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Kahle Fröste töten Pflanzen

Kahle Fröste töten Pflanzen

Während Kälte die Pflanzen auf dem Festland im Winter schädigte, war es auf Rügen zu nass und zu warm

Lüssow. Getreideflächen umbrechen und neu ansäen — das sind Aufgaben, die die vorpommerschen Landwirte in diesem Frühjahr zusätzlich bewältigen müssen. Schuld hatte der Winter — nicht weil er zu streng war, sondern weil es keinen Schnee gab, der die jungen Pflanzen schützen konnte.

 

OZ-Bild

Solche Winterschäden sind hier bei uns nicht üblich.“Christian Ehlers, Chef des Bauernverbandes Nordvorpommern

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„Wir haben Haare gelassen", sagt Hans-Walter Blunck und spielt damit nicht nur auf sein lichteres Haar an. „Die Fröste im Januar bei eisigem Ostwind und minus 15 Grad ohne schützende Schneedecke haben uns rein gerissen. Besonders der Weizen war betroffen. Wir müssen wohl 10 bis 15 Hektar umbrechen“, so der Lüssower Landwirt. Sein Betrieb bewirtschaftet 500 Hektar vor den Toren Stralsunds, und das mit vier Festangestellten. „Wie sich der Rest entwickelt, werden wir in zwei Wochen sehen, ich hoffe, es bleibt jetzt Frühling“, meint Blunck und rechnet in diesem Jahr mit einer durchschnittlichen bis miesen Ernte.

„73 Hektar Winterweizen mussten wir jetzt umbrechen, den Boden erneut bearbeiten und Sommerweizen aussäen“, sagte Petra Schmidt, Geschäftsführerin der Vorländer Agrargenossenschaft. Das alles verursache natürlich zusätzliche Kosten, und die Erlöse fürs Getreide seien bisher seit der vergangenen Ernte von Monat zu Monat weniger geworden.

Etwa 1000 Hektar bewirtschaftet der Vorländer Betrieb insgesamt, 300 davon waren im Herbst mit Winterweizen bestellt worden. „Der rasche Wechsel zwischen relativ hohen Plus- und Minusgraden zu Jahresbeginn, sogenannte Wechselfröste, waren Schuld“, ist sich die Landwirtin sicher. Das würden die Pflanzen nicht vertragen.

Die Wintergerste, die die Vorländer ebenfalls anbauen, sei relativ gut über die kalte Jahreszeit gekommen. Bis auf die Nassstellen“, grenzt Petra Schmidt ein. Die hätte es in den zurückliegenden Monaten auch gegeben. Aber jetzt könnte die Landwirtschaft auf dem Festland schon wieder Regen gebrauchen. Der letzte fiel am 7. März. Nicht schadlos hat den Winter der Vorländer Raps überlebt. Etwa fünf Hektar müssen noch umgebrochen und dann erneut bestellt werden. Ganz sicher, wie viel es letztlich sein wird, ist sich Petra Schmidt nicht. Denn man könne noch nicht einschätzen, ob die Rapspflanzen im Boden nässegeschädigt seien und bereits verfaulen. „Etwa ein Viertel der Vorländer Rapsflächen seien auf jeden Fall betroffen und haben sich nicht optimal entwickelt, wenn sie auch nicht generell neu bestellt werden müssen“, ergänzt Petra Schmidt.

„In allen Regionen auf dem Festland des Kreises Vorpommern-Rügen gibt es diese Auswinterungsschäden“, sagt der Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern, Christian Ehlers. Allerdings hänge der Schaden auch von den Sorten, die eingesetzt wurden, dem Aussaattermin und den Aussaatbedingungen ab. „Bei uns in Vorland sind die größten Schäden auf leichteren Böden“, ergänzt Petra Schmidt. Die landwirtschaftlichen Betriebe seien sehr unterschiedlich betroffen, einige müssen jetzt auf mehreren hundert Hektar neu aussäen, informiert Ehlers. Dabei seien die Strategien sehr unterschiedlich:

Einige würden Sommergetreide drillen, bei denen der Ertrag aber generell geringer sei. Andere legen Mais.

„Grundsätzlich sind solche Schäden hier nicht üblich“, sagt Christian Ehlers. „Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass wir schon mal Flächen im Frühjahr aufgrund von Frostschäden umbrechen mussten“, so Petra Schmidt.

Auch für den Landwirt Jan-Heinrich Lass aus Tempel bei Ribnitz-Damgarten war es ein schlechter Winter. „Bei uns hat es den Weizen getroffen. Wir müssen etwa 120 Hektar, 20 Prozent unserer Weizenanbaufläche, umbrechen. Dort säen wir Sommergerste aus.“

Auf Rügen gab es keine größeren Frostschäden. „Wir haben durch die Insellage ein milderes Klima. Der Winter war eher zu warm und zu feucht“, berichtet Walter Lonskowski, Vorsitzender des Bauernverbands Rügen. „Dadurch vermehren sich Krankheitserreger. Vielleicht sind zusätzliche Pflanzenschutzmaßnahmen nötig.“

Aktionstag auf dem Neuen Markt

Beim bundesweiten Aktionstag des Bauernverbandes zum Thema „Preise“ wollen auch die hiesigen Landwirte auf ihre Situation aufmerksam machen.

Auf dem Neuen Markt in Stralsund informieren die Bauern am kommenden Mittwoch 9.30 Uhr über die aktuelle Preissituation für landwirtschaftliche Produkte. Eine weitere Veranstaltung findet in Schwerin statt.

Die Bauern laden zum Osterfrühstück ein, wollen mit den Verbrauchern ins Gespräch kommen und anhand der landwirtschaftlichen (Frühstücks)-Produkte darüber informieren, wie viel beziehungsweise wie wenig Geld der Endverbraucher bei ihnen ankommt.

Mitglieder und Mitarbeiter der Bauernverbände werden an diesem Aktionstag in Stralsund vor Ort sein.

Von Almut Jaekel und Ines Sommer

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