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Jetzt hat auch Stralsund seine Poller-Posse

Stralsund Jetzt hat auch Stralsund seine Poller-Posse

Der Chef der Hanse-Bahn fordert, die Sperre in der Mühlenstraße ein paar Meter zu verschieben, damit Touristen vom Bus aus das Rathaus sehen können.

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Der Elektro-Bus der Hanse-Bahn in der Mühlenstraße. Fahrer Ronny Vierhuff (r.) muss am Poller anhalten und seine Fahrgäste aussteigen lassen, damit sie das Rathaus sehen können. Im Vordergrund ist der neue, absenkbare Poller im Pflaster zu erkennen, der in den nächsten Tagen in Betrieb genommen wird. Er müsste um fünf Meter versetzt werden, um den Wunsch der Hanse-Bahn zu erfüllen.

Quelle: Jens-Peter Woldt

Stralsund. Irgendwie scheint ein Poller-Skandal zum guten Ton einer vorpommerschen Stadt zu gehören. Greifswald hat einen — und Stralsund jetzt auch. Der hiesige ist allerdings etwas anders gelagert als der am Ryck, wo das gute Stück an der historischen Klappbrücke von Greifswald-Wieck ständig seinen Dienst versagt.

Die Stralsunder Geschichte reicht aus, um den Mitgliedern des Bürgerschaftsausschusses für Bau, Umwelt, Ordnung und Stadtentwicklung irgendwie unangenehm zu sein. Sie sehen nämlich keine Lösung. Auch keinen Kompromiss. Also schicken sie den Chef der Hanse-Bahn, den Stralsunder Andreas Schwanz, am Dienstagabend wieder weg.

Für den 52-Jährigen ein abgekartetes Spiel. Er wirft der Stadt „Hinhaltetaktik“ vor. Denn jetzt seien mit den Pollern am Alten Markt Fakten geschaffen worden, die zu ändern einfach zu teuer sei.

Dabei hätte es doch schon gereicht, wenn die Sperre in der Mühlenstraße fünf Meter weiter in Richtung Markt errichtet worden wäre. Dann nämlich könnten die Touristen bei der Stadtrundfahrt in seinem Elektro-Bus sitzen bleiben, das Rathaus in seiner vollen Pracht genießen und den Erklärungen des Fahrers lauschen. „Jetzt müssen die Fahrgäste — oft sind es alte und auch gehbehinderte Menschen — extra aus- und dann wieder einsteigen“, schildert der Firmenchef.

Bereits im November habe er sich an den Stadtvertreter Thomas Haack (Bürger für Stralsund) gewandt, der habe auch den Kontakt zur zuständigen Abteilung der Stadtverwaltung hergestellt, berichtet er weiter. Ein für ihn befriedigendes Ergebnis sei nicht zustande gekommen. Darum habe er an den Präsidenten der Bürgerschaft geschrieben.

Der Brief liegt nunmehr auf dem Tisch des entsprechenden Fachausschusses — seit einer Woche und damit zu spät, weil die Bauarbeiten an den absenkbaren Pollern kurz vor dem Abschluss stehen. Darum will sich auch keiner in dem Gremium die Hinhaltetaktik vorwerfen lassen. Frank Lange (Wählergruppe Adomeit) erklärt sogar, Andreas Schwanz habe einfach den falschen Weg gewählt, um sein Problem zu lösen. „Sie hätten sich gleich an unseren Ausschuss oder an den Präsidenten der Bürgerschaft wenden müssen.“ Und der Vorsitzende Nico Völker (FDP) verabschiedet ihn mit den Worten, dass es ihm leid tue, aber da sei nichts zu machen.

Für den Firmenchef ist es ein Unding, dass es nicht gereicht habe, den Weg in die zuständige Abteilung für Straßen und Stadtgrün im Bauamt zu gehen. Aber auch Abteilungsleiter Stephan Bogusch will sich den Schwarzen Peter nicht unterjubeln lassen. Natürlich sei das Problem beraten worden. „Allerdings sahen wir damals keinen zwingenden Grund, den versenkbaren Poller in der Mühlenstraße an einer anderen Stelle zu bauen“, betont er. „Dass die Touristen aussteigen und ein paar Meter vorlaufen, halten wir durchaus für zumutbar.“ Zudem sei es sehr wichtig, dass der Alte Markt autofrei bleibe.

Schließlich gebe es einen entsprechenden Beschluss der Bürgerschaft, den er umzusetzen habe. Hinzu komme, dass es den Besuchern der Freiluftplätze der Gaststätten am Alten Markt unangenehm sei, wenn die Busse zu dicht an ihren Tisch kämen. Die müssten schon die Bimmelbahn ertragen. Die dürfe über den Platz fahren, weil sie in den engen Altstadtstraßen nicht wenden könne.

Damit genieße das Unternehmen Hanse-Bahn bereits ein Privileg. Der Firma weitere Ausnahmen zuzubilligen, würde nach sich ziehen, auch anderen Anbietern von Stadtrundfahrten das Befahren des Alten Marktes mit ihren Bussen zu gestatten. Dabei spiele es auch keine Rolle, dass der Bus der Hanse-Bahn ein Elektro-Fahrzeug sei.

Für Andreas Schwanz sind das alles keine zwingenden Argumente. 1992 wagte der heute 52-Jährige mit seinen Stadtrundfahrten den Schritt in die Selbstständigkeit. Vor vier Jahren schaffte er sich den kleinen Elektro-Bus an, mit dem er seinen Fahrgästen etwas mehr Komfort bieten kann. „Früher durfte ich sogar durch die Fußgängerzone fahren“, sagt er. Seit die Firma Scholz ebenfalls Rundfahrten anbiete, müsse er immer neue Auflagen der Behörden erfüllen. Die Poller-Posse bezeichnete er als „jüngste Schikane“.

Jetzt müssen die Fahrgäste — oft sind es alte und auch gehbehinderte Menschen — extra aus- und dann wieder einsteigen.“Andreas Schwanz (52), Chef der Hanse-Bahn

 

Jens-Peter Woldt

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