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Kalkbrennerei droht der Verfall

Stralsund Kalkbrennerei droht der Verfall

Technische Denkmäler gehören zu den ungeliebten Kindern. In diese Rubrik fällt auch ein besonderes Zeitzeugnis der Hansestadt: Die historische Kalkbrennerei Franzenshöhe.

Stralsund. „Es handelt sich um ein einzigartiges schützenswertes Ensemble, für das es im Land Mecklenburg-Vorpommern kein anderes Beispiel gibt“,

beschreibt Denkmalpflegerin Dr. Ursula Markfort die Bedeutung der Kalkbrennerei Franzenshöhe. Ein dringendes Sicherungsprogramm wäre nötig, um die Zerstörung und den weiteren Verfall zu stoppen. Das ist derzeit jedoch nicht in Sicht.

Auch wenn sich die Gebäude auf dem über 10 000 Quadratmeter großen Areal in einem erbärmlichen Zustand befinden, sind von der Anlage noch wesentliche Teile des alten Produktionsbereiches und der Wohn- und Lagerhäuser vorhanden. 1837 hatte der Unternehmer Karsten die Steingutfabrik samt Brennerei und Ziegelei auf der ehemaligen Frankenweide errichtet. 1847 erwarb C. A. Rühs die gesamte Anlage.

Der Stralsunder Otto Broese übernahm die Produktionsstätte um 1914. Durch die Luft-Fahrzeug-Gesellschaft wurde ein ehemaliges Lagerhaus 1919 zum Arbeiter-Wohnhaus umgebaut. Die Kalkbrennerei war bis in die 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts in Betrieb. Zuletzt dienten einzelne Gebäude als Farbenlager.

Von den ehemals drei Brennöfen existiert noch ein Rüdersdorfer Kalkschachtofen mit einer 20 Meter hohen Esse. Er wurde in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts aufgrund des zunehmenden Bedarfs an Kalk in der Baustoff-, Chemie- und Eisenindustrie entwickelt. Der verarbeitete Kalk stammte vom Mukraner Ufer oder wurde aus Gotland per Schiff gebracht.

Die Auslastung war so groß, dass selbst im Winter produziert wurde, wie man 1855 in der Stralsundischen Zeitung lesen konnte. Verwendung fand der Kalk bei den meisten Königlichen Bauten, wie dem Preußischen Garnisonslazarett (ehemaliges Konsumhaus) auf dem Neuen Markt oder den Marineanlagen auf dem Dänholm.

Vorhanden sind weiterhin das ehemalige Maschinenhaus, ein Kohleschuppen, sämtliche auf einem Lageplan von 1895 skizzierte Wohnhäuser, so auch die zu Wohnungen umgebaute Scheune und die historische Fabrikantenvilla.

Dieser zweigeschossige klassizistische Bau steht am westlichen Eingang des Geländes. Auf der Ostseite befindet sich ein Balkon, der durch vier starke Pfeiler gestützt wird. Durch seinen landhausartigen Charakter setzt sich das Unternehmerhaus deutlich vom eigentlichen Produktionsbereich ab.

Die eine Hälfte des Geländes verwaltet die Stadt, die andere Hälfte gehört dem Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt“. Dabei handelt es sich um das ehemalige Haus des Besitzers und das sogenannte Langhaus, die von acht Mietern bewohnt werden, die hier auch bleiben möchten. Hinzu kommt eine leerstehende Kate.

Die inzwischen 95 Jahre alte Käthe Knoff, geborene Broese, hatte dem Verein ihren Anteil am Erbe geschenkt. Für den Komiteevorsitzenden Dr. Dieter Bartels sind die drei denkmalgeschützten Häuser ein „schwieriges Kapitel“. Im Zusammenhang mit der Aufstellung eines B-Planes für den neuen Industrie- und Gewerbepark Franzenshöhe sei das Bürgerkomitee gefragt worden, ob es verkaufen würde. „Dazu sind wir durchaus bereit. Wir würden's gern vermarkten“, sagt Bartels.

In den maroden ofenbeheizten Häusern sind die Sanitärbedingungen sehr schlecht. Außerdem dringe überall Feuchtigkeit durch. Sowohl in die „verkommene Villa“ als auch in die weiteren Wohnungen und die jetzt unbenutzbare Kate müsse man in jedem Fall sehr viel investieren, um die Gebäude zu erhalten.



MARLIES WALTHER

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