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Junge Europäer pflegen Kriegsgräber am Sund

Stralsund Junge Europäer pflegen Kriegsgräber am Sund

36 Mädchen und Jungen aus zehn Ländern arbeiten bis zum 24. Juli auf den Friedhöfen der Stadt.

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Sie pflegen in Stralsund Kriegsgräber: Ala Kukoba (21) aus der Ukraine, die beiden Rumäninnen Teodore Cislariu (16) und Lavinine Leahu (17/v. l.), Nicolas Merlinge (21/h. l.) aus Frankreich sowie Stijn Baele aus Belgien.

Quelle: Karin Rogalska

Stralsund. „Arbeit für den Frieden“ lautet die Botschaft auf ihren T-Shirts. Sie wollen in Stralsund „die Welt verschönern“ und Kontakte für ein ganzes Leben knüpfen. Während eines internationalen Workcamps des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreuen 36 junge Europäer aus zehn Ländern bis zum 24. Juli die Kriegsgräberstätten in der Hansestadt. Acht Tage sind sie auf den Friedhöfen im Einsatz, ihre Unterkunft ist die Gerhart-Hauptmann-Schule am Frankenwall.

Bei Ausflügen nach Hiddensee, Rostock, Rügen oder Schwerin erfahren sie mehr über das Land, das für ihre Großeltern noch der Erzfeind schlechthin war. Ihre Heimat stellen sie am 17. Juli auf dem Nikolaikirchhof vor, wenn sie bei der Aktion „Rote Hände“ gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten protestieren.

Zum feierlichen Auftakt des Camps erinnerte der stellvertretende Oberbürgermeister Holger Albrecht am Donnerstagabend im Löwenschen Saal des Rathauses daran, dass auch 70 Jahre nach Kriegsende in Deutschland immer noch täglich Leichen von Soldaten geborgen werden, „die Ehemänner, Väter und Brüder“ waren. Frieden und ein tolerantes Miteinander seien der einzige Weg in die Zukunft.

Im Alltag der jungen Leute sind die beiden verheerenden Weltkriege kaum Thema. „Daheim sprechen wir selten darüber“, sagt Alla Kukoba aus der Ukraine. Nicolas Merlinge aus Frankreich hat zwar seine Freunde befremdet, als er von seinem Einsatz in Deutschland berichtete. Doch das liege daran, dass „ein Friedhof eben ein etwas merkwürdiger Ort zum Arbeiten ist“, betont er.

Die beiden Rumäninnen Teodora Cislariu und Lavinine Leahu werfen ein, dass in ihrem Land der Volkstrauertag am 13. Juni begangen wird.

Sie alle wollen in Stralsund ihr meist schon ausgezeichnetes Deutsch weiter aufpolieren und mehr über die Lebensgewohnheiten der Menschen in einem anderen Land erfahren. Viele sind nicht das erste Mal dabei. Für Alla ist es das vierte, für Nicolas sogar schon das fünfte Camp. Stijn Baele aus Belgien hat sich von einem Freund begeistern lassen, der schon ein halbes Dutzend Mal dabei war.

In der Regel gebe es weit mehr Bewerber als freie Plätze, bestätigt Birgit Rüge-Fischer, Referentin für Jugend-, Schul- und Bildungsarbeit beim Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Volksbunds. An der Kostenregelung für das Camp wird deutlich, wie ernst es den jungen Leuten mit ihrem Engagement ist: Für An- und Abreise sowie einen Großteil des Aufenthalts kommen sie nämlich selbst auf.

602 Kriegsgräberstätten
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde am 16. Dezember 1919 gegründet.

1920 entstanden die ersten Ortsverbände in Mecklenburg, seit 1991 besteht der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern.

Schirmherrin ist derzeit die Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider.

602 Kriegsgräberstätten gibt es an 401 verschiedenen Orten Mecklenburg-Vorpommerns.
69 153 Opfer wurden dort bestattet.

 

Karin Rogalska

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