf Gärten.

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Mitglieder des kleinsten Gartenvereins vor der Laube ihres Vorsitzenden.

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„Die Anlage war früher einmal größer“, sagt Hanni Timpe (61). „Aber nach der Wende verlotterten viele der ehemaligen Mietergärten.“ Seit 1991 im Verein, ist die gelernte Gärtnerin am längsten von allen dabei. „Ich wollte ursprünglich nicht mitten ins Plattenbauwohngebiet, weil ich Angst vor Einbrüchen oder Vandalismus hatte“, schildert sie.

Im Gegensatz zum typischen Schrebergarten begrenzen im Inneren nur niedrige Zäune die Gärten. Einige Flächen werden gemeinsam gepflegt. Fast wie beim „Urban Gardening“, mit dem triste Wohnflächen vor allem in Metropolen belebt werden. „Schade, dass es in den Städten immer weniger Grün gibt“, findet Hanni Timpe. Sie hat unter anderem die unter Naturschutz stehende Königskerze gepflanzt.

Die Gartenanlage ist wie ein ökologischer Kreislauf. Das Wasser zum Gießen kommt aus dem benachbarten Teich. Mit einem Solarpanel wird Energie produziert. „Wir nutzen den Strom aber nur zum Rasenmähen oder Wasserpumpen“, sagt der Vorsitzende, Michael Lesch (42).

In diesem Jahr übernahm er diesen Job. Vor ihm hatte Doreen Garnitz (30) den Vorsitz. 2009 hat sie mit ihrer Schwester hier angefangen, Dinge anzubauen. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe den Spaß am Selbstanbauen von meinen Eltern übernommen“, erzählt sie. Für ihren Sohn sei das früher auch toll gewesen, jetzt interessiere sich der 12-Jährige für andere Sachen. Aber Kindergeburtstage und Grillfeste werden noch mit allen hier gefeiert.

Neben dem Gemeinschaftsleben ist der Garten für viele eine günstige Möglichkeit, um frisches Obst und Gemüse anzubauen. „Da weiß man wenigstens, was drin ist“, meint Manuela Müller-Reich (48). Seit die ehemalige Verkäuferin im letzten November in einen der umliegenden Neubaublöcke eingezogen ist, wollte sie einen Garten im Verein. „Mein Mann hat schon jahrelang einen großen Garten, und ich wollte gern ein eigenes Stück Land, wo ich alles selbst bestimmen kann“, scherzt sie.

Auch Ältere, die eine große Parzelle nicht mehr bewirtschaften können, zieht es auf den Hinterhof. „Unseren alten Garten mussten wir im letzten Jahr aus gesundheitlichen Gründen aufgeben“, erklären Ingelore und Gert Schmitz (74). „Wenn es Probleme mit der Gesundheit, aber auch mit Alkohol oder Arbeitslosigkeit gibt, fällt das hier früh auf“, erklärt der Vorsitzende. Deshalb versuche man, sich untereinander zu helfen. Der Verein arbeitet eng mit den Stadtteilpaten zusammen. Bald sei ein Teichfest mit allen Anwohnern geplant.

 

Nicole Müller

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