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Jetzt wird jede Hand für den Hering gebraucht

Stahlbrode Jetzt wird jede Hand für den Hering gebraucht

Seit dieser Woche werfen die Fischer in Stahlbrode wieder ihre Netze aus, um die silbrigen Speisefische einzufangen. Gestern wurden 800 Kilogramm angelandet.

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Fischer Ralf Krehl (vorne) puhlt die Fische aus dem Netz. Im Hintergrund packt ein Helfer kräftig mit an. Fotos (3): Raik Mielke

Stahlbrode. Der Hering ist in Stahlbrode angekommen und die Männer der Fischereigenossenschaft „Am Sund“ haben jetzt alle Hände voll zu tun.

Es ist kurz vor halb sieben, als gestern Morgen die Fischer die Leinen los machen und mit zwei Booten die „Heringsrunde“ drehen. „Früher brauchten wir dazu nicht raus, haben wir doch den Fisch direkt vor der Haustür“, scherzt Bernd Schütze, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft. Und tatsächlich haben die Fischer nach fünf Minuten die richtige Stelle erreicht. Nur wenige hundert Meter entfernt vom Liegeplatz stoppen die Boote und die Männer beginnen routiniert die Netze einzuholen. „Jetzt geht es endlich wieder los. Der Hering ist seit Mitte der Woche so richtig da“, freut sich Fischer Ralf Krehl, dessen Blick auf die vollen Netze gerichtet ist. „Wir haben jetzt vier Reihen mit einer Länge von 125 Metern in sieben Meter Tiefe ausgelegt. Das Netz hat eine Höhe von rund fünf Metern“, beschreibt der erfahrene Fischer weiter.

„Heute sind wir mit zwei Booten draußen. Das ist relativ entspannt. Ab Montag geht es dann mit vier Booten etwas mehr zur Sache“, sagt Bernd Schütze. Eine halbe Stunde ist seit dem Ablegen der Fischkutter vergangen und schon sind sie wieder zurück am Liegeplatz. „Das ist ja der große Vorteil unseres Standorts“, betont Bernd Schütze und erklärt: „Wir haben einen geringen Treibstoffeinsatz, kurze Wege und somit frische Produkte mit einer sehr hohen Qualität.“ Die Heringssaison hat gerade erst begonnen. Bernd Schütze schwört vor allem auf die ersten Frühlingsfische. „Der entscheidende Faktor ist jetzt die geringe Wassertemperatur“, sagt er und erklärt: „Das Wasser ist sehr klar und dies spiegelt sich nicht zuletzt in der Qualität der zappelnden Silberlinge wieder.“

Am Morgen weht bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt eine leichte, aber sehr frostige Brise. Doch kein Problem für die Fischer, die inzwischen in Handarbeit die Schuppentiere aus dem Netz pulen. Zwei Fischkutter voller Hering oder anders gesagt rund 800 Kilogramm des Schwarmfisches gilt es, einzeln in die Kisten zu packen. Streng beobachtet von hunderten Möwen, die jedoch sehr abwartend die Arbeit der Fischer beobachten. Etwa keinen Hunger auf frischen Hering?

„Na klar — sehr großen sogar, aber wir haben sie trainiert“, beschreibt Bernd Schütze. Was eigentlich wie ein Witz klingt, ist tatsächlich ernst gemeint. „Wenn wir stundenlang auf dem Kutter arbeiten, wäre das andauernde Geschrei der Möwen sehr belastend. Sie wissen, dass es nach getaner Arbeit einige Fischköpfe gibt, aber bis dahin müssen sie die Federn still halten“, erklärt der erfahrene Fischer aus Stahlbrode. Nach knapp zwei Stunden sind die Netze leer, die Kisten voll und auch die Möwen haben eine frische Leckerei bekommen. Die Fischer können zwar erst mal an Land kommen, aber an ein gemütliches Zurücklehnen ist noch nicht zu denken. „Die meisten Kunden möchten ihren Hering ausgenommen und ohne Kopf. Und genau dies ist jetzt unsere Aufgabe“, beschreibt Sven Bölkow, der gemeinsam mit Jörg Lange Fisch für Fisch verarbeitet. „Viele haben schon gefragt und in den nächsten Tagen und Wochen erwarten neben unseren größeren Abnehmern viel Laufkundschaft“, ist sich Bernd Schütze sicher. Bis zum März fischen die Männer aus Stahlbrode zudem noch Hecht, eher dieser dann Schonzeit hat. „Der Zanderfang läuft nicht gut, aber wir sind optimistisch, dass sich dies bald ändert“, so Schütze.

Ob und wann es ein Heringsfest gibt, ist noch nicht klar.

Ohne Schwarm ist dieser Fisch orientierungslos
Die Heringe sind eine Familie der „Echten Knochenfische“, die fast weltweit in allen Ozeanen zwischen 70° nördlicher Breite und 60°südlicher Breite und vor allem in den Tropen vorkommt. Etwa 57 Arten leben in Süßgewässern. Einige wechseln zwischen Süß- und Brackwasser. Die bekanntesten Arten sind der Atlantische Hering und die Sardine.
76 Zentimeter lang können manchen Arten werden. Die meisten bleiben aber unter 25 Zentimeter. Ohne Kontakt zum Schwarm reagieren Heringe orientierungslos.
7 Fischer auf bis zu vier Booten arbeiten in Stahlbrode in der Heringszeit.

 



Raik Mielke

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