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Stralsund Ältester Fisch des Ozeaneums im Interview
Vorpommern Stralsund Ältester Fisch des Ozeaneums im Interview
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06:33 04.11.2018
Herr Waxdick zieht seit 50 Jahren seine Kreise in den Aquarien Stralsunds. Quelle: Johannes-Maria Schlorke / Ozeaneum Stralsund.
Stralsund

Er gilt als der „dienstälteste Mitarbeiter“ des Ozeaneums: Herr Waxdick. Seit 1968 zieht der Stör seine Kreise in den Aquarien Stralsunds. Erst im Meeresmuseum und seit 2008 im Ozeaneum. In all den Jahren hat sich einiges angestaut, das dem zwei Meter langen Fisch auf der Seele brennt. Die OZ traf sich mit ihm und seinem engsten Vertrauten, Aquarienleiter Alexander von den Driesch, zum Interview.

Herr Waxdick, wie geht es Ihnen heute?

Waxdick: Gut, danke. Zum Frühstück gab’s ein Kilo gekochte Muscheln, mein Leibgericht. Das Wasser hat angenehme 12 Grad. Ansonsten ist alles wie immer. Ich lasse mich von der Strömung im Becken treiben.

Herr von den Driesch, Sie kennen Herrn Waxdick seit 2010. Wie würden Sie seinen Charakter beschreiben?

Driesch: Er ist ein sehr gelassener Fisch und lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Das macht ihn sympathisch. Es gibt viele Tiere die weitaus sensibler auf Menschen reagieren.

Wie stressig ist der Alltag mit all den Besuchern im Ozeaneum?

Waxdick: Manchmal nervt es schon, wenn die Kinder ihre Nasen an der Scheibe platt drücken. Und all die Fotos –ich habe aufgehört zu zählen. Aber nach 50 Jahren schockt mich nichts mehr.

Driesch: Wir weisen die Leute auch extra darauf hin, ohne Blitz zu fotografieren. Denn das kann Stress auslösen und zu Krankheiten führen. Leider respektieren das nicht alle.

Und wie ist die Stimmung im Aquarium?

Waxdick: Zumindest ist immer was los. Die ganzen Forellen, Flussbarsche und Lachse halten einen ordentlich auf Trapp. Man kennt sich, aber der Kontakt ist eher spärlich.

Gibt es eine Dame in Ihrem Leben?

Waxdick: Sie müssten doch wissen, dass mein einziger Artgenosse hier ein Männchen ist. Und die beiden anderen Störe sind Bester. Die finde ich unattraktiv.

Driesch: Es ist auch nicht unser Ziel, dass Herr Waxdick sich vermehrt. Er könnte es zwar noch, trotz seines hohen Alters. Aber wenn wir Nachwuchs brauchen, holen wir uns den aus einer professionellen Aquakultur. Herr Waxdick wird uns bestimmt noch 20 Jahre oder länger erhalten bleiben.

Das ist eine sehr lange Zeit in einem 25,8 m² großen Becken. Wären Sie nicht lieber in Freiheit?

Waxdick: Natürlich! Hier habe ich doch nichts zu tun außer fressen und gut aussehen. Draußen im Meer ist mein Zuhause. Obwohl mir mulmig wird bei dem Gedanken, auf mich allein gestellt zu sein.

Driesch: Deine Überlebenschancen in der Wildnis wären auch gering nach all den Jahren bei uns. Hier hast du alles: Nahrung, beständige Temperaturen und medizinische Versorgung. Deine Artgenossen in freier Wildbahn hingegen kämpfen jeden Tag ums Überleben.

Reicht das als Grund aus, um Fische hinter Glasscheiben zur Schau zu stellen?

Driesch: Wir machen viel mehr als das. Wir geben den Tieren eine Lobby. Die Menschen müssen Fische wie Herrn Waxdick auch abseits von Smartphones und Google kennen, um in der Zukunft für sie einzustehen. Im Ozeaneum haben wir jahrzehntelange Erfahrung damit. Nicht jeder darf Fische in Aquarien halten, aber wir können es.

Stimmen Sie zu, Herr Waxdick?

Waxdick: Teilweise. Es ist wahr, die Menschen müssen Typen wie mich kennenlernen, damit Verständnis und Respekt existieren. Und objektiv betrachtet, geht es mir gut. Aber man sollte nicht vergessen: Ich wurde nie gefragt, ob ich dieses Leben will. Ich wurde gegen meinen Willen gefangen und festgehalten.

Nehmen Sie diese Kritik an, Herr Driesch?

Driesch: Ja, natürlich. Ich verstehe das. Trotzdem glaube ich, dass man bei moralischen Bedenken und Tierschutz nicht zuerst uns hinterfragen sollte. Wir haben gute Absichten, über die sich natürlich streiten lässt. Die weitaus größeren Probleme sind aber Überfischung und Massentierhaltung. Da müsste man ansetzen.

Waxdick: Zumindest in deinem letzten Punkt sind wir uns einig.

Flemming Goldbecher

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