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Stralsund Kampf mit Trillerpfeife und Rufkonzert
Vorpommern Stralsund Kampf mit Trillerpfeife und Rufkonzert
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00:00 07.03.2013
Eltern und Kinder fordern, dass die Schule in Tribsees bleibt.
Tribsees

Eltern, Lehrer, Omas und Opas, aber auch „ganz normale“ Einwohner der Kleinstadt versammelt, um gegen die Schließung ihrer Grundschule Front zu machen.

„Sozialverhalten ungenügend“ steht auf einem Transparent. „Es kann doch nicht sein, dass hier eine so traditionsreiche Schule weg soll“, schimpft Manuela Fiebig aus Rekentin. Die Tochter der 46-Jährigen besucht die 2. Klasse der Heinrich-Bandlow-Schule in Tribsees. Die 44-jährige Evelyn Thomas mischt sich ein: „Diese Schule leistet so viel. Da geht es nicht nur um Bildung, sondern hier werden Sport, Kultur und Begegnung angeboten.“

Auch Angela Wokersin kann sich gar nicht beruhigen: „Ich habe zwar keine Kinder mehr in der Schule, aber auch ich will, dass sie bleibt. Sonst haben wir ja bald nur noch alte Leute in der Stadt. Es gehen ja so schon so viele weg. Und mir blutet das Herz, wenn ich dran denke, dass Tribsees immer eine große Schule hatte. Zu meiner Zeit fand der Unterricht hier vierzügig statt“, sagt die 57-Jährige, die froh ist, dass sie in der Agrar GmbH als Buchhalterin einen Job hat. „Wenn die Schule stirbt, stirbt Tribsees — so einfach ist das“, findet Ulrich Baumann. Der 72-Jährige hat sich mit seiner Trillerpfeife unters Demonstrantenvolk gemischt und will gemeinsam mit seiner Frau lautstark zeigen, dass die Grundschule hier Bestand haben soll.

Schul-Chef Frank Telzerow lässt am Mikrofon noch einmal Revue passieren, was in den letzten Wochen passiert ist. „Nach einer Aussage von Tilo Koch aus der Abteilung Kommunalaufsicht des Kreises im Januar-Amtsausschuss stand ganz klar im Raum, dass mit Blick auf die Schulentwicklungskonzeption nur eine der beiden Schulen Bestand hat. Da die kleine Schule auf dem Lande in Grammendorf eine besondere Form ist, heißt das doch ganz klar: Tribsees oder Bad Sülze. Und das wollen wir nicht. Wir sprechen uns für den Erhalt aller drei Grundschul-Standorte im Amtsbereich Recknitz-Trebeltal aus“, so der 48-Jährige, der zurzeit bei den Lütten Mathe und Informatik unterrichtet, unter Beifallsstürmen. Und er steht nicht allein auf dem Marktplatz gegenüber dem Rathaus: Sein komplettes Kollegium stärkt ihm den Rücken.

Die Idee, auf die Straße zu gehen und für die Erst- bis Viertklässler einzustehen, hatte der Schulelternrat. „Kurze Beine — kurze Wege, das muss doch gerade für unsere Jüngsten gelten. Außerdem wollen wir die tolle Arbeit an unserer Schule nicht aufgegeben sehen. Weihnachtsprogramm, Oma-Opa-Tag, Tanzen und vieles mehr, alles geboten von ganz duften Lehrern. Deshalb sagen wir ganz klar:

Unsere Schule muss bleiben!“ Die lauten „Ja“- Rufe samt starkem Applaus geben ihr Recht. Und der Zuspruch wird noch stärker, als die Schüler selbst das Mikrofon in die Hand nehmen. „Ich heiße Joeline, ich bin neun Jahre alt und gehe in die dritte Klasse. Bald kommt meine kleine Schwester zur Schule, und ich möchte einfach nicht, dass sie jeden Tag mit dem Bus fahren muss. Sie ist doch noch so klein.“

Bürgermeister Thomas Molkentin (CDU) hat sich unters Volk gemischt. „Wir haben in dieser Stadt Bildung seit 1354“, sagt er und ergänzt: „Ich finde es toll, dass hier eine ganz sachliche Atmosphäre herrscht. Und die Tribseeser wollen keine alten Gräben aufmachen. Von wegen Bad Sülze oder Tribsees. Hier steht auf den Plakaten, dass alle drei Grundschulstandorte bleiben sollen. Das finde ich richtig gut.“

Dass sich der Proteststurm an diesem Abend vor dem Rathaus entlädt, hat einen guten Grund: In wenigen Minuten beginnt dort die Amtsausschuss-Sitzung. Und so wird nun jedes Mitglied, das bei der Ankunft die Rathaustür öffnet, mit einem Pfeifkonzert empfangen. Und die vielen selbst gemalten und gebastelten Schilder und Umhänge werden noch mal extra hoch gehalten...

Drinnen sind die Zuschauerreihen gut gefüllt, denn viele wollen ihre Fragen loswerden. So will Frank Telzerow wissen, warum nur zwei Standorte genehmigungsfähig seien. Außerdem fragt er, ob es Sinn macht, viel Geld in Bad Sülze zu investieren, wenn das Gebäude vielleicht gar nicht ausgelastet ist — gerade im Hinblick auf das Wachsen der privaten Schule in Dettmannsdorf-Kölzow.

Fragen über Fragen, die nach den Äußerungen von Tilo Koch in der Januar-Sitzung jetzt immer mehr hochgekocht sind. Verständlich, denn solche Sätze, die übrigens auch im Protokoll festgehalten sind und nach einer technischen Störung nun auch wieder im Internet nachzulesen sein sollen, machen Sorge. Und Antworten gibt es keine. Amtsvorsteher Hartmut Kolschewski erklärt, warum: „Hier ist immer wieder die Rede von dem, was Herr Koch gesagt hat. Ich betone ausdrücklich, dass dies nicht die Meinung des Amtsausschusses ist. Wir sind noch gar nicht soweit, weil wir gar keine genauen Schülerzahlen haben.“

Zwar kann sich Thomas Molkentin aus Tribsees mit seinem Anliegen, die Entscheidung zu Förderanträgen für Bad Sülze erst einmal ein paar Jahre zurückzustellen, bis die Schulentwicklungsplanung im Landkreis in Angriff genommen wird, nicht durchsetzen. Aber: Immerhin erreicht man nach schleppender Debatte und vielen Missverständnissen doch noch etwas: Einstimmig bekennen sich die 14

Amtsausschuss-Mitglieder: Alle drei Grundschulen — Tribsees, Bad Sülze und Grammendorf — sollen erhalten werden.

Ines Sommer

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